Gränichen

Aufregung nach Aushub: Risse in der Hauswand sind nicht zu übersehen

Der Hang in der Baugrube wird nun zusätzlich gesichert.

Der Hang in der Baugrube wird nun zusätzlich gesichert.

Bei Aushubarbeiten für die Überbauung «Apfelhain» in Gränichen hat sich der Hang bewegt. Anwohner hatten davor gewarnt. Nun sind Haarrisse in den benachbarten Häuserwänden nicht zu übersehen.

Passiert ist es vor dem Osterwochenende, nach den tagelangen Regenfällen und der Weltuntergangsstimmung von Sturm Niklas: Der Hang oberhalb der Baugrube für die Arealüberbauung «Apfelhain» mit fünf Mehrfamilienhäuser im Gebiet Burghalden in Gränichen geriet in Bewegung.

In einem der bestehenden Häuser oberhalb der Baugrube ziehen sich seither Haarrisse über die Wände. Das sorgt für Diskussionen im Dorf: Von einem Abrutschen der Häuser um mehrere Zentimeter ist die Rede, von unbekannten Grundwasservorkommnissen, die den Hang instabil machten, von einem verhängten Baustopp.

Es habe nach Absenkungen Schäden an einem der Häuser gegeben, sagt Roger Schmid namens der örtlichen Bauleitung der Bauherrschaft. «Ein Baustopp wurde aber nicht verhängt.» Das bestätigt auch Franz von Matt, Leiter Bau Planung Umwelt bei der Einwohnergemeinde Gränichen.

Hang lebendiger als gedacht

Doch was ist genau passiert? «Der Hang ist lebendiger als gedacht», sagt von Matt. Dass der Boden schlecht ist, haben auch die Fachplaner gewusst und deshalb Pfählungen gemacht, die Baugrube also mit in den Boden gerammten Platten eingefasst und so stabilisiert.

«Ob das Pfählen den Boden in Bewegung gebracht hat oder die anhaltenden Regenfälle, ist aber noch nicht klar», so von Matt. Klar sei hingegen, dass der Hang nicht grossflächig in Bewegung sei.

«Würde der ganze Hang rutschen, müsste sich das Erdmaterial in der Baugrube zu Wülsten aufwerfen», so von Matt weiter. Das sei aber nicht der Fall. Es habe lediglich am Rand der Grube Abbrüche gegeben. Laut Bauleitung sind die Böschungen stabil, der Vorfall habe mit der Steilheit der Böschung nichts zu tun. Das Problem liege viel tiefer.

Der Hang und die Häuser oberhalb werden seit dem Vorfall dauernd überprüft. Nebst einer optischen Überwachung, die auf kleinste Bewegungen reagiert, nimmt der Bezirksgeometer regelmässig Messungen vor. Bisher seien keine weiteren Bewegungen registriert worden, sagt Schmid.

Die Verantwortung liegt in einem solchen Fall voll und ganz bei der Bauherrschaft. Planer und Bauherrschaft müssen vor dem Baustart ein geologisches Gutachten erstellen, Sondierschlitze vornehmen und die Beschaffenheit in Abhängigkeit der Komplexität des Baus stellen. Bei den entsprechenden Untersuchungen in der Burghalde hatte sich herausgestellt, dass der Boden im westlichen, bereits bebauten Teil problemlos, der östliche Teil hingegen instabiler ist.

Auf diese Instabilität aufmerksam gemacht wurden Planer und Bauherrschaft auch durch die Anwohner der Burghalde anlässlich der Einwendungsverhandlung. «Vor über zehn Jahren war beim Kanalisationsbau das gleiche Einfamilienhaus von Hangrutschen betroffen», sagt von Matt.

Haben Planer und Bauherrschaft diesen Hinweisen zu wenig Beachtung geschenkt? «Nein», sagt Schmid. «Die Hangsicherung, wie wir sie vor Baubeginn vorgenommen haben, entspricht heutigen Standards und war ausreichend.»

Nebst der Hangsicherung habe man ausserdem bei jedem Hauseigentümer eine Rissaufnahme gemacht; neue Risse hätten sich nur bei einer einzigen Liegenschaft gebildet. Schmid verweist darauf, dass das betroffene Haus 82 Jahre alt und das Fundament womöglich nicht mehr allzu stabil sei. Die Fachplaner betonen weiter, dass die Haarrisse die Stabilität des betroffenen Hauses nicht massgeblich beeinträchtigen.

Felsanker für Sicherung

Um weitere Schäden zu vermeiden, wird der Hang jetzt schnellstmöglich durch eine Spezialfirma mit Spezialbeton und Felsankern zusätzlich gesichert. Diese Arbeiten werden rund zwei bis drei Wochen dauern, weil der Beton und die um die Felsanker injizierte Masse austrocknen müssen. Danach wird das beschädigte Haus saniert.

«Wir stehen in ständigem Kontakt mit dem Hauseigentümer, den Fachkräften und der Gemeinde, damit wir die Angelegenheit so rasch wie möglich bereinigen können», so Schmid. Begleitet wird dieser Prozess seit dem Vorfall auch durch die Gränicher Bauverwaltung, die einen externen Ingenieur beigezogen hat. Bauverwalter von Matt: «Auch wenn uns keine Verantwortung trifft, so ist uns doch nicht egal, was passiert.»

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