Erlinsbach

Anpacken für zarte Pflänzchen: Die Arbeitsgruppe Einheimische Orchideen Aargau steht am Samstag im Einsatz

Orchideen sind unglaublich vielfältig. Aber sie sind bedroht. Die Arbeitsgruppe Einheimische Orchideen Aargau bemüht sich um ihren Fortbestand. Dafür geht sie am Samstag in Erlinsbach auf die Wiese.

Wenn Beat Wartmann über Orchideen spricht, dann blüht er selbst auf: «Orchideen betören mit ihren Farben und Düften und ihren teils bizarren Blüten. Sie können aber auch ganz hinterhältig sein: Der Frauenschuh fängt in seiner Kesselfalle kleine Bienen und zwingt sie auf einer vorgegebenen Treppe zur Bestäubung.» Wartmann lacht, dann sagt er: «Je mehr man sich mit Orchideen befasst, desto mehr faszinieren sie: Man nennt das ‹Orchideenfieber›.»

Beat Wartmann (67) ist pensionierter wissenschaftlicher Bibliothekar und Präsident der AGEO, der Arbeitsgruppe Einheimischer Orchideen Aargau. Die AGEO zählt 300 Mitglieder und kümmert sich seit 1986 um den Fortbestand einheimischer Orchideen in rund zehn Biotopen. Dies machen sie unter anderem mit Pflegeeinsätzen auf verschiedenen Wiesen im Kanton Aargau. Diesen Samstag findet der Pflegeeinsatz der AGEO in Erlinsbach statt. Treffpunkt ist um 8.30Uhr vor dem alten Schützenhaus in Erlinsbach.

7000 neue Nachweise für die Orchiedeen-Datenbank

Um die Wiese orchideenfreundlich zu machen, wird sie ein paar Tage vor dem Arbeitseinsatz gemäht. Am Einsatztag wird das Material eingesammelt und abtransportiert. «Die jährlichen Pflegeeinsätze sind nötig, damit das Gras nicht verfilzt und die Wiese nicht verbuscht. So können die Orchideen wachsen.» Die Kochgruppe bereitet für alle Helfer ein Mittagessen zu. Im Schnitt nehmen rund 30 Mitglieder teil, Helfer aus der Bevölkerung sind herzlich willkommen.

Neben der Pflege der Biotope unterhält die AGEO auch einen Orchideen-Lehrpfad in Erlinsbach. Dieser gibt der Bevölkerung die Gelegenheit, Orchideen an ihrem natürlichen Standort beobachten zu können. «Auf dem Lehrpfad können die Besucher rund 20Orchideenarten entdecken, welche von Mitte April bis Juli mit Tafeln beschriftet sind», sagt Wartmann.

Eine weitere wichtige Arbeit der AGEO ist ihre Orchideen-Datenbank. Sämtliche Orchideennachweise der Schweiz werden in dieser Datenbank festgehalten. Sie zählt momentan 343'000 Nachweise, dieses Jahr sind 7000 neue hinzugekommen. Anhand der Datenbank kartieren Mitglieder der AGEO das Orchideenvorkommen in der Schweiz. Gemeinden, Kantone und Bund erhalten die Daten auf Anfrage.

Orchideen sind die artenreichste Pflanzenfamilie der Welt, es gibt weltweit gegen 30'000 Arten. 78 kommen in der Schweiz vor, die häufigsten Arten sind Fuchs’ Fingerwurz und das Grosse Zweiblatt. Die Artenvielfalt hat in den letzten Jahren eher zugenommen. «Wegen der Klimaveränderung kommen immer mehr Mittelmeerarten bei uns vor», sagt Wartmann. «Zu beachten ist aber, dass gleichzeitig gewisse Arten wegen der vermehrten Trockenheit verschwinden.»

Die Orchideen sind bedroht

Auch die Häufigkeit ist massiv zurückgegangen, unter anderem wegen der Intensivierung der Landwirtschaft, der erhöhten Stickstoffbelastung, der Luftverschmutzung. Oder ganz einfach deshalb, weil Leute Orchideen ausgraben oder zerstören. Diesem Schicksal ist der Frauenschuh, eine der schönsten Orchideenarten, erlegen. Nur dank einer grossen Aktion, bei der man den Frauenschuh künstlich angepflanzt hat, findet man ihn heute wieder in den Wäldern.

Mit Blick auf die Zukunft wünscht sich Wartmann, dass mit dem Einsatz der Kantone Trockenwiesen und Weideflächen als ungedüngte Magerwiesen bestehen bleiben. Die Intensivierung der Landwirtschaft solle eingedämmt werden und sich nicht weiter in die Alpen ausbreiten. Zudem sei eine naturnahe Waldwirtschaft wichtig für das Überleben der Orchideen.

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Autorin

Kim Barbara Wyttenbach

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