Aarau

Ausgenommen Zubringerdienst – das neue Fahrverbot kann viele kaltlassen

Nun gilt in den Aarauer Quartieren Gönhard und Goldern ein Fahrverbot. Doch täglich werden hier auch künftig Hunderte Motorfahrzeuge – legal – zirkulieren. Wer sich verbotenerweise dort aufhält und von der Polizei erwischt wird, muss mit einer Busse von 100 rechnen.

Rechtzeitig zum Jahresanfang hat die Stadt Aarau die Fahrverbotstafeln aufstellen lassen, welche die Quartiere Gönhard und Goldern – das ausgedehnte Gebiet zwischen Entfelderstrasse, Buchserstrasse und Hinterer Bahnhofstrasse – vom motorisierten Durchgangsverkehr befreien sollen.

Tafeln, die das Verbot einer Einfahrt ins Quartier signalisieren, finden sich im Westen, an der Entfelderstrasse, bei der Einmündung in den Gönhardweg, die Hallwylstrasse, die Heinerich-Wirri-Strasse und in die Goldernstrasse. Im Osten, von Suhr her, stösst man auf die gleichen Tafeln vom Zollweg her in Richtung Tellstrasse, von der Neuen Aarauerstrasse her in Richtung Südallee (südlicher Abschnitt) sowie von der Hauptachse Suhrerstrasse/Tramstrasse her in Richtung Südallee (nördlicher Abschnitt). Im Norden ist die Einfahrt aus dem Raum Kreisel Gais/Hintere Bahnhofstrasse in die Herzogstrasse verboten.

Ziel der 2015 beschlossenen und Ende 2018 – nach der Abweisung einer Einsprache der Gemeinde Buchs – in Kraft gesetzten Massnahme ist es, den Ausweichverkehr insbesondere zwischen den «Quartiertoren» an der Herzog- und der Hallwylstrasse zu unterbinden. Dieser fällt namentlich dann an, wenn die «offizielle» Transitachse Hintere Bahnhofstrasse–Entfelderstrasse (mit dem WSB-Übergang in der Gais) verstopft ist.

Allerdings handelt es sich bei Gönhard und Goldern nicht nur um Wohnquartiere, die sinnvollerweise vom Durchgangsverkehr befreit werden, sondern um Standorte diverser Infrastrukturanlagen, die ein grosses Verkehrsaufkommen generieren. Oder sie beherbergen wenigstens die Zufahrtsrouten. Beim Fahrverbot gilt denn auch, wie die Tafeln deutlich machen: «Ausgenommen Zubringerdienst Gönhard–Goldernquartier».

Was unter Zubringerdienst zu verstehen ist, bestimmt Art. 17 Absatz 3 der Signalisationsverordnung: «Bei Fahrverboten (...) erlaubt der Vermerk ‹Zubringerdienst gestattet› Fahrten zum Abliefern oder Abholen von Waren bei Anwohnern oder auf anliegenden Grundstücken, Fahrten von Anwohnern und von Personen, die Anwohner zu treffen oder auf anliegenden Grundstücken Arbeiten zu verrichten haben, sowie die Beförderung solcher Personen durch Dritte.»

Spitäler, Keba, Klubschule ...

Im betroffenen Perimeter befindet sich zum Beispiel das Kantonsspital mit seinem grossen Parkhaus an der Tellstrasse. Ebenfalls von der Spitalseite beziehungsweise von der Südallee her wird in der Regel das Pflegeheim Lindenfeld angefahren. Nur: Es steht auf Suhrer Boden und damit ausserhalb des Perimeters. Die Zufahrt zum Lindenfeld via Südallee (Abschnitt Nord) entspricht damit, streng genommen, einer Durchfahrt des mit einem Fahrverbot belegten Quartiers.

Ebenfalls auf Suhrer Territorium liegen das Stadion Brügglifeld und die Keba mit dem im Winter sehr gut besetzten grossen Parkplatz. Die Zufahrt zu den Sportanlagen – von der Entfelderstrasse her via Heinerich-Wirri-Strasse und Gönhardweg signalisiert – führt zwingend über Aarauer Boden, sprich durch die Quartiere Gönhard und Goldern. Die Verbotszone reicht aber auch in Aaraus modernen, total urbanen Raum hinein: An der Bleichemattstrasse, am besten erreichbar via Herzogstrasse, befinden sich die Migros-Klubschule (mit eigenem Parkhaus), das Passbüro, die Swissgrid und verschiedene medizinische Praxen.

Fazit: Auch künftig werden zu jeder Zeit Hunderte von Motorfahrzeugen legal in der «quasi verbotenen Stadt» unterwegs sein. Wer sich freilich bei einer Kontrolle von der Stadtpolizei erwischen lässt, ohne unter die Ausnahmeklausel von Artikel 17 Absatz 3 der Signalisationsverordnung zu fallen, hat eine Busse von 100 Franken zu gewärtigen. Angesichts der grossen Anzahl von Fahrzeugen dürfte der Aufwand, im grossen Stil illegale Durchfahrten von zulässigen Zubringerfahrten zu unterscheiden, allerdings erheblich sein.

Autor

Ueli Wild

Ueli Wild

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