Aarau

Bachfischet zwischen Brauch und Demo: Der Laternenumzug zeigt erstmals eine politische Seite

2000 Schulkinder zogen mit bunten Laternen durch Aarau – gefolgt vom dumpfen Klang einer einsamen Trommel und schwarzen Särgen. Erstmals nahm am Freitag die Schule für Gestaltung am Umzug teil – um eine politische Botschaft anzubringen.

Fische leuchten jedes Jahr durch die Nacht. Naheliegend am Bachfischet. Dieses Jahr gibt auch «Fisherman’s Friend» – als Laterne, versteht sich. Wäre keine schlechte Idee an einem zunehmend kühler werdenden Septemberabend. Gleich dahinter erklingt der, traurige, dumpfe Klang einer einzelnen Trommel. Ein militärisches Beerdigungsdetachement am Schluss des Umzugs? – Nein, das ist die Schule für Gestaltung Aargau (SfGA), die zum ersten – und vielleicht letzten – Mal am Bachfischet teilnimmt.

Ein wogendes Geäst aus sich biegenden Stengeln mit Leuchtkugeln an ihren Enden kommt daher. Der Blick fällt aber die Schrift, die auf den irgendwie an Särge erinnernden schwarzen Laternen glüht. «Ja, Vorkurs», steht da geschrieben. Eine politische Botschaft, eine Demonstration. Am 26. August hat der Regierungsrat nämlich entschieden, dass er dem Gestalterischen Vorkurs ab dem Schuljahr 2017/18 den Geldhahn zudrehen werde. Die Schule hat deswegen gegenwärtig eine Petition laufen, die bis gestern von rund 2717 Personen unterzeichnet wurde, knapp die Hälfte davon aus dem Kanton Aargau. Bei den Zuschauern am Strassenrand kommt die Botschaft nicht nur gut an. Da und dort hört man Kritik wie, am Bachfischet habe Politik nichts zu suchen.

Bachfischet 2016

Bachfischet 2016

Wie hat die Schule für Gestaltung Anschluss an den Bachfischet gefunden? «Wir haben in der Schule diskutiert, wie wir uns besser in der Öffentlichkeit präsentieren können», sagt dazu Gregor Lüscher, Leiter Gestalterischer Vorkurs und Propädeutikum. Die Schule, die an der Weihermattstrasse in der Telli zu Hause ist, werde in der Stadt oben nicht so sehr wahrgenommen. Was keine gute Voraussetzung für eine Institution ist, die ums Überleben kämpft.

Vor zwei Wochen «aufgesprungen»

Der Auftritt der drei Klassen am Bachfischet, sagt Lüscher, habe der Bevölkerung deutlich machen sollen, «dass es da eine Schule gibt, die Schönes macht». Die Teilnahme wurde kurzfristig beschlossen – laut Lüscher vor zwei Wochen. Klar, dass die Schule den Anspruch gehabt habe, sich bei ihrer «Lichtstimmung» etwas Spezielles einfallen zu lassen, das sich von den Laternen der Kinder abhebe. Natürlich, lässt Lüscher durchblicken, habe der Faktor Zeit gewisse Grenzen gesetzt.

Unbestritten war, dass man «mit Bewegung arbeiten» wollte. Die Menge sollte daherkommen wie ein Wald. Das Ganze sei ein Experiment gewesen, sagt Gregor Lüscher. «Und es entspricht unserer Arbeitsweise, dem Gestalten.» Es sei darum gegangen, innert kürzester Zeit eine Idee zu entwickeln und umzusetzen.» Während die Schulklassen zum Teil kurz nach den Sommerferien anfangen würden, Laternen zu basteln, hätten die Lernenden der Schule für Gestaltung ihre Objekte erst gestern Freitag kreiert.

Rund 2000 Schulkinder bildeten den feurigen Tatzelwurm, der sich gestern Abend von Suhr her dem Bach entlang in Richtung Vordere Vorstadt bewegte und durch die Tore in die dunkle Aarauer Altstadt zwängte. Über 100 Schulklassen folgten den Tambouren der Kadettenmusik bis in den Schachen, Schulklassen vom Kindergarten bis zur ersten Oberstufe aus Aarau, Küttigen, Erlinsbach, Suhr und – erstmals dieses Jahr – aus Biberstein. ie rund 40 Jugendlichen und jungen Erwachsenen drückten den Altersdurchschnitt leicht nach oben, sind doch die Lernenden des Vorkurses 16 und jene des Propädeutikums 19 bis 20 Jahre alt.

Wie alle Jahre erfreuten sich Tiere als Sujets auf den Laternen grosser Beliebtheit. Da gab es – nebst den Fischen – verschiedene Varianten von Elefanten, einen ganzen Wald voller Wildschweine, Rehe und Wölfe. Feurige Feuersalamander, Pinguine, Eulen, Hühner und anderes Federvieh, aber auch veritable, dreidimensionale Flugzeuge, aber auch Pilze schwebten mehr oder weniger elegant durch die Aarauer Gassen in Richtung Schachen.
In der Vorderen Vorstadt fragte man sich, welcher Beamte dort oben im Regierungsgebäude, wo Licht brannte, zu dieser Zeit noch an der Arbeit war. Die Petition der Schule für Gestaltung kann ihn nicht zu Überstunden gezwungen haben. Die Unterschriftensammlung dauert noch 83 Tage. Ob die Bachfischet-Demo hilfreich war, wird sich weisen.

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Autor

Ueli Wild

Ueli Wild

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