Aarau
Asylbewerber bewohnen eine «Millionenvilla» in Aarau

Ein stattliches Haus an der Weltistrasse in Aarau wird zur Asylunterkunft. Der Kantonale Sozialdienst (KSD) hat die Liegenschaft zu einer so dringend benötigten Asylunterkunft umfunktioniert. Die Anwohner sähen lieber eine lukrativere Nutzung.

Thomas Röthlin
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Weltistrasse 25: bald ein Zuhause für Asylbewerber-Familien.trö

Weltistrasse 25: bald ein Zuhause für Asylbewerber-Familien.trö

An der Weltistrasse 25 in Aarau wohnt kein Spitalpersonal mehr. Wo bis Ende 2011 das nahe gelegene Kantonsspital Aarau Mitarbeiter unterbrachte, leben bald Asylbewerber. Der Kantonale Sozialdienst (KSD) hat die Liegenschaft zu einer so dringend benötigten Asylunterkunft umfunktioniert.

Ob bei der stillgelegten «Bloodhound»-Stellung in Bettwil oder aktuell beim leerstehenden «Jägerstübli» in Brugg-Lauffohr: Kaum werden Umnutzungspläne für Asylunterkünfte publik, regt sich bei den lokalen Behörden und vor allem bei der betroffenen Bevölkerung Widerstand. Das ist in Aarau nicht anders.

Über Bewirtschaftung erstaunt

Aber: Die Anwohner im Gönhard-Quartier regen sich nicht primär über die neuen Nachbarn auf, sondern über den Kanton Aargau, dem die Weltistrasse25 gehört. Beim Gebäude mit grossem Umschwung handle es sich um eine «Millionenvilla an bester Wohnlage», sagt ein Quartierbewohner. Vergleichbare Objekte würden für 1,5 bis 2 Millionen gehandelt und seien «sehr gesucht». Als Steuerzahler sei er «über diese Bewirtschaftung von Immobilien durch den Kanton Aargau sehr erstaunt», so der Anwohner weiter.

Ungehalten ist man im «Göni» auch über die Informationspolitik des KSD. Dieser verteilte am Donnerstag an der Weltistrasse einen Brief, datiert vom 27.Februar. Im drei Tage alten Schreiben steht, es sei vorgesehen, ab 1.März «in diesem Einfamilienhaus zwei oder allenfalls drei Familien eine Unterkunft zu bieten». Woher diese Familien kämen und wie gross sie seien, darüber könnten keine Angaben gemacht werden.

Die Anwohner kritisieren, sie seien vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Im Brief steht dazu: «Wie sie möglicherweise festgestellt haben, sind in den vergangenen Tagen wiederholt Personen in der genannten Liegenschaft ein- und ausgegangen und haben verschiedene kleinere Arbeiten ausgeführt.» Es sei dem KSD deshalb ein Anliegen, die Nachbarn aufzuklären.

Als Wohnheim gebaut

Balz Bruder bestätigt als Sprecher des Departements Gesundheit und Soziales die Pläne für die Kantonsliegenschaft. Darüber seien neben den Anwohnern auch die Behörden informiert worden. Während für das ehemalige Restaurant in Brugg ein Baugesuch nötig ist und die Bettwiler Militärbaracken aus der Sicht des Kantons gar nicht bewilligungsfähig sind, kann das Wohnhaus in Aarau ohne Bewilligungsverfahren als Asylunterkunft genutzt werden.

Die Liegenschaft werde in den nächsten Tagen bezogen und sei für acht Personen ausgelegt, präzisiert Bruder. Und betont, sie sehe zwar wie ein Einfamilienhaus aus (was der KSD so schreibt), sei aber «als Wohnheim konzipiert und erstellt worden». So bestünden zum Beispiel speziell ausgebaute Nasszellen. Die weitere Nutzung als Wohnheim sei deshalb «naheliegend», so Bruder. Ein teurer Umbau in ein Einfamilienhaus werde nicht angestrebt.