«Risikoacher» – so nennt Kreisschul- und Einwohnerrätin Denise Zeller Xenaki (CVP) das Schulhaus Risiacher. Und so soll das baufällige Schulhaus auch im Abstimmungskampf bezeichnet werden, zumindest von den Befürwortern des Neubaukredits. Er kommt am 19. Mai zur Abstimmung. Und gestern kamen einige Befürworter verschiedener Parteien auf dem Schulhausplatz zusammen, um sich für die kommenden drei Wochen zu rüsten. Es gilt, Überzeugungsarbeit zu leisten, Flyer zu verteilen, Position zu beziehen. «Denn es gibt Menschen im Dorf, die unseren Kindern anständige Lernbedingungen nicht gönnen; denen das Portemonnaie so lieb ist, dass sie unsere Kinder im Regen stehen lassen», sagte Frédéric Voisard von der CVP Buchs.

Die AZ hat neun wichtige Fragen rund um die Abstimmung zusammengetragen.

1 Worüber genau wird abgestimmt?

Eine Sanierung oder Erweiterung des 50 Jahre alten Primarschulhauses Risiacher ist gemäss Planern weder wirtschaftlich sinnvoll noch machbar. Geplant ist nun ein Neubau. Den Gesamtleistungswettbewerb gewonnen hat das Projekt «Pfifferling» (Anliker Generalunternehmung, Architekturbüro Konstrukt AG). Das viergeschossige Gebäude wird nach Minergie-Standard gebaut, aber nicht zertifiziert. Es bietet Platz für 16 Klassen und soll 2021 in Betrieb genommen werden. Der Werkpreis beträgt 16,8 Mio., dazu kommen Kosten für Photovoltaikanlage, Projektmanagement, Gebühren und eine Kostenreserve von rund 1,5 Mio. Franken. Der beantragte Kredit beläuft sich auf 18,85 Mio. Franken.

«Noch viel schlimmer als es scheint»: Die Befürworter des Kredits für einen Neubau des Schulhauses Risiacher in Buchs halten musikalisch fest, warum es ein neues Schulhaus braucht.

«Noch viel schlimmer als es scheint»: Die Befürworter des Kredits für einen Neubau des Schulhauses Risiacher in Buchs halten musikalisch fest, warum es ein neues Schulhaus braucht.

2 Wie verlief die politische Diskussion?

Der Einwohnerrat stimmte dem Kredit im Dezember mit 34:1 Stimmen zu, fast alle Parteien waren vorbehaltlos dafür. Dass es ein neues Schulhaus braucht, war unbestritten. Kritisiert wurde, dass der Einwohnerrat erst sehr spät mit einbezogen wurde. Das liegt daran, dass früher die Kreisschule Buchs-Rohr für die Schulliegenschaften zuständig war, in der neuen Kreisschule sind es wieder die Gemeinden. Der Einwohnerrat konnte also nur noch absegnen, was die Kreisschulbehörden aufgegleist hatten. Zudem kritisierte die SVP die Kosten.

3 Ist die SVP gegen das neue Schulhaus?

Nicht per se. Im Einwohnerrat sagte die SVP «ohne grosse Begeisterung» Ja zum Kredit, weil es zu spät sei, das Projekt nochmals von vorne aufzugleisen. Marc Jaisli erklärte: «Wir sind ganz klar der Meinung, dass wir ein neues Schulhaus benötigen.» Ein Antrag von Dieter Stüssi, für den Neubau ein Kostendach von 17 Mio. Franken zu beschliessen, fand bei den anderen Fraktionen keine Befürworter. In einem Leserbrief schrieb Ortsparteipräsident Samuel Hasler: «Die SVP Buchs, wie auch ich, stehen hinter dem Neubau. Das ändert aber nichts an unserer Überzeugung, dass dieser auch deutlich günstiger hätte realisiert werden können.» Auf Nachfrage ergänzt Hasler, man sei mit dem Vorgehen nach wie vor nicht einverstanden, sage aber Ja: «Man muss handeln – der Zustand des Risi- acherschulhauses ist katastrophal.»

