Aarau ist reich an historischer Bausubstanz. So erstaunt es nicht, dass gegen 150 Gebäude unter kantonalem Denkmalschutz stehen. Und mit der neuen Bau- und Nutzungsordnung (BNO) sollen weitere «besondere Bauten» unter Schutz gestellt werden – unter kommunalen Schutz jedoch. Das kantonale Kulturgesetz verpflichtet die Gemeinden nämlich, Vorschriften für den Schutz und die Pflege der Baudenkmäler von kommunaler Bedeutung zu erlassen. Sprich: Auch die Stadt Aarau soll definieren, welchen Bauten, die es nicht auf die Liste der kantonalen Schutzobjekte geschafft haben, sie selber einen «Denkmalschutz light» angedeihen lassen will.

Die revidierte allgemeine Nutzungsplanung lag im Juni auf. Derzeit sind noch Einigungsverhandlungen im Zusammenhang mit den eingegangenen Einwendungen im Gang. Die in einem Anhang aufgeführten kommunalen Kulturschutzobjekte – besondere Bauten, Gärten, Anlagen, Alleen, Baumgruppen, Einzelbäume und Grenzsteine – sind eher ein Nebenschauplatz der BNO-Revision. Die Liste der besonderen Bauten wurde im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens letztes Jahr mit den betroffenen Eigentümern bereinigt.

Noch 21 Bauten auf der Liste

Die definitive Liste umfasst 21 Objekte, die weder unter kantonalem Schutz, noch unter kommunalem Ensembleschutz stehen. Im frühesten Stadium der BNO-Revision richtete sich der Blick auf rund 300 Bauten. Im Hinblick auf das Mitwirkungsverfahren wurde die Liste 2016 auf 26 Bauten abgespeckt. Das heisst, dass innert Jahresfrist noch fünf Objekte ausgeschieden wurden. Ein Vergleich zeigt, dass es sich dabei um vier Privathäuser – deren zwei an der Weltistrasse, eines an der Zelglistrasse und eines am Landhausweg – sowie um eine öffentliche Baute– die Frauenklinik des Kantonsspitals (KSA Haus 8) – handelt.

Mit der Streichung wurde den Interessen der Eigentümer Rechnung getragen. Mit der Unterschutzstellung im Sinne von Paragraf 37 Absatz 1 der BNO sei «ein erheblicher Eingriff in die Eigentumsgarantie» verbunden, sagt der zuständige Stadtrat, Lukas Pfisterer. Die geschützten besonderen Bauten sind nämlich in ihrer Substanz zu erhalten. Konkret: «Sie dürfen nur soweit verändert werden, als das Interesse am Schutz und an der Erhaltung vor gegenläufigen Interessen zurücktritt. Ein Abbruch ist nur ausnahmsweise zulässig, wenn aufgrund eines Fachgutachtens die Erhaltung nicht mehr möglich oder wirtschaftlich nicht vertretbar ist – oder aufgrund überwiegender öffentlicher Interessen.» Wer sich die Möglichkeit offenhalten will, sein Gebäude in grösserem Stil umzugestalten oder gar abzubrechen, hat aufgrund der damit verbundenen Einschränkungen kein Interesse an einer Unterschutzstellung.

Schon zu spät?

Offenbar fanden die betroffenen Eigentümer Mittel und Wege, das drohende Danaergeschenk auszuschlagen. «Bei den aus dem vorgesehenen Schutz entlassenen Bauten», so Lukas Pfisterer, «wurde von den Grundeigentümern zum Beispiel nachvollziehbar aufgezeigt, dass in den vergangenen Jahren Eingriffe in die Gebäudesubstanz stattgefunden haben oder dass die Bausubstanz teilweise erheblich verändert wurde, weshalb die vom Kanton geforderte enge Schutzumschreibung nicht verhältnismässig wäre.» Letztlich argumentierten die Eigentümer also, es sei bereits zu spät; eine Unterschutzstellung lohne sich nicht mehr. Pfisterer erinnert zudem daran, dass eine kantonale Unterschutzstellung «in der Regel im Einverständnis mit den Grundeigentümerschaften» erfolgt. Diese Praxis strebe auch der Stadtrat an.

Im Endeffekt sollen nun nach Stadtrat Pfisterers Worten nur jene 21 Bauten explizit unter kommunalen Schutz gestellt werden, «welche bereits unter heutigem Recht unter Schutz stehen und/oder im öffentlichen Eigentum stehen». Mit der Frauenklinik im Kantonsspital wurde indessen auch ein öffentliches Gebäude aus der Pflicht «entlassen». Und zwar, so Lukas Pfisterer, «weil ein übergeordnetes öffentliches Interesse vorhanden ist, das Kantonsspital am heutigen Standort im Siedlungsgebiet weiterzuentwickeln und weil die originale Substanz im Verlauf der Zeit reduziert wurde. Die Frauenklinik steht nicht direkt auf dem für den derzeit geplanten Spitalneubau benötigten Gelände. Ein Teil des möglichen Baufeldes grenzt jedoch unmittelbar an die Südfassade der Klinik.

Das Haus 8 des KSA, ein Beispiel des «Neuen Bauens», wurde 1933 in der südöstlichen Ecke des Spitalareals errichtet. Das «Neue Bauen», verstand sich nach dem Ersten Weltkrieg als Überwindung der historisierenden Stilvielfalt des 19. Jahrhundert und zeichnete sich durch eine konsequente Hinwendung zum Funktionalen aus.

Kleine Skurrilitäten

Unter den 21 Objekten, die auf der Liste verblieben sind, figuriert mit dem ehemaligen Schlachthof an der Rohrerstrasse ein anderes Beispiel des «Neuen Bauens». Neben weiteren Vertretern der Moderne wie etwa dem Aareschulhaus, dem Kunsthaus und der Badi enthält die Liste auch Monumentalbauten wie die Hauptpost mit ihrer neoklassizistischen Fassade. Eingang gefunden haben aber auch kleine Skurrilitäten wie die Trafostation am Bündtenweg und der im Zusammenhang mit dem Eidgenössischen Turnfest von 1843 errichtete Pavillon im Telliring.