Auswertung
Aargauer Westen zieht weiter Ausländer an – woher sie kommen, wo die meisten wohnen

In vier Jahren ist der Ausländeranteil in den vier Bezirken im Aargauer Westen um 14 Prozent gestiegen. In vier Gemeinden ging der Ausländeranteil dagegen zurück.

Michael Küng
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SEVERIN BIGLER

Zwischen Juni 2013 und Juni 2017 ist der Ausländeranteil in den vier Bezirken Aarau, Lenzburg, Kulm und Zofingen um 14 Prozent gestiegen. Das zeigt eine Auswertung der Bevölkerungsstatistik durch die AZ.

Am schnellsten gewachsen ist der Ausländeranteil im baufreudigen Bezirk Lenzburg. 18 Prozent mehr Ausländer leben dort, die Quote liegt nun bei 22,4 Prozent. Mit einem Plus von 9,4 Prozent legte der Bezirk Aarau zu, sein Ausländeranteil beträgt 23,5 Prozent. Im Bezirk Zofingen stieg die Zahl der Ausländer um 2442 Personen oder 16,6 Prozent auf einen Anteil von 24,5 Prozent. Im Bezirk Kulm leben 10 394 Personen ohne Schweizer Pass. Das entspricht einer Quote von 25,6 Prozent.

Rückgang in vier Gemeinden

Bei den Gemeinden sank der Ausländeranteil einzig in Biberstein (–10 Prozent), Ammerswil, Schmiedrued (je –9 Prozent) und Leutwil (–2 Prozent beziehungsweise eine Person). Alle anderen Gemeinden legten zu, am stärksten das kleine Attelwil, dessen ausländische Bevölkerung um 275 Prozent oder elf Personen stieg. In den fünf grössten Gemeinden der Region wuchs der Ausländeranteil in Zofingen am stärksten mit einem Plus von 18 Prozent, am tiefsten war die Zunahme in Suhr mit 6,8 Prozent.

Fast alle kommen aus Europa

Insgesamt leben in den Bezirken Aarau, Lenzburg, Kulm und Zofingen 56 500 Personen ohne Schweizer Pass. Woher kommen die Menschen hinter diesen Zahlen? Die kurze Antwort lautet: Fast alle stammen aus Europa. Konkret sind es 50 000 Personen aus europäischen Ländern, die Ende 2015 (neuere Zahlen sind nicht verfügbar) in der Region lebten. Der Rest der Welt hat nur gerade knapp 6600 Vertreterinnen und Vertreter in den vier Bezirken. Dies zeigt eine Aufschlüsselung der Ausländerzahlen nach Nationalitäten, die das statistische Amt für die AZ vorgenommen hat. Am meisten Einwohner stellen in unserer Gegend Deutschland und Italien mit 9732 beziehungsweise 9500 Personen. Mit deutlichem Abstand folgt der Kosovo mit 6741 Personen. Auf Platz vier ist die Türkei mit 4919 Vertretern, gefolgt von Serbien mit 330, Portugal mit 2635 und Österreich mit 1101 Personen.

Fasst man die Ausländer aus den Balkan-Ländern Kosovo, Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie Kroatien zusammen, stellt die Region 14 170 Einwohner in den betrachteten Bezirken. Zusammengefasst machen die Vertreter von Deutschland, Italien und den vier Balkan-Staaten zusammen zwei Drittel aller Ausländer in unserer Region aus. Im Vergleich der Weltregionen folgen hinter dem in der ganzen Region dominierenden Europa, das 88 Prozent aller Ausländer stellt, Asien mit 3180 Vertretern, dahinter Afrika mit 2339 Personen sowie Süd- und Zentralamerika mit 779 Personen. Wenig prominent scheint die Region in Nordamerika zu sein, von dort stammen 162 Personen. Einen Pass aus Ozeanien besitzen 37 Personen.

Unterschiedliche Verteilung

Betrachten wir die beiden fast genau gleich grossen Ausländer-Gruppen aus Deutschland und Italien etwas genauer. Die etwas grössere Gruppe, die deutsche, verteilt sich sehr gleichmässig über die ganze Region, eine «Deutschen-Hochburg» gibt es nicht: 823 Personen leben zum Beispiel in Aarau, 415 im halb so grossen Lenzburg.

Italiener gibt es auch überall, allerdings lassen sich bei dieser Nationalität – anders als bei den Deutschen – Wohnschwerpunkte ausmachen. Obenaus schwingt diesbezüglich Oftringen, dort leben 780 Personen aus dem südlichen Nachbarland der Schweiz. Es folgen Lenzburg, Aarburg, Aarau, Suhr, Buchs und Reinach.

Es lässt sich ein Zusammenhang feststellen zwischen der Verteilung der Italiener und der Höhe der Mietpreise: Im Vergleich zu den Deutschen scheinen Italiener preissensibler zu sein und lassen sich eher in Gemeinden mit günstigerem Wohnraum nieder. Veranschaulichen lässt sich dies am Beispiel der Region Aarau: Wohnen in der Hauptstadt nur 519 Italiener und 823 Deutsche, sind es im knapp halb so grossen Nachbarort Buchs 410 Italiener und 408 Deutsche.

Die Unterschiede werden noch deutlicher im nahen Wynen- und Suhrental: In Oberentfelden leben 364 Italiener und nur 209 Deutsche, in Reinach kommen 410 Italiener auf 290 Deutsche.