Gastkolumne

220 Jahre in die Vergangenheit: Aarau wird wieder zur Bundeshauptstadt

Vor rund 220 Jahren war Aarau Bundeshauptstadt. Wäre das wieder der Fall könnte Aarau endlich alle seine Trümpfe ausspielen.

Vor rund 220 Jahren war Aarau Bundeshauptstadt. Wäre das wieder der Fall könnte Aarau endlich alle seine Trümpfe ausspielen.

«Manchmal helfen solche Gedankenspiele, um Bestehendes zu hinterfragen, neue Ideen zu kreieren und Altes über Bord zu werfen.», schreibt Kreisschulrats-Präsidentin Martina Suter in der Gastkolumne «Leben in Aarau».

Vor rund 220 Jahren war Aarau Bundeshauptstadt – wenn auch nur für fünf Monate. Im April 1798 wurde Aarau zur Hauptstadt ernannt. Im September des gleichen Jahres entschieden sich die helvetischen Parlamentarier dann bereits für eine Verschiebung nach Luzern, aber mit dem Ausbau der Stadt hatte Aarau bereits begonnen. Seit 1848 werden die Schweizer Geschicke in Bern entschieden.

Letzte Woche verhalfen mitunter die Berner Stadtratsherren von Graffenried und Noser ihrer Stadt zu unrühmlichen Schlagzeilen. Während der Sessionen gilt ja ein klares Demonstrationsverbot vor dem Bundeshaus, für dessen Durchsetzung aber offensichtlich zweierlei Mass genommen wird. Klimaaktivisten wurden tagelang geduldet, während man Vertreter von rechts im 2014 vertrieb und für ihre Aktionen büsste. Für Demonstrationswillige in Bern erweist sich eine politische Übereinstimmung mit der Links-Grünen der Stadtregierung wohl als ausschlaggebend für einen Bewilligungsstempel oder für eine Duldung von Gesetzesbruch. Derart offensichtlich parteiisches Verhalten steht der Bundeshauptstadt schlecht an. Gleichheit vor dem Gesetz ist schliesslich das Fundament unserer Freiheit und unseres modernen Rechtsstaates, der 1798 in Aarau seinen Anfang nahm. Warum also die Verwaltungs- und Regierungszelte nicht wieder zurück nach Aarau verschieben?

Damals bemängelten die helvetischen Parlamentarier den akuten Tagungs- und Wohnraummangel und entschieden sich wie erwähnt für Luzern. Dieser Umstand gilt nicht mehr. In der neuen Alten Reithalle könnten wir die heutigen Parlamentarierinnen/Parlamentarier referieren und abstimmen lassen, bis dann das Fussballstadion dereinst gebaut ist und jegliche Schutzabstände einhalten liesse. Allenfalls müssten wir die Hotelbettenzahl für die politischen Vertreter aus dem Tessin und dem Welschland etwas hochfahren. Die Zukunft vom «Aarauerhof» wäre mitunter gesichert. Da Aarau quasi in der Mitte der Schweiz liegt, könnten die übrigen Parlamentarier jedoch daheim übernachten und morgens wieder mit dem Zug anreisen. Die Spesennoten zu Lasten der Steuerzahler dürften um einiges tiefer als bisher ausfallen. Und die SBB kämen nicht umhin, Aarau wieder besser ans nationale Bahnnetz anzubinden – ein willkommener Nebeneffekt, wenn man an die jahrelangen Bemühungen unserer Politiker zu Gunsten dieses Ziels denkt.

Ein grosser Teil der Administration müsste natürlich auch nach Aarau verlegt werden. Die in den letzten Jahrzehnten aufgeblähte Bundesverwaltung würde notgedrungen mit einem Mal etwas Luft verlieren. Einige würden nahe dem Bärengraben bleiben wollen. In Aarau würde es für die Verwaltung auch etwas enger – abspecken wäre angesagt. Das ehemalige Gastro Social Haus und das leerstehende, alte Eniwa-Gebäude würden sich im Nu von unten bis oben füllen und der Stadtrat wäre weitere Sorgenkinder los. In der Stadt und der Umgebung fände sich bestimmt noch die eine oder andere leerstehende Liegenschaft, um die restlichen Beamten einzuquartieren.

Die verwaltungsverwaiste Stadt Bern hätte dann die Möglichkeit, über die Bücher zu gehen. Vielleicht sogar in einem Workshop zusammen mit Davos, welches das WEF vorläufig verloren hat und sich diesbezüglich neu erfinden muss. Aarau könnte endlich alle seine Trümpfe ausspielen, insbesondere den mit einem unparteiischen Stadtpräsidenten und einer stadträtlichen Vorsteherin der Polizei, die als Juristin weiss, dass Gesetze und Reglemente für alle gleich gelten müssen.

Warum sollten wir uns heute eigentlich nicht Ähnliches zumuten, was unsere Vorfahren 1798 wagten? Manchmal helfen solche Gedankenspiele, um Bestehendes zu hinterfragen, neue Ideen zu kreieren und Altes über Bord zu werfen.

Martina Suter (56) ist Juristin und Unternehmerin sowie Präsidentin des Kreisschulrats. Sie wohnt in Aarau.

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