Gränichen

Argovia Philharmonic: «Mozart im Wald» ist gut angekommen

Kühl ist es an diesem Samstag. Ob da trotzdem jemand kommen wird, wenn im Wald, genauer gesagt in einer Sandsteinhöhle, das Argovia Philharmonic Mozart spielt?

Die Jugendfeuerwehr ist vor Ort und weist die Autos, die bei weitem nicht nur aus dem Kanton Aargau anreisen, auf die Parkplätze ein.

Zu Fuss geht es hinauf Richtung Wald, vorbei an Weiden und landwirtschaftlichen Gebäuden. Mehr oder weniger interessiert schauen die Kühe dem bunten Treiben zu. Ob man sie mitnehmen soll? Es heisst, Kühe würden nach dem Genuss von Mozarts Musik mehr Milch abliefern: Man stelle sich die Tierbesitzer vor, wenn sie anderntags ihr weisses Wunder erleben.

Höhle als Bühne

Oben, im Wald, stehen Holzbänke bereit. «Alle Sitzplätze sind weg», sagt die freundliche Dame an der Kasse. Ein junger Mann findet trotzdem irgendwo noch einen Stuhl.
Währenddessen spielen sich in einer Nebenhöhle und mitten im Wald die Musiker ein. In der Haupthöhle ist eine kleine Bühne aufgebaut worden, in deren Mitte der Flügel steht. Den braucht es, denn zwei Pianisten, der junge Ukrainer Volodymyr Lavrynenko und der Badener Oliver Schnyder, sind angekündigt, und das Konzert baut ja eine Brücke zu dem von Oliver Schnyder initiierten Piano District Baden.

Vögel orchestrieren mit

Pünktlich betreten dreizehn Streicher des Argovia Philharmonic die Höhlenbühne. Die Geiger und Bratschisten stehen, was der Akustik zuträglich ist. Ein Dirigent fehlt. Konzertmeister Ulrich Poschner leitet vom Stehpult aus, und das macht er mit viel Augenkontakt zu seinen Kolleginnen und Kollegen, lächelnd, motivierend, das Ganze macht allen sichtlich Spass.

Mit Mozarts Serenade in G-Dur, der berühmten «Kleinen Nachtmusik», beginnt das Konzert. Bereits nach dem ersten Satz klatscht ein Teil des Publikums. Das stört ebenso wenig wie das mehrstimmige Vogelgezwitscher oder der Hund, der zweimal bellt. Viele Familien mit Kindern sind da, einige vielleicht zum ersten Mal in einem klassischen Konzert. Das soll durchaus so sein.

Schönes Ambiente

Dann folgen zwei Klavierkonzerte, das zwölfte in A-Dur, gespielt von Volodymyr Lavrynenko und das neunte in Es-Dur, das auch die Bezeichnung «Jeune homme» trägt, interpretiert von Oliver Schnyder. Beide Pianisten werden sorgfältig begleitet von siebzehn Musikern des Argovia Philharmonic. Der Ukrainer spielt eher sanft, passend zum Charakter des Werks, der Aargauer zupackend, frisch, eben wie ein «Jeune homme». Schnyder verabschiedet sich mit einer Szene aus Schumanns «Waldszenen». Lavrynenko wird man mit den Argovia Philharmonic wieder hören.

Grosser Applaus am Schluss. Das Konzert im Wald ist gut angekommen. Das wunderschöne Ambiente, Mozarts begeisternd interpretierte Musik, die verblüffend gute Akustik, die Gastfreundschaft der Veranstalter, all das ruft nach einer Fortsetzung, im Sommer 2016.

Nur etwas wärmer dürfte es sein. Beim Abstieg zeigt das Thermometer kühle dreizehn Grad. Die Kühe sind immer noch da. Ob sie Mozarts Musik gehört haben und mehr Milch abliefern?

Meistgesehen

Artboard 1