Aarau
«Aarau ist zur Velostadt geworden»

Fahrräder sind in der Aargauer Hauptstadt hip! Das sagt zumindest Stadträtin Jolanda Urech. Vergleicht man die Situation mit heute und vor 30 Jahren ist klar: Velofahren ist heute in Aarau ein Vergnügen.

Sabine Kuster
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Wie das Beispiel des Veloständers in der Igelweid beweist, benutzen etliche Aarauer das Velo auch im Winter.

Wie das Beispiel des Veloständers in der Igelweid beweist, benutzen etliche Aarauer das Velo auch im Winter.

Emanuel Freudiger

Man kann sich kaum noch vorstellen, wie es einmal war: Vor 30 Jahren waren der Zurlindensteg und der Süffelsteg für Velofahrer gesperrt, Ziegelrain, Kasino- und Feerstrasse nur in eine Richtung befahrbar und in den Quartieren sorgten Stop-Strassen für ein mühsames Stakkato des Anfahrens und wieder Abbremsens. Velofahren war kein Vergnügen.

Kreuz und quer

Die Situation heute: Fahrradstreifen sind auf den Asphalt gemalt, es gibt Velowegweiser, kaum noch Einbahnstrassen, Velos dürfen kreuz und quer durch die Altstadt fahren.

Am Spatenstich für das Veloparking am Bahnhof Süd diese Woche sagte Stadträtin Jolanda Urech, zuständig für den Verkehr: «Aarau ist in den vergangenen Jahren zur Velo-stadt geworden.» Es sei ihr einfach aufgefallen, führt Urech auf Anfrage aus.

«Es gibt je länger je mehr Velofahrerinnen und Velofahrer, die das Stadtbild prägen. Velofahren ist zur Selbstverständlichkeit geworden.» Dies sei auch das Resultat der beiden Velokonzepte 1995 und 2004 sowie des Verkehrsrichtplans der Stadt aus dem Jahr 2005.

Autofahrer steigen aufs Velo um

Dies bestätigt auch Verkehrspolizist Samuel Häfliger: «Es hat bedeutend mehr Velos in der Stadt.» Das Velofahren sei gefördert worden und heute attraktiver. Auch die teureren Parkgebühren würden wohl dazu beitragen und die Leute bewegen, das Auto zu Hause zu lassen. «Darunter sind auch Prominente wie Regierungsrat Urs Hofmann oder Datenschützer Hanspeter Thür. Das animiert», findet Häfliger, der genau wie Urech selbst oft mit dem Velo in der Stadt unterwegs ist.

Nicht nur die Wege in der Stadt wurden für Velofahrer angenehmer, es entstanden auch neue Abstellplätze zum Beispiel im Behmen, am Bahnhof Nord und am Zollrain.

Der Platz ist dennoch knapp: In der Igelweid überquillt der Veloständer samstags regelrecht mit Velos, auch vor der Alten Post oder am Graben sieht es oft eher chaotisch aus.

«Die Abstellpolitik ist ein Thema bei uns», sagt Isabelle Zutter, Präsidentin von Pro Velo Aarau. Es gehe nicht nur um den «Göppelsalat», beziehungsweise die Ästhetik, auch Vorrichtungen zum Abschliessen seien erwünscht.

Direkt vor Läden parkieren erlaubt

Zutter wünscht sich auch Veloständer in der Altstadt. Dort wurden solche von der Stadt aber bewusst weggelassen. Velos dürfen direkt vor den Läden abgestellt werden. «Das ist gut fürs Geschäft», sagt Urech. Und Verkehrspolizist Häfliger erklärt: «Würden wir in der Altstadt Ständer hinstellen, wären diese sofort überstellt, auch mit Langzeitparkierern.»

Was bisher nur bei Autos ein Thema war, wird nun also auch für Velofahrer aktuell: Häfliger wäre es lieber, wenn jene, die ihr Velo während eines ganzen Tages abstellen wollen, auf Abstellplätze ausserhalb des Zentrums am Zollrain, im Behmen oder der Schanz auswichen.

Knappe Plätze am Bahnhof

Am Bahnhof Nord rechnet Jolanda Urech damit, dass die Veloparkplätze «nicht ewig reichen». Sie sagt: «Dass die Unterstände gefüllt sind, ist zwar ein gutes Signal, aber es fordert uns politisch.»

Und schliesslich gäbe es trotz mehr Fahrradwegen für die Aarauer Velofahrerinnen und Velofahrer bezüglich Sicherheit noch einiges zu tun – zum Beispiel auf der Höhe Glockengiesserei, wo die Strasse schmal sei und das Abbiegen Richtung Schanz gefährlich.