Suhrenmatte

Auftragsbeete und Sonnenblumen: Buchser Oberstufenschüler sind jetzt auch Bauern

Thomas Amrein mit seinen Schülern auf dem Feld.

Thomas Amrein mit seinen Schülern auf dem Feld.

Die Schüler aus Buchs bewirtschaften nun neu acht Aren Ackerland. Auf dem Feld entdecken die Lehrer: Der schlimmste Schüler kann auch der Beste sein.

Seit zwei Wochen verfolgen zwei Klassen der Oberstufe Suhrenmatte in Buchs ein ganz besonderes Projekt: Nebst dem üblichen Schulunterricht kümmern sie sich direkt vor dem Schulhaus um acht Aren Ackerland, die sie selbstständig bestellen. Die Idee hatte Thomas Amrein, Klassenlehrer der Sek 1a mit 26 Schülern: «Ich bin begeisterter Hobbygärtner und mir liegt viel daran, dass die Schüler einen Bezug zu Natur und Umwelt haben», sagt er. Also hat er sich nach Möglichkeiten erkundigt und schnell von allen Seiten Unterstützung zugesichert bekommen. Der benachbarte Bauer verpachtete der Schule die acht Aren und bereitete sie für die Kinder maschinell vor. Die Gemeinde ist als Landeigentümerin dabei, die Schule finanziert die Hälfte dieses Projektunterrichts und das Bauamt hat den Kindern vier Tonnen Kompost geschenkt. Das scheint bei den Kindern anzukommen. Denn obwohl die meisten von ihnen noch nie Gartenwerkzeug in den Händen hatten, sind sie voll dabei, erzählt Thomas Amrein. Sie müssten den jungen Teenagern zwar jeden einzelnen Schritt beibringen. «Doch sie sind hoch motiviert und lernen schnell», sagt Thomas Amrein.

Nach der grossen Pause zeigen das die Kinder gleich selbst – während die Lehrer noch im Schulhaus nach dem Rechten sehen, verteilen sich die Kinder selbstständig über einen Teil der rund 60 Beete und gehen von sich aus den unterschiedlichsten Aufgaben nach. Sie lesen Steine aus den Beeten, jäten, pflanzen Setzlinge und schmücken Beetränder.

Und noch etwas anderes ist Thomas Amrein und seiner Kollegin Zeliha Cengiz positiv aufgefallen: «Diejenigen, die im Schulzimmer am negativsten auffallen und oft ihre Gspänli stören, sind hier draussen im Schulgarten die Besten – auch sozial.» Sie würden ihren Klassenkameraden helfen, für Zusammenhalt sorgen, andere anleiten und zur motivierten Stimmung beitragen. «Das beeindruckt uns wirklich», sagt Zeliha Cengiz, die Klassenlehrerin der zweiten involvierten Klasse, der Real 2b mit 17 Schülern.

Vom Garten ins Schulzimmer

Und wenn es dann nach meist etwa zwei Stunden doch wieder ins Schulzimmer geht, kommt der Garten oft mit. In Mathe berechnen sie etwa, wie viel Geld sie mit dem Verkauf ihrer Zöglinge verdienen müssen, um den Garten finanzieren zu können. Denn die zweite Hälfte des finanziellen Aufwands müssen sie versuchen, selbst zu stemmen. «Auch das ist eine Lektion des Projekts», erklärt Cengiz: «Verantwortung übernehmen und das über einen längeren Zeitraum.»

Schaffen sie schwarze Zahlen, fliesst der Überschuss in die Klassenkasse. Das erreichen wollen die Schüler mit mehreren Standbeinen: Fast einen Drittel der Beeten bestellen sie im Auftrag von Anwohnern, die für ihr fünf Quadratmeter grosses Beet eine Bepflanzung mit verschiedensten Kartoffeln, Kürbissen, Zwiebeln und Ingwer bestellen konnten. Die Auftragsbeeten waren in kürzester Zeit vergeben.

Was auf weiteren Beeten wächst, wollen sie verkaufen, auf den Übrigen dürfen sie mit ihrer Familie selber anbauen. Wie sie die Ernte absetzen werden, wissen die Schüler noch nicht, doch die Ideen sind da: hübsche Kürbiskisten etwa oder ein Suppentag vor dem Schulhaus. «Aber erst sehen wir jetzt mal, wie viel überhaupt wächst», lacht Thomas Amrein. Viel, das ist beinahe sicher: Nach nur zwei Wochen auf dem Feld keimt und spriesst es schon überall. Auch für Spaziergänger könnte der Schulgarten übrigens bald etwas zu bieten haben: Unter einem schmalen Streifen Erde am Rande des Ackers keimen in diesen Tagen Hunderte Sonnenblumen.

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