Aarau
Aaraus Stadtpräsidentin Urech: «Ich habe ein faszinierendes und zeitintensives Amt»

Vor drei Monaten hat Jolanda Urech das Amt der Stadtpräsidentin übernommen – mit Respekt und Neugierde, wie sie sagt. Heute braucht sie jemanden, der ihren Terminkalender führt.

Katja Schlegel und Hubert Keller
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Jolanda Urech: «Wie jedes Netz braucht auch die Stadt Frei- und Zwischenräume.» Emanuel Freudiger

Jolanda Urech: «Wie jedes Netz braucht auch die Stadt Frei- und Zwischenräume.» Emanuel Freudiger

EmanueL Per Freudiger

Sie nahm sich vor, eine Stadtpräsidentin für alle zu sein – Jolanda Urech, seit Anfang Jahr die Frau an Aaraus Spitze.

«Ich denke, dass ich das bin», sagt sie an der Medienkonferenz zu ihren ersten 100 Tagen im Amt. Keinen Schritt könne sie in der Altstadt, im Theater oder beim Einkaufen machen, ohne dass sie von Leuten erkannt und angesprochen werde.

Ein netter Gruss, ein kurzer Schwatz, Austausch sei ihr wichtig. Und das nicht nur mit den Aarauern auf der Strasse, sondern auch mit ihren 695 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sie an ihren Arbeitsplätzen besucht hat, den Firmen, Vereinen und Interessengruppen, auch ennet der Stadtgrenzen.

«Einen besseren Start kann man sich nicht wünschen», sagt Urech und sieht dabei sehr zufrieden aus. Aber ja, die ersten drei Monate seien an Intensität nicht zu überbieten gewesen, obwohl sie es sich durchaus gewohnt sei, viel zu arbeiten. «Ich könnte rund um die Uhr arbeiten», sagt sie und lacht.

Terminkalender ist voll

Ihren Terminkalender könne sie nicht mehr selber führen, das schaffe sie nicht mehr. Kommt ihr Privatleben da nicht zu kurz?

«Für die Beziehung ist das eine Herausforderung», gibt sie unumwunden zu. Sie sei froh, keine kleinen Kinder mehr zu Hause zu haben, denen sie erklären müsse, weshalb sie nun schon wieder nicht da sei. Ihr Mann unterstütze sie in allen Belangen, und mit der richtigen Planung liege auch ein Abend mit gemeinsamem Kochen und Filmegucken drin. «Man muss lernen, ganz bewusst Freiräume einzuplanen.»

Urechs erstes Fazit nach Amtsantritt fällt entsprechend ehrlich aus: «Das Stadtpräsidium ist ein faszinierendes, vielfältiges und zeitintensives Amt mit vielen schönen Begegnungen.» Diese Vielfalt dieser Begegnungen erwähnt Urech immer wieder. «Ich bin randvoll mit Eindrücken.»

Der Blick in die Zukunft

Im zweiten Teil ihrer 100-Tage-Bilanz wagte Stadtpräsidentin Urech einen Blick in die Zukunft, beschränkte sich dabei aber auf drei Themenfelder: die Wirtschaft als Partnerin der Stadt, das Kasernenareal als wichtiges Entwicklungsareal und «Freiräume».

Als Leitfaden ihres «Tour d’horizon» brauchte Jolanda Urech ein Netz, das Netz eines Einkaufsbeutels. Jedes Netz habe Zwischenräume – Freiräume, die belebt werden und vor allem frei gehalten werden müssten. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, die Stadt sei fertig gebaut. «Es braucht Musse, um das, was man hat, geniessen zu können», sagte sie.

In Aarau stellen 2400 Firmen rund 32 500 Arbeitsplätze. Mehr als die Grossstädte sei Aarau darauf angewiesen, Wirtschaftsdynamik und Lebensqualität in Partnerschaft mit den lokalen und regionalen Unternehmen zu entwickeln. «Stadt und Unternehmen brauchen einander gegenseitig.»

Sie sei sich bewusst, dass eine Partnerschaft zwischen Stadt und Wirtschaft «das starke Engagement der Stadtpräsidentin» erfordere.

«Für mich sind die Firmen nicht nur willkommene Steuerzahler, sondern Partner, die ihre Verantwortung für die Stadt wahrnehmen und sich sozial und kulturell engagieren.»

Die Stadt wolle aktive Wirtschaftsförderung betreiben, unter anderem über die Wirtschaftsfachstelle. Regelmässige Plattformen, in deren Rahmen sich Wirtschaftsvertreter und Stadtbehörden austauschen, will Stadtpräsidentin Urech pflegen.

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