Aarau
Architektin findet Aarauer Hochhaus zu klein

Der «GastroSocial»-Tower zum neuen Stadion-Quartier Torfeld Süd in Aarau hätte höher werden müssen, sagt eine Architektin. «Um ein gutes Verhältnis zwischen Platz- und Gebäudegrösse zu erreichen, hätte das Hochhaus gut doppelt so hoch werden müssen.»

Sibylle Wälty*
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Links die Visualisierung: 13 Stöcke, 50 Meter – so hoch soll der Gastro-Social-Tower in Aarau werden. Rechts die Fotomontage: So würde das Gebäude aussehen, wenn es gut doppelt so hoch wäre.

Links die Visualisierung: 13 Stöcke, 50 Meter – so hoch soll der Gastro-Social-Tower in Aarau werden. Rechts die Fotomontage: So würde das Gebäude aussehen, wenn es gut doppelt so hoch wäre.

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Ein Gebäude, das aus dem Stadtkörper herausragt, ist ein Merkmal. Ein hohes Gebäude steht in Aarau nahe der Bahnlinie beim Gais-Kreisel als westliche Spitze des Quartiers Torfeld Süd.

Dahinter soll einst das Stadion gebaut werden. Der Bau ist fast fertig: Das Architekturbüro Schneider & Schneider hat das alte 11-geschossige und 45 Meter hohe Rockwell-Gebäude durch ein 13-geschossiges, 50 Meter hohes Hochhaus für «GastroSocial» ersetzt.

Doch ist das ein echtes Hochhaus, ein Merkmal? Thomas Schneider beantwortete an einer Podiumsdiskussion im April die ihm bereits oft gestellte Höhenfrage: «Wir finden die Höhe angemessen für die Umgebung, es soll nicht als Einzelobjekt wirken, das raussticht.»

Ich meine: «Um ein gutes Verhältnis zwischen Platz- und Gebäudegrösse zu erreichen, hätte das Hochhaus gut doppelt so hoch werden müssen».

Das Baugesetz des Kantons Aargau kennt keine Hochhäuserdefinition. Die kantonale Brandschutzverordnung definiert Gebäude mit mehr als 25 Meter Traufhöhe als Hochhäuser, da ab dieser Höhe erhöhte brandschutztechnische Anforderungen einzuhalten sind.

In der Stadt Baden konnte vor der aktuellen Teilrevision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) mit einer Sondernutzungsplanung maximal 27 Meter hoch gebaut werden.

Ab Herbst sollten die neuen Hochhausbestimmungen mit den zwei Kategorien 55 und 70 Meter in Kraft treten. Die neue Kategorie «höhere Bauten» mit maximal 37 Meter soll die Regellücke dazwischen schliessen.

In der Stadt Aarau darf gemäss BNO maximal 19 Meter hoch gebaut werden. In Spezialzonen sind die maximalen Gebäudehöhen teilweise vorgeschrieben:

An der Küttigerstrasse 25, in den Gebieten Bahnhof, Torfeld Nord und Torfeld Süd 27 Meter, wobei bei letzterem der Hochhausersatz («GastroSocial»-Gebäude) mit 50 und ein neues Hochhaus Nordostecke mit 40 Meter Ausnahmen sind.

In der Stadt Baden wäre das Gastro-Social-Gebäude mit seinen 50 Metern also kein Hochhaus. In der Stadt Aarau schon. Dies, obwohl Teile der langgezogenen Blöcke der Telli gleich hoch sind.

Wie hoch soll also ein aus dem Stadtkörper herausragendes Gebäude sein und nach welchen Grundsätzen könnte dessen Höhe bestimmt werden?

Das aus dem Stadtkörper herausragende «GastroSocial»-Gebäude wird unweigerlich zum Hauptgebäude des vor ihm liegenden etwa 110 auf 55 Meter grossen, primär vom Kreisverkehr genutzten Platzes.

Berücksichtigt man das Verhältnis zwischen Platz und Hauptgebäude, dann ist der Gais-Kreisel-Platz mit dem «GastroSocial»-Gebäude als Tiefenplatz zu betrachten – das heisst, das Hauptgebäude steht auf der Schmalseite des Platzes.

Solche Plätze wirken nur dann günstig, wenn die Hauptfassade eine gleichartige Höhenentwicklung wie der Platz aufweist.

Für ein optimales Platz- und Gebäudegrössenverhältnis müsste das am 110 Meter langen Gais-Kreisel-Platz stehende «Hochhaus» somit gut doppelt so hoch sein: über 100 Meter hoch. Erst so würde es sinngemäss dem Projektbeschrieb zur «. . . Eingangspforte des neuen Quartiers und eine neue Landmark für Aarau» entsprechen.

*Sibylle Wälty ist in Aarau aufgewachsen und wohnt in Baden. Sie ist Architektin ETH und machte den Master in Real Estate an der Donau Universität in Krems.

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