Erlinsbach SO/Schönenwerd

Betretverbot auf beliebter Aareinsel: Über 100 Personen angezeigt, weil sie Naturschutz nicht beachteten

Die Aareinsel mit Sandbänken – links der Hauptlauf, rechts der Seitenarm – zog viele Leute an. Nun heisst es: «Betreten verboten.»

Die Aareinsel mit Sandbänken – links der Hauptlauf, rechts der Seitenarm – zog viele Leute an. Nun heisst es: «Betreten verboten.»

Zwei grosse Flächen, darunter eine beliebte Sandbank-Insel zwischen Aarau und Schönenwerd, dürfen im Naturreservat Grien-Wöschnau bei Erlinsbach SO wegen Naturschutz nicht mehr betreten werden. Es hagelt Dutzende Bussen.

Die pittoresken Sandbänke im Auengebiet Grien-Wöschnau an der Grenze zwischen Erlinsbach SO und Schönenwerd werden von vielen Leuten als Naherholungsgebiet geschätzt.

Was viele Sonnenhungrige nicht wissen: Mit einem Regierungsratsbeschluss vom 2. Juli 2019 wurden zwei grössere Flächen für mehr Naturschutz gesperrt, damit sich die Natur wieder entfalten kann.

Eine der beliebtesten Aareinsel im Grien (im Hauptbild), die auch von Blüttlern aufgesucht wurde, darf damit nicht mehr betreten werden. Wer dies nicht befolgt, wird angezeigt und später mit einer happigen Busse bestraft.

Seit Juli 2019 darf die Aareinsel des Naturreservats Grien nicht mehr betreten werden, die Kantonspolizei Solothurn hat die Kontrollen intensiviert.

Seit Juli 2019 darf die Aareinsel des Naturreservats Grien nicht mehr betreten werden, die Kantonspolizei Solothurn hat die Kontrollen intensiviert.

Anzeige: 32 Personen am Sonntag, 70 Personen an Auffahrt

Die Kantonspolizei Solothurn wurde vom kantonalen Amt für Raumplanung beauftragt, die Einhaltung in diesem Sommer besonders regelmässig zu kontrollieren. Um wie viele Einsatzstunden es sich handelt, wollen die Parteien nicht preisgeben.

Die Polizei bestätigt aber auf Anfrage: Am vergangenen Sonntag wurden 32 Personen angezeigt, an Auffahrt weitere rund 70 Personen erwischt. Ein empörter Leser, der bestraft wurde, meldet sich bei dieser Zeitung: «Ich erhole mich seit Jahren an der Aare. Hätte ich gewusst, dass hier ein ‹Betreten verboten› gilt, dann hätte ich das natürlich beachtet.» Er habe von den Ordnungshütern etwas Fingerspitzengefühl vermisst. «Statt Bussen zu verteilen soll­te Aufklärungsarbeit geleistet werden.»

Die beiden grün schraffierten Flächen des Naturreservats Grien-Wöschnau dürfen nicht mehr betreten werden.

Die beiden grün schraffierten Flächen des Naturreservats Grien-Wöschnau dürfen nicht mehr betreten werden.

Tafeln an verschiedensten Stellen, 32000 Flyer

Jonas Lüthy, als wissenschaftlicher Mitarbeiter vom Amt für Raumplanung (Natur und Landschaft) zuständig für das Gebiet, will das nicht gelten lassen. Anfang Jahr hat der Kanton an verschiedensten Stellen grüne Tafeln aufgestellt, zudem wurden 32000 Informationsflyer in alle Haushalte im Niederamt verschickt.

Einige Tafeln, die auf das Verbot hinweisen, seien von Vandalen bereits mutwillig zerstört worden. «Heutzutage ist es leider bei vielen Leuten nicht mehr angesehen, zugunsten der Natur ihr Freizeitverhalten anzupassen und der Natur etwas zurückzugeben. Das Gebiet ist kein Freizeitpark», sagt Lüthy und spricht damit eines der grössten Probleme neben dem Missachten des «Betreten verboten» an: das Littering. Nach schönen Tagen müssen die Gemeinden viel zurückgelassenen Abfall einsammeln.

Naturreservat Grien: Mit diesen grünen Tafeln informiert der Kanton Solothurn die Aare-Besucher über das Betretverbot

Naturreservat Grien: Mit diesen grünen Tafeln informiert der Kanton Solothurn die Aare-Besucher über das Betretverbot

Das Naturreservat Grien, 38 Hektaren gross, steht seit 1951 unter kantonalem Schutz, 2017 wurde es in das Bundesinventar der Auengebiete von nationa­- ler Bedeutung aufgenommen. Damit geht die Verpflichtung einher, das Gebiet zu erhalten. Beim Amt für Raumplanung hofft man, dass viele Tier- und Pflanzenarten zurückfinden, die in jüngerer Zeit verschwunden sind, wie etwa die Äsche, der Pirol, die Nachtigall oder sonstige Boden- und Kiesbrüter.

Schon 2015, als die Rodung für die Reaktivierung des Seitenarms begann, gab es einen Aufschrei der Entrüstung bei Liebhabern der Sandbänke. Damals verschwand eine Sandbank als Teil der natürlichen Badi beim Stauwehr. Der Leser: «Es ist schade, dass den Menschen immer mehr Erholungsgebiete weggenommen werden.»

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