Suhr

«Aarau wird dominieren»: Der Kampf gegen die Teilnahme am Zukunftsraum

«Suhr im Herzen»: Andreas Ort (l.) und Martin Saxer zeigen eine Tasche der Interessengemeinschaft gegen den Zukunftsraum.

«Suhr im Herzen»: Andreas Ort (l.) und Martin Saxer zeigen eine Tasche der Interessengemeinschaft gegen den Zukunftsraum.

Die «IG Pro Suhr» erklärt, weshalb sie möglichst schnell aus dem Fusionsprojekt Zukunftsraum aussteigen will. Die Urnenabstimmung im September bildet die zweite von drei Chancen, ihr Ziel zu erreichen.

«Ich bin sicher, dass wir diese Runde gewinnen werden», sagt Martin Saxer (71). Er habe in den letzten Wochen viel mehr positive Reaktionen bekommen, als 2017 bei der Referendumsabstimmung. Andreas Ort (69), sein Kollege von der «IG Pro Suhr», ergänzt: «Wir werden eine kleine Mehrheit schaffen.

Denn jetzt haben wir erstmals den Vorteil, dass der Gemeinderat auf unserer Seite ist: Er hat eingesehen, dass die Eigenständigkeit besser ist.» Saxer und Ort kämpfen seit Jahren gegen die Teilnahme von Suhr am Zukunftsraum Aarau. Die Urnenabstimmung vom 27. September ist die zweite von drei Chancen, ihr Ziel zu erreichen. Klappt’s jetzt nicht, wollen sie es im Juni 2021 erreichen, wenn es um Fusionsverträge geht.

«Besonders krass ist es bei den Ortsbürgern»

Andreas Ort hat kurz in Aarau gelebt, ist aber Ur-Suhrer und Ortsbürger. Martin Saxer ist 1973 aus Buchs zugezogen, gehörte als SP-Mitglied zehn Jahre dem Gemeinderat an, war Vizeammann. Beide haben nichts gegen Aarau, aber sie misstrauen den Politikern der Kantonshauptstadt: «Aarau will die anderen Gemeinden übernehmen», findet Saxer.

Ort ist überzeugt: «Aarau wird die anderen Gemeinden dominieren. Besonders krass ist es bei den Ortsbürgern. In Aarau sind es 1700, in Suhr nur 300.» Ort sorgt sich um den «Ziegelhof», der unüberbaute Acker (aktuell Mais) westlich der Tramstrasse. «Das erste, was die Aarauer Ortsbürger mit diesem Stück Land, das den Suhrer Ortsbürgern gehört, machen würden, wäre es zu überbauen», glaubt Ort. «Dabei wollen wir es doch für die nächsten Generationen freihalten.»

«Wir sind nicht Aarauer und werden es auch nicht sein»

«Aarau wird die umliegenden Gemeinden nicht integrieren – daran haben sie doch gar kein Interesse», behauptet Saxer. Und: «Wir sind nicht Aarauer, werden es auch nicht sein – das ist gar nicht möglich.»

Grosse Sorgen machen sich die Vertreter der «IG Pro Suhr» um die Bürgernähe. «Im Zukunftsraum ginge diese verloren», ist Saxer überzeugt. «Unser Technischer Betrieb, die TBS: Da ruft man an – und schon ist man beim richtigen Mann», so Ort. Saxer ergänzt: «Das, was in Suhr als Dienstleistung angeboten wird, ist Bürgernähe.»

Und dann die direkte Demokratie: «Wir Suhrer sind uns gewohnt, dass wir an der Gemeindeversammlung eigenständig entscheiden», sagt Saxer. Ein Einwohnerrat sei klar parteipolitisch bestimmt, habe mit direkter Demokratie nichts zu tun. An der Gemeindeversammlung in Suhr kämen immer zwischen 300 und 600 Personen. «Die Behörden sind näher bei der Bevölkerung, sehen sie mehrmals pro Jahr», erklärt Ort. Und: «Wenn man diese Zusammenkünfte nicht mehr hat, verlieren die Bürger das Interesse an der Lokalpolitik.»

«Wenn man alles rechnet, machen die Suhrer zweiter»

Martin Saxer und Andreas Ort glauben nicht, dass sich der in Aussicht gestellte Steuerfuss von 97 Prozent halten lassen wird. Nur schon, weil in Aarau die Sozialkosten heute tiefer seien, als in den umliegenden Gemeinden. Und überhaupt müsse man bei den Steuern vorsichtig sein. Es gelte zu bedenken, dass Suhr aktuell viel tiefere Gebühren habe. «Wenn man alles rechnet, so machen wir als Suhrer am Schluss zweiter», ist Saxer überzeugt.

Gewisse Dinge, so sagt Ort, seien von den Zukunftsraum-Initianten bewusst ausgeklammert worden: «Was passiert mit unserer Bärenmatte? Die ist doch eine Konkurrenz zum KuK. Oder wie geht es mit dem Suhrer Museum weiter? Wird es dem ‹Schlössli› angegliedert?» Für die beiden Exponenten der «IG Pro Suhr» ist klar: Suhr soll Suhr bleiben. Sie sind überzeugt, dass nicht nur die Älteren gegen die Fusion sind. Und sie sagen in Richtung Aarau: «Es ist eine Illusion zu meinen, die Stadt würde an Gewicht gewinnen, nur weil sie grösser ist.»

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Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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