Suhr
Aargauer Schüler im Skilager – und plötzlich stand Bundesrat Ogi am Schlepplift

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben. Das gilt insbesondere für Skilager in Kandersteg. Davon kann Denise Widmer, Gesamtschulleiterin in Suhr, ein Liedchen singen.

Katja Schlegel
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Aargauer Skilagerklasse trifft Adolf Ogi

Aargauer Skilagerklasse trifft Adolf Ogi

Denise Widmer
Denise Widmer (hinten) war von Ogis Bodenständigkeit tief beeindruckt.

Denise Widmer (hinten) war von Ogis Bodenständigkeit tief beeindruckt.

Denise Widmer

Sie hatte doch nur gewitzelt. Hatte ihren Schülerinnen und Schülern aus purem Jux gesagt, sie sollten aufpassen, dass sie beim Skifahren nicht den Bundesrat Ogi übersehen. Was man halt so sagt, wenn man im Heimatdorf eines Bundesrates sein Skilager verbringt.
Und dann stand er da. Am Freitagmorgen. Am Schlepplift. Adolf Ogi, amtierender SVP-Bundesrat, mit Kappe und Skianzug, im Februar 1999 wars. Denise Widmer, heute Gesamtschulleiterin in Suhr und damals noch Lehrerin in Brugg, traute ihren Augen kaum, reihte sich aber zittrig neben Ogi ein, hängte sich neben ihm an den Bügel und sagte «Grüezi Herr Ogi. Oder wie sagt man einem Bundesrat korrekt?»

Die beiden kamen ins Gespräch. Und sie verstanden sich so gut, dass «Herr Ogi» – so wollte er genannt werden – sogar über eine Stunde lang mit Skilehrerin Widmer und ihrer Gruppe mitfuhr und schliesslich noch versprach, am Abend im Lagerhaus «Mon Bijoux» vorbeizuschauen und der versammelten Schülerschar aus seinem Bundesratsalltag zu erzählen.

Kofi Annan am Apparat

«Es blieb nicht beim Versprechen, er kam auch tatsächlich vorbei», sagt Denise Widmer. Und während er da stand und plauderte, habe plötzlich sein Mobiltelefon geklingelt. «Er meldete sich», sagt Widmer und lacht, noch immer ungläubig, selbst nach all den Jahren. «Da war doch tatsächlich Kofi Annan am Apparat.» Kofi Annan, UNoOGeneralsekretär und langjähriger Freund Ogis. Kurz vor 21 Uhr, nach drei Stunden spannendster Erzählungen, verabschiedete sich Ogi von der Brugger Schülerschar. «Seine Tochter Kathrin hatte Geburtstag an diesem Tag, er war um 21 Uhr mit ihr zum Znacht verabredet.»

Es sollte nicht bei diesem einen Treffen bleiben: Noch an diesem Abend hatte er Denise Widmer versprochen, dass sie ihn jederzeit mit Schülerinnen und Schülern im Bundeshaus besuchen dürfe. Die Monate verstrichen, und im Oktober 2000 gab Bundespräsident Ogi seinen Rücktritt bekannt. Widmer erinnerte sich an das Angebot und rief im Bundeshaus an. «Ich hatte mir noch eine lange Erklärung überlegt, wie ich nun mein Anliegen darlegen solle und worauf es beruht», sagt sie. Doch alle Sorgen waren umsonst. «Seine persönliche Assistentin nahm den Hörer ab und sagte, sie habe schon auf meinen Anruf gewartet. Herr Ogi habe ihr meinen Anruf schon längst angekündigt, wir seien jederzeit herzlich willkommen.» Und so fuhr Denise Widmer im Dezember 2000 mit 60 Kindern nach Bern.

Die Treffen mit Adolf Ogi haben Denise Widmer nachhaltig beeindruckt. «Ich habe selten einen so bodenständigen, herzlichen, ehrlichen und liebenswürdigen Menschen getroffen, wie ihn. Und das trotz seines hohen Amtes.»

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