Aarau

Befürchteter Grossaufmarsch blieb aus – die Angefressenen feierten den Maienzug-Vorabend im Garten

«Alles unter Kontrolle», konstatiert Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker um 21.30 Uhr. Sie sind nicht gekommen, die Heimweh-Aarauer und Festfreudigen aus dem halben Kanton. Es ist ein Maienzug-Vorabend, wie ihn der Stadtrat wollte: Ganz zahm, im überschaubaren Rahmen.

Der Abend ist sogar so gewöhnlich, dass die Leute die Güselsäcke an den Strassenrand stellen. Wer Party wollte, musste sich irgendwo anmelden oder reservieren, coronakonform eben. «Heute ist Vorabend, aber nur für Aarauer», sagt eine Frau vor dem «Brotkorb», und sie hat recht: Es hat mehr Leute auf den Gassen als an einem normalen Wochenende, aber niemals das Gedränge eines normalen Vorabends mit 30'000 Leuten. Bloss der Bus, der durch die Altstadt pflügt, wirkt noch etwas absurder als sonst, und man beneidet die Fahrer nicht.

Wer auf der Gasse unterwegs ist, der ist auch nicht ausschliesslich des Vorabends wegen da. Ein Grosselternpaar aus Zürich passt auf den Enkel auf, Arbeitskolleginnen sind unterwegs zum Feierabend-Apéro, andere auf dem Weg zur Grillparty bei Freunden. Eine Gruppe Mountainbiker gönnt sich am Zollrain ein Bier, verschwitzt und verdreckt, im Trikot statt im Hemd.

Ein bisschen Vorabend gibt es in der Goldern. Hier feiert eine Gruppe besonders angefressener Maienzügler. Im Garten. Mit Freunden, Bier und Essen. Und mit dem Zapfenstreich. Ein Jahr ohne Maienzug ist für die Gruppe nicht in Frage gekommen. Also haben sie die Kadettenmusik angefragt. Und eine Handvoll Freiwilliger ist gekommen: Zwei Tambouren und vier Blechbläser stehen im Gras und spielen, es hallt von den Goldernhochhäu­sern, so laut, dass die Nachbarskinder gwundrig anschleichen.

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