Aarau
150 Jahre Salut- und Böllerschüsse in Aarau dank des Artillerievereins

Der Artillerieverein Aarau feiert am Barbara-Tag sein 150-Jahr-Jubiläum. Ursprünglich von Korps-Angehörigen gegründet, ist der Verein heutzutage primär für die Böller- und Salutschüsse am Maienzug zuständig.

Hermann Rauber
Merken
Drucken
Teilen
Auf dem Platz neben der Kirche wecken die Artilleristen jeweils zum schönsten Fest im Jahr, zum Maienzug. az

Auf dem Platz neben der Kirche wecken die Artilleristen jeweils zum schönsten Fest im Jahr, zum Maienzug. az

Am Sonntag, 4. Dezember, am Ehrentag ihrer Schutzpatronin, der heiligen Barbara, feiern die Aarauer Artilleristen das 150-jährige Bestehen ihres Vereins. Auch wenn der Jubilar seine besten Tage hinter sich hat, so treten die wackeren Kanoniere mindestens einmal im Jahr, nämlich beim Einschiessen des Aarauer Maienzugs, öffentlich in Erscheinung.

Gegründet wurde der Artillerieverein Aarau am 5. Mai 1861 in der Brauerei Weinberg, und zwar als eine ausserdienstliche Vereinigung von Angehörigen des Artillerie- und Genie-Korps, die «durch Kameradschaft und nationale Gesinnung» verbunden und «zum bewaffneten Schutz des Vaterlandes» befähigt waren. Man nahm diese Pflichten anfangs durchaus ernst und hielt im Sommer jeden Dienstagabend «praktische Übungen» ab, sei es am Geschütz, beim Richten, im Traindienst oder beim Fechten und Schiessen. Im Winter erweiterte man die Kenntnisse im Rahmen von Vorträgen auf theoretischem Gebiet.

Dabei konnte der noch junge Verein auf prominente Unterstützung zählen. Im Sommer 1861, so ist in einem Beitrag der Militärhistorikerin und az-Redaktorin Dagmar Heuberger in den Aarauer Neujahrsblättern 1986 zu lesen, lag ein Schreiben des Artillerieinspektors Oberst Hans Herzog vor, der sich als Aarauer um die Aufnahme bewarb.

General war Ehrenmitglied

Der spätere General wurde daraufhin auf der Stelle zum ersten Ehrenmitglied ernannt. In den Jahren 1912/13 war Aarau Vorort des Schweizerischen Zentralverbandes und führte die nationalen Artillerietage durch. 1920 erhielt der Verein endlich eine Fahne, 1945 gar ein eigenes Organ, nämlich den «Aarauer Artillerist».

Zu den traditionellen Aufgaben der Artilleristen gehörten bei passender Gelegenheit zünftige Salut- oder Böllerschüsse, zum Beispiel nach der Abstimmung über die Totalrevision der Bundesverfassung 1874, bei der 600-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft 1891, bei kantonalen oder eidgenössischen Festen in Aarau oder am Beginn des Aarauer Maienzugs.

Zapfenstreich mit Kadettenkanone

Dieser Brauch hat sich bis heute gehalten, die berittenen Kanoniere lassen es heute mit ihrer alten Kadettenkanone jeweils zum Auftakt des Zapfenstreichs auf dem Platz neben der Zinne neben der Stadtkirche krachen und wecken die Aarauerinnen und Aarauer am Morgen des ersten Freitags im Juli zum schönsten Fest im städtischen Kalender lautstark.

Vorbei sind hingegen die Zeiten wilder Barbara-Feiern anfangs Dezember, die wegen Fällen von Nachtruhestörung anfangs des 20. Jahrhunderts regelmässig die Polizei auf den Plan riefen und bei der lärmgeplagten Bürgerschaft für Empörung sorgten.

Heute geht es bedeutend gesitteter zu und her, neben dem Einsatz am Maienzug enthält das Jahresprogramm lediglich noch die «Auffahrtsübung», die ihren militärischen Charakter längst verloren hat und zum kulturellen Familienanlass mutiert ist. Zu den Kernanlässen gehört für die rund 40 Mitglieder, die der Verein laut Präsident Ruedi Fasler noch zählt, der so genannte Hexenbraten am Bärzelistag im Unterstand Oberholz.

Schätze in der Artilleriestube

Geblieben ist aus besseren Tagen die Artilleriestube im Dachstock des Kaufhauses (Postfiliale) in der Altstadt, die 1976 bezogen werden konnte und zahlreiche Schätze aus der Vereinsgeschichte (historische Uniformen, Fahnen, Waffen, Zinnteller, Pokale sowie als Prunkstück den Original-Felddienstsäbel von Ehrenmitglied und General Hans Herzog) beherbergt.

Sonst aber ist es ruhiger geworden im Verein. «Nachdem die Artillerie in der alten Form nicht mehr besteht und zu einer hochtechnisierten Einheit mit Simulationsschiessen mutiert ist, fehlt es uns an Nachwuchs», erklärt Präsident Ruedi Fasler. Was der Freude über eine glorreiche Geschichte und damit der 150. Barbara-Feier am nächsten Sonntag keinen Abbruch tut.