Aarau
Kavallerie, Kultur und Klänge: Der Countdown zur Eröffnung der Alten Reithalle läuft

Einst herrschte in der Alten Reithalle in Aarau die militärische Strenge der Kavallerieschwadron. Jetzt ist sie renoviert und weicht der Kreativität von Künstlerinnen und Künstlern. Doch in Zukunft ist sie das Zuhause eines ganz bestimmten Orchesters. Am Samstag wird die Halle eingeweiht.

Daniel Vizentini
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Sie zeigten die Alte Reithalle wenige Tage vor der Eröffnung (von links): Jan Hlavica (Stadtbaumeister), Simon Müller (Argovia Philharmonic), Christine Egerszegi (Präsidentin Verein Arta), Peter-Jakob Kelting (Bühne Aarau), Daniel Siegenthaler (Stadtrat).

Sie zeigten die Alte Reithalle wenige Tage vor der Eröffnung (von links): Jan Hlavica (Stadtbaumeister), Simon Müller (Argovia Philharmonic), Christine Egerszegi (Präsidentin Verein Arta), Peter-Jakob Kelting (Bühne Aarau), Daniel Siegenthaler (Stadtrat).

Daniel Vizentini

15 Jahre nachdem Aarau gegen Baden und Brugg gewonnen und vom Kanton den Zuschlag für die «Mittlere Bühne Aargau» erhalten hat, wird die renovierte Alte Reithalle diesen Samstag endlich eingeweiht.

Die Feier beginnt mit einer Begegnung der militärischen Vergangenheit der Halle mit ihrer künstlerischen Zukunft: Die Stadtmusik wird dem Verein «Kavallerieschwadron 1972» – das Überbleibsel der Kavallerie, die damals aufgelöst wurde und so Platz machte für die kulturelle Nutzung der Reithalle – durch die Stadt ziehen.

Am Mittag übergibt der Stadtrat symbolisch den Schlüssel an die Kulturschaffenden, danach kann die Bevölkerung die renovierte Halle frei besichtigen. Am Abend feiert die Eröffnungsproduktion «Tanzhalle Reitpalast. Ein Kaleidoskop» Premiere mit über 80 Mitwirkenden aus allen Sparten, darunter Profis und Laien. Am «Familiensonntag» werden dann Tanz- und Zirkusanimationen präsentiert.

Die Proben für das Eröffnungsstück laufen auf Hochtouren.

Die Proben für das Eröffnungsstück laufen auf Hochtouren.

Daniel Vizentini

Das Argovia Philharmonic ist zwar bei der Eröffnungsproduktion dabei, offiziell bezieht das Orchester sein neues – und erstes richtiges – Zuhause aber erst am Wochenende vom 29. bis 31. Oktober mit drei Eröffnungskonzerten.

Dass das Argovia Philharmonic nun eine feste Heimat haben wird, werde «sich auch in der Qualität zeigen», ist sich Intendant Simon Müller sicher.

«Wir wollen die Alte Reithalle gesamtschweizerisch als Konzerthalle etablieren und auch international.»

15 Jahre vergingen vom Zuschlag bis zur Eröffnung, 15 Monate dauerten die eigentlichen Bauarbeiten. Stadtrat Daniel Siegenthaler hob hervor, wie die grosszügigen Geldbeiträge den Traum von einer grossen Bühne im Aargau überhaupt erst Wirklichkeit werden liessen.

20,45 Millionen Franken kostete der Bau, bezahlt durch Stadt und Kanton (je über sieben Millionen), Kantonalbank (drei Millionen) und den Gönnern der «Freunde des Argovia Philharmonic» (zwei Millionen). «Es ist beeindruckend, was durch diese Kooperation ermöglicht werden konnte», sagt er. Auch Christine Egerszegi, frühere Ständerätin und nun Präsidentin des Trägervereins Arta (Alte Reithalle Tuchlaube Aarau) freute sich darüber.

Die renovierte Alte Reithalle in Aarau, beim kurzen Medienrundgang am Montag.

Die renovierte Alte Reithalle in Aarau, beim kurzen Medienrundgang am Montag.

Daniel Vizentini

Peter-Jakob Kelting, künstlerischer Leiter der Bühne Aarau, hob die Bedeutung für die Theater- und Tanzszene hervor. Er sagt:

«Wir sind nun das grosse Haus für zeitgenössischen Zirkus in der Deutschschweiz.»

Dazu bestehe die Alte Reithalle mit ihrer grossen Spartenvielfalt, von Figurentheater über zeitgenössischen Tanz, wofür es im Aargau bisher kaum Räume gab. Einige der ersten Vorstellungen seien bereits ausverkauft. Während andere Theaterhäuser pandemiebedingt noch um Gäste ringen, ist das Interesse an der neuen Aarauer Spielstätte gross.

Die Reithalle als Anstoss für die Entwicklung des Kasernenareals

«Kultur muss niederschwellig sein und hier gibt es keine Schwelle», sagte er und meinte damit den architektonisch bewusst offen gehaltenen Zugang in die Halle: Der Eingangsbereich führt direkt zwischen den Bühnen hindurch. Gäste und Kunstschaffende werden sich unweigerlich über den Weg laufen und sich quasi «auf der gleichen Bühne bewegen», wie Stadtbaumeister Jan Hlavica sagte.

Der Eingangsbereich der Alten Reithalle: Türe auf und schon ist man mittendrin.

Der Eingangsbereich der Alten Reithalle: Türe auf und schon ist man mittendrin.

Daniel Vizentini

Dieses «Raumerlebnis» mache die Reithalle aus, die ihrerseits als «Pionierin» die gesamte Entwicklung des Aarauer Kasernenareals in Gang setze.

Einweihung Alte Reithalle Aarau
Vorstellungen vom 16. bis 22. Oktober, am 23. Oktober wird auch die «Bar im Stall»
wiedereröffnet. www.buehne-aarau.ch

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