Aarau

Abtretender Stadtpräsident Marcel Guignard freut sich auf eine leere Agenda

Talk in der «Krone»: Marcel Guignard (rechts), Ehefrau Annelies und Moderator Walter Vogt.

Talk in der «Krone»: Marcel Guignard (rechts), Ehefrau Annelies und Moderator Walter Vogt.

Was macht eigentlich Marcel Guignard nach seiner Zeit als Aarauer Stadtpräsident? In der «Krone» blickte er und seine Frau Annelies in die Zukunft - und auch in die Vergangenheit.

Eigentlich weiss man auch nach dem einstündigen Kronetalk vom Sonntag nicht genau, was Stadtpräsident Marcel Guignard vom 1. Januar 2014 an macht.

«Bisher war mein Kalender mehrheitlich fremdbestimmt, ich freue mich nun auf eine freie Agenda», sagte das zurücktretende Aarauer Stadtoberhaupt, allerdings müsse er sich «in die neuen Strukturen und Beschäftigungen erst noch einfädeln».

Vorbild ist ihm Gattin Annelies, die nach ihrer Schultätigkeit an der Bez eifrig Sprachen lernt, zum Beispiel Neugriechisch, das sie in den traditionellen Herbstferien der Guignards auf der Insel Kreta anwenden kann.

Erster Kuss am Maienzug

Kennengelernt haben sich die gebürtige Zofingerin Annelies und der Aarauer Marcel Guignard an der Kantonsschule, so richtig «gefunkt» habe es aber erst an der Universität Zürich. Den ersten Kuss gaben sich die beiden – wie könnte es anders sein – an einem Maienzug.

Mit dem Amtsantritt Guignards als Stadtammann vor bald 26 Jahren wurde die neue «First Lady» zu einer «öffentlichen Figur». «Ich musste die Balance zwischen Familie, Beruf und Repräsentationspflichten erst finden», sagte die zweifache Mutter, die ihre persönlichen Ambitionen in der Politik (sie war Mitglied der Schulpflege) in ihrer neuen Rolle aufgeben musste. Als treue Begleiterin ihres Mannes habe sie aber «viele engagierte Leute an Anlässen kennen gelernt, die wir sonst kaum besucht hätten».

Als Marcel Guignard im Januar 1988 sein Büro im 2. Stock des Unteren Rathauses bezog, hatte er einen zwiespältigen Eindruck. «Wuchtige Sessel, ein üppiger Perserteppich und ein Pult so gross wie ein Panzer» seien ihm in die Augen gestochen. Und ein Alarmknopf mit direkter Leitung zur Stadtpolizei, den er einmal mit dem Knie irrtümlich ausgelöst habe.

Er verfügte zwar über Führungserfahrung in der kantonalen Justizabteilung, doch die Arbeit als «erster Aarauer» sei eine andere. Er habe sich sowohl als Mitglied der städtischen Exekutive als auch als oberster Personalchef der Verwaltung immer an einen «kooperativen Stil» gehalten und sich vor Entscheiden «breit ins Bild setzen lassen».

Niederlagen waren oft schmerzhaft

Moderator Walter Vogt und die meisten Teilnehmer am Kronetalk entpuppten sich als gereifte Lokalpatrioten, wobei das Kompliment für die positive Entwicklung Aaraus in den letzten zwei Jahrzehnten an Marcel Guignard ging. Dieser relativierte: «Der Einfluss des Stadtpräsidiums wird überschätzt», stimmen müsse das gesamte Umfeld, also das Team im Stadtrat, die Entscheide des Einwohnerrates und letztlich auch der Wille des Volkes.

«Der Stadtpräsident muss aber ein guter Motivator und ein weiser Mediator sein», erklärte Guignard. Gerade weil er in der Amtszeit mit «innerem Feuer und Herzblut» bei der Sache war, hätten ihn Niederlagen schmerzlich berührt, ohne dass er politische Schiffbrüche persönlich genommen hätte.

Diese Maximen gelten auch für seine Nachfolgerin Jolanda Urech. «Sie hat gekämpft und gewonnen, ich wünsche ihr viel Glück», sagte Annelies Guignard, während ihr Ehegatte präzisierte, dass die SP-Politikerin bereits über reichlich Erfahrung in der Exekutive verfüge und wisse, dass Stadtratssitzungen keine «Versammlung von Parteipräsidenten» seien.

«Die Grenzen der Parteipolitik sind in einem Gremium, das für alle Bevölkerungskreise verantwortlich ist, durchlässiger», betonte Annelies Guignard, und zeigte damit, dass sie durchaus über Insiderwissen verfügt.

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