Aarau
Aussteller zum Start von «in&out»: «Hier passt einfach alles»

Am Freitagmorgen begann die Designmesse «in&out» in der Alten Reithalle.

Katja Schlegel
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Vor wenigen Stunden haben die Aussteller mit dem Aufbau der Stände begonnen.

Vor wenigen Stunden haben die Aussteller mit dem Aufbau der Stände begonnen.

Katja Schlegel

Im Halbdunkel des alten Pferdestalls rumort die Kaffeemaschine. Zwei Lange sind bestellt, ohne Rahm und Zucker. Während Brigitte Hürzeler an der Maschine hantiert, steht Maja Baumann an der Bar, nimmt in aller Ruhe den letzten Schluck aus ihrem eigenen Becher. Das ist sie wohl, die Gelassenheit der Routiniers. Zum 12. Mal eröffnen Brigitte Hürzeler und Maja Baumann heute die «in&out», die Messe für Schweizer Design. Und nur Stunden davor sind die beiden Messemacherinnen so entspannt, dass sie ihren Ausstellern sogar den Kaffee an den Stand servieren.

Es ist noch früher Donnerstagmorgen, die Alte Reithalle fast leer. Aussteller mit Kappen und Handschuhen tragen ihre Taschen und Kisten herein, die ganz frühen Vögel drapieren bereits ihre Ware und richten Scheinwerfer aus. Dazwischen begrüssen Brigitte Hürzeler und Maja Baumann jeden Ankömmling persönlich, haken die Pendenzen: Sind die Militärdecken für die im Freien essenden Besucher da? Hat jeder nach dem Ausladen sein Auto weggestellt? Wo ist der WC-Schlüssel?

«Nervös sind wir natürlich auch heute noch», sagt Brigitte Hürzeler. Aber anders als früher. Früher habe sie aufpassen müssen, aus Unerfahrenheit nichts zu vergessen. «Heute ist es wegen der Routine.» Eine Routine, die inzwischen auch die Aussteller haben. Im dritten Jahr in der Alten Reithalle wissen die meisten, wie der Hase läuft.

Ein anderes Publikum

Eine Ausstellerin, die bereits ihren Stand dekoriert, ist Christine Buser. Die Schmuckdesignerin aus dem Aarauer Schachen hatte es auch nicht weit an diesem Morgen. Buser war bis 2013 Teil der Werkstattgemeinschaft Mehr&Wert an Ziegelrain, ist in der Stadt noch vielen bekannt. Ihren Schmuck aus Edelmetallen, Hölzern, Silikon, Kunststoffen oder Knochen entwirft sie heute in der Werkstatt im Keller ihres Hauses, wo sie auch ihre Kundinnen und Kunden empfängt; einen Laden hat sie nicht mehr. Auch an der «in&out» in der Alten Reithalle war sie noch nie dabei. «Jetzt komme ich nach drei Jahren Messeabstinenz, um mein Netzwerk zu aktivieren», sagt Buser.

Überzeugt hat sie nicht nur die Alte Reithalle, sondern die Messe an sich. Nicht nur, dass inzwischen viele tolle Zürcher Labels in Aarau anzutreffen sind. «Das Aarauer Publikum interessiert sich für Inhalte, das unterscheidet es von dem in anderen Städten.» Und dann eben, die Alte Reithalle: «Ein wahnsinnig schöner Ort, der so gut zu den Dingen passt, die hier verkauft werden. Hier passt einfach alles.»

Nebst Christine Buser kommen dieses Jahr ausgesprochen viele Ausstellerinnen und Aussteller aus der Region: Zum Beispiel Yvonne Müller aus Ammerswil mit Behältnissen und Notizbüchern, Stefanie Gehrig aus Lenzburg mit Taschen, Clips, Schals und Interieur, Modedesignerin Corinne Pfister aus Aarau, Schmuckdesigner Roger Weber alias «Rotsch-o-mat» aus Niederlenz, Hutmacherin Lucia Vogel aus Lenzburg sowie Claudia Hanselmann und Daniela Durrieu aus Auenstein, die ihren Adventskalender vorstellen.

Und dann natürlich die Ausstellungsmacherinnen selbst; Maja Baumann ist aus Erlinsbach SO, Brigitte Hürzeler aus Schönenwerd. Beide stellen Feines aus Leder her, beide sind auch mit einem Stand an der «in&out» vertreten. Eine Herausforderung; denn während die anderen Aussteller in den Monaten unter Hochdruck an neuen Kreationen arbeiten, sind Hürzeler und Baumann voll und ganz mit den Vorbereitungen für die Messe beschäftigt.

Ohne Katalog geht nichts

Das Wichtigste dabei: der Katalog. «Das ist das A und O», sagt Brigitte Hürzeler. Viele der Besucherinnen und Besucher würden sich bereits vor der Messe mit dem Katalog akribisch auf ihren Besuch vorbereiten. Der Katalog bedeutet für die Macherinnen viel Arbeit, allein schon das Sammeln und Bereinigen der Kundenadressen. Rund 38 000 Kataloge wurden dieses Jahr verschickt, nach stundenlanger Arbeit. «Aber es ist ein Mehrwert, der viel zum Erfolg der ‹in&out› beiträgt», sagt Maja Baumann.

Es ist aber längst nicht das einzige Erfolgsrezept: Was die 96 Aussteller eint, ist die Schweiz: Alle arbeiten und produzieren in der Schweiz, Billiganbieter aus dem Ausland haben keine Chance. Das wissen die Besucher. Und das ist es auch, weshalb Monika Peier aus Olten mit ihrem Möbellabel Moobel seit Jahr und Tag an der «in&out» ausstellt: «Hierher kommen Leute, die wissen wollen, wie und wo ein Produkt hergestellt wird, und die Sorge Tragen zum Schweizer Know-how.»

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