4 Warum muss es ein Bau nach Minergie-Standard sein? Ginge das nicht günstiger?

Gemeindeammann Urs Affolter sagt dazu: «Mit der Einhaltung der geltenden kantonalen energetischen Bauvorschriften – Energiegesetz und Energieverordnung – wird der Minergie-Standard grundsätzlich erfüllt. Es geht nicht günstiger, wir machen was das Gesetz verlangt. Damit der offizielle Minergie-Standard realisiert wird, braucht es zusätzlich eine Zertifizierung und ein anschliessendes Controlling. Diese Kosten sparen wir und wir verzichten auch auf weitergehende sinnvolle Standards, wie Minergie P Eco, die der Kanton und viele Gemeinden bei ihren Bauten aufgrund der Vorbildfunktion immer anwenden.»

5 Der Gemeinderat betont, das ausgewählte Projekt sei nicht nur das beste, sondern auch das günstigte. Was heisst das?

Der reine Werkpreis für das Siegerprojekt beträgt rund 16,8 Mio. Franken. Die anderen fünf Projekte hätten 17,1 Mio., 17,7 Mio., 21,2 Mio., 21,3 Mio. und 22,6 Mio. Franken gekostet. Im letzteren Fall also fast 35 Prozent mehr.

6 Wie hängen Schulhaus und Steuererhöhung zusammen?

Die vom Volk zweimal abgelehnte und vom Regierungsrat dennoch beschlossene Steuererhöhung von 100 auf 108 Prozent braucht es im Wesentlichen wegen der anstehenden Investitionen in mehrere Schulbauten, die die Verschuldung der Gemeinde massiv ansteigen lassen. Dazu sagte Finanz-Gemeinderat Tony Süess im AZ-Interview: «Wären die Schulliegenschaften der Kreisschule Buchs-Rohr im Eigentum der Gemeinde Buchs gewesen, wäre die Sanierung bzw. der Neubau des Schulhauses Risiacher wahrscheinlich schon früher an die Hand genommen worden. Damit hätten die gesamten Investitionen im Schulbaubereich über einen längeren Zeitraum verteilt werden können. Allerdings hätte der Steuerfuss dann schon früher angehoben werden müssen.» Übrigens: Auch im Strassenbau kommen grössere Ausgaben auf die Gemeinde Buchs zu. Diese betreffen teils Kantonsstrassen, wo die Gemeinde per Dekret einen Anteil leisten muss.

7 Warum ist das Projekt überhaupt in Gefahr, wenn doch alle Parteien dafür sind?

Die Stimmbürger haben die Steuererhöhung zweimal abgelehnt – mit 66 und 59 Prozent – und bekamen sie dann vom Regierungsrat trotzdem aufgebrummt. Hauptgrund: der Schulhaus-Neubau. Da besteht nun Gefahr eines Frust-Neins.

8 Warum macht die Gemeinde am Montag (19 Uhr, Gemeindesaal) eine öffentliche Infoveranstaltung zur Abstimmung?

Gemeinde- und Einwohnerrat wissen sehr wohl, dass die Risiacher-Abstimmung noch nicht in trockenen Tüchern ist – und dass sie beim Budget in Sachen Kommunikation mit der Basis versagt haben. Das wollen sie nun besser machen. Denn dieses Mal gibt es keinen Regierungsrat, der im Sinne der Behörden entscheiden könnte.

9 Was würde ein Nein bedeuten?

Schul-Gemeinderat Anton Kleiber sagte an der Einwohnerratssitzung: «Schieben wird das Projekt Risiacher hinaus, wird man ziemlich sicher mit zwischenzeitlichen Provisorien arbeiten müssen, die das Gesamtprojekt noch teurer machen. Ich warne vor massiven Mehrkosten durch eine Verschiebung.»