Bis nach Deutschland, bis ins Elsass hatte er gesucht. Bei Möbelschreinern, Brockenstuben, Antikwarenhändlern. Aber helfen konnte keiner. Eine runde Tischplatte mit zwei Meter fünf Durchmesser – wer hat schon Platz für einen solch gewaltigen Tisch. Aber für Christian Senn war klar: An die Sitzbank im Heiniger-Stübli, die sich ins Rund des Schützenhaus-Türmchens schmiegt, gehört ein grosser runder Tisch. So, wie hier früher einer gestanden hatte.

Und zwar kein neuer, sondern einer mit Patina, mit Wasserflecken und Abschürfungen. Dafür hätte er es sogar in Kauf genommen, dass bei der Eröffnung kein Tisch da gestanden hätte.
Und dann kam eine Bekannte auf ihn zu. Sie habe gehört, dass er auf der Suche nach dem alten Tisch aus dem Heiniger-Stübli sei, sagte sie. Ihr Mann habe den Tisch damals beim Ausmisten des Schützenhauses geschenkt bekommen, er stehe bei ihnen im Betrieb, und ja, natürlich, der Tisch könne gern wieder zurück an seinen Stammplatz. Christian Senn konnte sein Glück kaum fassen. Am Donnerstag wurde der Tisch gebracht. Gerade noch rechtzeitig. «Manchmal lohnt es sich, hoch zu pokern», sagt Christian Senn und freut sich.

Auch gerne über die Gasse

Im Schützenhaus läuft der Endspurt. Die Monate der Umbauarbeiten sind abgeschlossen. Was für eine Veränderung die Ortsbürger-Immobilie erfahren hat; wo einst die Hündeler an Festbänken nach dem Training beisammensassen, in der Ecke ein kleiner Ofen, an den Wänden aufgeklebte Hunde-Poster, herrscht heute schlichte Eleganz. Fischgratparkett, mintgrüne Wände, Horgen-Glarus-Möbel, goldenes Licht; vieles der ursprünglichen und denkmalgeschützten Substanz wurde wieder hervorgeholt. Auf einer Sitzbank liegt, was noch an die Wand muss, Schützen-Utensilien als Andenken.

Rund 36 Sitzplätze gibt es im Gastraum, mitsamt dem grossen Quartier-Tisch vor der Fensterfront. Im Bar-Bereich, erschlossen über die Terrasse auf der Rückseite des Schützenhauses, ist Platz für drei Stehtische mit Barhockern. Hier können Spaziergänger, Znünigäste oder Spielplatzbesucher einkehren, für ein Bier oder einen Kaffee, etwas Kleines zu essen, auch gerne über die Gasse. Im Obergeschoss bietet das «Heiniger-Stübli» Platz für weitere Gäste, im Sommer kann man bequem draussen auf der Terrasse oder den Steinbänken sitzen, mit bester Sicht auf den Boule-Platz direkt neben der Terrasse.

Ganz viel Gelassenheit

So kurz vor der Eröffnung sieht es aus, wie es kurz vor Eröffnungen immer und überall aussieht. Geschirr und Gläser werden Stück für Stück gewaschen, poliert, in die Gestelle geräumt. Der Schreiner schraubt die Schiefertafeln an die Wand, im Büro spuckt der Drucker die Entwürfe der Menükarte aus, es riecht nach Möbelpolitur.

Doch auch wenn alles um sie herum schwirrt und eilt, Telefone klingeln und noch einer rasch einen Autoschlüssel braucht, sitzen die beiden Pächter Christian Senn und Raoul Niederreuther entspannt am Tisch. «Uns geht es sehr gut», sagt Christian Senn. «Alle fangen an, ihre Rollen zu übernehmen. Es fängt an zu leben.» Aber nervös seien sie schon, und fertig würden sie bis zur Eröffnung sicher auch nicht. «Fertig werden wir nie sein, wir werden uns einfach nach und nach weiterentwickeln. Wir vertrauen darauf, dass alles gut kommt», sagt Senn.

Diese Gelassenheit gibt ihnen nicht zuletzt ihr Team: Mit Markus Rikli haben die beiden einen erfahrenen Küchenchef gefunden. Rikli war unter anderem Küchenchef in der Reithalle Zürich und kochte auf der Restaurantplattform «la rampa», die für das Aarauer Stadtfest AarGrandissimo 1998 aufgebaut worden war. Jetzt freut sich Rikli, der seit 21 Jahren in der Region wohnt, mit dem Schützenhaus auf ein neues Projekt. «Ganz spontan habe ich zugesagt», meint er, weil es ihn plötzlich wieder gekitzelt habe. «Das Schützenhaus ist genau das Richtige für mich.» Mit Salomon Siegenthaler als Chef de Service macht ein weiterer Einheimischer das Führungsteam komplett.

Sichere Werte auf der Karte

Gemeinsam mit Küchenchef Rikli haben Senn und Niederreuther die Karte erarbeitet. «Eine überschaubare, saisonale Karte», sagt Niederreuther, «Alles ist hausgemacht, aus Produkten von Schweizer Produzenten.» Als Konstanz führt das Schützenhaus eine Karte «Wochentagsspezial»: Ein Menü pro Wochentag, das immer gleich bleibt. Beispielsweise Bouillabaisse jeden Donnerstag, Lammgigot jeden Sonntag, als sicherer Wert für die Gäste.

Dazu gibt es eine regelmässig wechselnde Karte mit vier bis fünf Vorspeisen, fünf bis sechs Hauptgängen (Vegetarisch und Fleisch, von Penne bis Hackbraten) sowie eine schöne Auswahl an Desserts. Dazu kommen Klassiker wie Tatar oder ein Fleisch-Käse-Brättli, Sandwiches und für die kleinen Gäste eigene Kindermenüs. Fürs Mittagsmenü werden nebst den Wochentagsspezial-Menüs zwei wechselnde Menüs angeboten (Vegetarisch und Fleisch) mit Salat und Suppe, für um die 20 Franken.

Gepflegt kommt auch die Weinkarte daher, mit Kleingut- und Bio-Weinen, ausserdem wird ausschliesslich Schweizer Bier ausgeschenkt. Die grosse Bandbreite ist bewusst gewählt. «Bei uns ist jeder willkommen, vom Bauarbeiter, der hier sein Znüni isst, über die Kinder vom Spielplatz und die Nachbarn und Vereinsmitglieder, die hier gemeinsam etwas trinken wollen, bis zum Business-Gast», sagt Christian Senn. Das erfordere auch das breite Angebot mit Preisen für jedes Budget. «So, wie es sich für eine richtige Quartierbeiz gehört.»