Wer hätte das gedacht, hinter den Mauern der Aarauer Altstadt geht es ziemlich heiss zu und her. Oh ja, ich meine Sex. Darf ich hier darüber schreiben?

Ok, die Nachbarn im oberen Stock mal zu hören, während sie «Spass» haben, ist noch nicht weltbewegend. Das Knarren und Poltern von Bettgestellen, das hemmungslose Juchzen der Frau, das Aufstöhnen des Mannes haben wir alle schon gehört.

Und unter uns: Wir wissen doch alle nicht, ob wir uns die Ohren zuhalten oder den Fernseher doch lieber leiser stellen wollen, um noch ein wenig genauer zuhören zu können. Ein bisschen neugierig sind wir ja alle, wenn es um unsere Nachbarn geht.

Und was hier unter uns Aarauerinnen und Aarauern läuft, ist noch viel prickelnder, verbotener. Achtung, Achtung: Gossip Girl kommt in Fahrt ...
Muss ich schon aufhören? Wird das noch publiziert?

Ich habe schon interessante Beobachtungen gemacht in unserer züchtigen Stadt. Nein, wir tun es nicht nur in den eigenen vier Wänden gerne. Schliesslich gibt es viele hübsche und fast ungestörte Orte draussen in der Natur.

Am Ufer der Aare, ein bisschen weiter hinten, dort wo die Sandbänke beginnen zum Beispiel. Dreck, Käfer, Hündeler oder eine nichtsahnende Joggerin Namens Dara hielten die Liebenden vor zwei Monaten nicht davon ab, dort die schönste Nebensache der Welt zu praktizieren.

Aber so richtig hemmungslos werden wir Stadtbewohner dann doch erst, wenn wir glauben, ungestört zu sein.

Nur noch diese eine Story, ich schwöre. «Sind die blutt?!» schrie meine Freundin, als wir letzten Freitagabend durch die Aarauer Altstadt schlenderten und gerade diskutierten, ob Lokal A oder Lokal B heute die bessere Wahl wäre. Meine Freundin zeigte auf ein beleuchtetes Fenster. Die Rollos waren nur zur Hälfte gezogen.

Wir wollten ja nicht, aber wir mussten einfach hinschauen. Wie in einer Telenovela, wie im Film beobachteten wir das Liebesspiel. Sie auf dem Stuhl, die Hände hinter dem Rücken zusammengebunden. Er zwischen ihren Beinen kniend, mit einer Feder in der Hand, den Rest könnt ihr euch denken.

Ein wenig schäme ich mich heute noch, wie sensationsgeil ich diesem Pärchen zugeschaut habe. Aber hey, im Gegensatz zu GZSZ kriegen wir das hier gratis.

Und während unsere Gassen einem hin und wieder ausgestorben und leer vorkommen, ist es doch umso schöner zu wissen, dass wir hier in Aarau, wenn wir glauben ungestört zu sein, alles andere als prüde sind.