Aarau

20. Jubiläum für Berufsfachschule kaz. – ihr Gründer spornte durch eigene Motivation an

«Einsatzleitung» steht am Büro von Franz Bohnenblust.

«Einsatzleitung» steht am Büro von Franz Bohnenblust.

In Aarau feiert die staatlich anerkannte private Berufsfachschule kaz. von Franz Bohnenblust ihr zwanzigjähriges Bestehen. Dabei half vermutlich auch des Gründers Charisma.

In der Schweiz scheint das Geflecht der Bildungswege nahezu lückenlos. Ein Plus dieses Landes, das deutlicher noch gewürdigt werden sollte, als dies – meist etwas pflichtschuldig – getan wird. Ein Plus nicht zuletzt hinsichtlich der Sozialausgaben und der Integration. «Nahezu» aber heisst eben nicht absolut lückenlos. Wo es immer noch «Lücken» gibt, genau da fand vor 20 Jahren eine kaufmännische Privatschule in Aarau ihre Nische und eroberte Zug um Zug ihren Platz – das kaz. (Kaufmännisches Ausbildungszen­trum Aarau).

Woran misst sich der Erfolg einer Schule? An vielen – auch sogenannten weichen, nicht statistisch erfassbaren – Faktoren. Verlässlich zeigt sich Erfolg aber gewiss am ungebrochenen Lebensweg jedes und jeder Einzelnen. Viele haben am kaz. nicht nur die Stabilisierung von «Brüchen» mancher Art, sondern für ihre Zukunft den genau richtigen Schub erfahren.

Im Alter von 50 Jahren sein grösstes Projekt gestartet

Das kaz. motivierte alle durch spürbar eigene Motivation. Die Schule regte an, bestärkte, mahnte, donnerwetterte bei ­Larifari, stellte gelegentlich selbst Ultimaten. Stets am spürbarsten dabei war in den 20 zurückliegenden Jahren offenbar der Mitbegründer der Schule und heutige Verwaltungs­ratspräsident, Franz Bohnenblust.

Der ehemalige Gemeindeschreiber und Journalist startete mit 50, aber mit Dampf nochmals ein grosses Projekt, sein grösstes: eine Schule. Selten haben wir ein Bildungsinstitut gesehen, das dermassen vom Geist seines Gründers geprägt gewesen wäre. Selten mag auch sein, dass der charismatische Chef der «Einsatzleitung» (so ist selbst heute noch sein Büro angeschrieben) die Führung schliesslich umsichtig in andere Hände übergeben und insofern «loslassen» konnte, als Bohnenblust heute die meiste Zeit in einem eigenen Rebhang am Brienzersee verbringt.

Bohnenblusts Methoden wirken im Licht der Gegenwart sicherlich altmodisch: erzieherisch, nicht bloss pädagogisch. Offizierston bei Bedarf, Zentralisierung aller «Vibrations», Frontalunterricht, Interesse auch für persönliche Belange während Krisen der Schüler. Viel kommentierte Charaktermethoden, nie aber berüchtigt.

Es gibt unseres Wissens keine kaz.-Abgänger, die sich nicht freuen würden, den ehemaligen «Pauker» wiederzusehen. Die Erfolgsquote an kaufmännischen Lehrabschlussprüfungen beträgt am kaz. 99,6 Prozent. Die nächsten Lehrgänge an der Tagesschule beginnen am 10. August. Von den 30 Ausbildungsplätzen (zwei Klassen à 15 Lernende) sind bis jetzt bereits 27 ver­geben.

Ein immens starkes Zukunftspfand

Bei unserem Augenschein am kaz. nahmen wir Platz in einem Vorbereitungskurs für Rechtsfragen. «Seien Sie unbesorgt», sagte die Lehrerin zur Klasse, «in drei Jahren sprechen Sie das Wort mühelos aus.» Das sperrige Wort hiess «konkludent». Auch wir lernten noch nie gehörte Worte: das «Fahrnispfand» zum Beispiel (ausgehändigter Wertgegenstand als ­Sicherheit) oder das «Retentionsrecht» (das gewissermassen gewaltsam zurückbehaltene Pfand): «Ein immens starkes Handwerksrecht», erläuterte die Lehrerin.

Genau das ist kaz.: Für viele ein immens starkes Zukunftspfand.

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