Aarau/Schafisheim
«Ich war das erste Kind, das mit neun Jahren an der Musikakademie Basel Querflöte lernen durfte»

Die Querflöte ist ihr Leben. Miriam Terragni, Solo-Flötistin beim argovia philharmonic, ist eine brillante und neugierige Musikerin. In ihrem Konzert in Schafisheim stellt sie spannende Flötenstücke von Komponistinnen aus der Romantik vor, die sie auch auf CD gebannt hat.

Sibylle Ehrismann
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Miriam Terragni, Flötistin.

Miriam Terragni, Flötistin.

Zvg / Aargauer Zeitung

«Trouvez les femmes!» heisst die Jubiläums-CD, auf gut Deutsch «Findet die Frauen». Seit 20 Jahren sucht Miriam Terragni zusammen mit ihrer Klavierpartnerin Catherine Sarasin nach Unbekanntem für Flöte und Klavier, dafür stöbern sie in Antiquariaten und grossen Musikbibliotheken. «Wir waren hell begeistert, als wir von der Komponistin Emilie Mayer (1812–1883), die wir schon kannten, in der Mendelssohn-Stiftung Berlin die Handschrift der von uns nun eingespielten D-Dur Sonate gefunden haben», erzählt Terragni.

Da staunt man tatsächlich nicht schlecht. Gerade in der Romantik haben Komponistinnen mit Vorliebe Salonmusik geschrieben, doch diese Sonate von Emilie Mayer ist ein kraftvolles, hoch virtuoses und interessant gestaltetes Stück, eine viersätzige Sonate von grossem Format. Eigentlich ist diese Sonate für Violine gedacht, Terragni spielt sie aber auf der Flöte. «Die Violine und die Flöte sind sich von der Tonlage her nah, man kann Werke für die Violine ohne grosse Änderungen auch auf der Flöte spielen», meint Terragni dazu.

Sie unterrichtet auch an Musikschulen

Miriam Terragni ist eine ausgesprochen vielseitige und engagierte Musikerin, die mit derselben Leidenschaft im argovia philharmonic mitspielt, sich in Schüler-Workshops des Orchesters engagiert, selber Konzerte gibt und an mehreren Musikschulen unterrichtet. Unermüdlich ist sie am Musizieren und Organisieren, sie sprüht nur so vor Ideen. Für das Jubiläumskonzert ist Catherine Sarasin nun aber leider erkrankt, für sie springt die versierte Pianistin Anna Adamik ein.

Wann hat die in Birsfelden wohnhafte Terragni eigentlich dieses silbrige Instrument für sich entdeckt? «Das war schon in der ersten Primarschulklasse», erzählt Terragni. «Ich besuchte den Grundkurs ‹Musik und Bewegung›, die Lehrerin spielte uns das berühmte Stück ‹Peter und der Wolf› von Sergej Prokofiev vor. Ich wollte unbedingt so spielen wie der Vogel in dieser Geschichte, und der wird von der Querflöte dargestellt.»

Sie lernte Querflöte früher als vorgesehen

Doch die Querflöte ist für Kinder nur schwer zu spielen, sie verlangt einen starken Atem und Hände, die für die Griffe gross genug sind. «Zu meiner Zeit hiess es noch», so Terragni weiter, «dass man Querflöte erst mit zwölf Jahren lernen kann. Doch ich wollte unbedingt von der Blockflöte zur Querflöte wechseln. So war ich das erste Kind, das mit neun Jahren an der Musikakademie Basel Querflöte lernen durfte, und ich habe bewiesen, dass es geht!» (lacht)

Heute unterrichtet Terragni selber, und auch in den Schülerworkshops des argovia philharmonic wird sie nicht müde, den Kindern die Querflöte nahe zu bringen. «Leider ist dieses wundschön klingende Instrument bei den Jugendlichen nicht mehr so in», klagt die begeisterte Flötistin. «Viele Kinder haben den Traum, einmal mit einer Band in einer Castingshow beim Fernsehen mitzumachen, dafür möchten sie Gitarre, Schlagzeug, Keyboard oder Singen lernen.» Dennoch, die Magie der «Zauberflöte» bleibt.

Schafisheim, Rudolf Steiner Schule: Fr, 29. April, 19.30 h (mit CD Taufe)
CD: Trouvez les femmes Vol. 1, Miriam Terragni, Flöte, Catherine Sarasin, Klavier.
Coviello Classics LC 12403.

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