Es sei eine «historische Premiere», sagte Gemeindeammann Tobias Leuthard. Das erste Mal, dass der Gemeinderat «aus dem stillen Kämmerli rauskommt» und seine Legislaturplanung mit den Bürgerinnen und Bürgern diskutiere. Der erste Anlauf im November war an fehlenden Anmeldungen gescheitert; am Dienstagabend fanden sich dann doch rund 30 Einwohnerinnen und Einwohner – plus einige Behördenmitglieder – ein zur «Informations- und Feedbacksveranstaltung zu den gemeinderätlichen Entwicklungsschwerpunkten». Was sperrig klingt, meint: Der Gemeinderat will wissen, wie sein Legislaturprogramm beim Volk ankommt. Und dieses war durchaus kritisch: Insgesamt hat der Gemeinderat 23 Entwicklungsschwerpunkte formuliert. Zu viele, befanden einige Teilnehmer der Veranstaltung. Man wünsche es sich konkreter, priorisierter.

Mehrfach wurde betont, der Gemeinderat solle der Natur und der Biodiversität mehr Gewicht einräumen. Grössere Vielfalt wurde auch bei der Zusammensetzung von Behörden und Kommissionen gefordert. Es fehle ausserdem eine Vision fürs Personal, man vermisse ein Parkkonzept für die öffentlichen Strassen, das Gewerbe müsse stärker gefördert werden, die Einhaltung von Tempolimits mehr überprüft werden. Gelobt wurde unter anderem die Finanzpolitik des Gemeinderats, die einen stabilen Steuerfuss (so tief wie möglich, so hoch wie für die Stabilität nötig) vorsieht.

Viele Fragen zu Bau und Verkehr

Bei der Fragerunde zeigte sich schnell, wo der Schuh am ärgsten drückt: Bau, Verkehr, Bevölkerungswachstum. Ganz aktuell stehen riesige Bauprojekte an, etwa das Baumgarten-Areal in Rombach, das bis zu 500 neue Einwohner bringt. Ein Teilnehmer sprach von einer «eigentlichen Bevölkerungsexplosion, die Angst macht». Verkraftet das die Küttiger Infrastruktur überhaupt? Gemeinderat Raymond Hunziker betonte, mit der ausgebauten Bibersteinerstrasse habe man punkto Verkehrsinfrastruktur gute Voraussetzungen, der Kanton erlaube ausnahmsweise sogar eine Tiefgaragenausfahrt auf die Kantonsstrasse. Fussgänger könnten von der Durchlässigkeit des neuen Areals profitieren (mehr Fusswege wurden an der Veranstaltung ohnehin gefordert), und beim «Wydler» gebe es einen neuen Fussgängerstreifen. Zum Thema steigende Schülerzahlen sagte Ammann Leuthard, man habe auf Stock im Prinzip genügend Schulraum, zumal die Oberstufenschüler irgendwann nicht mehr hier beschult werden sollen. Das Problem sei eher die veraltete Infrastruktur – etwa die beiden Turnhallen, bei denen man derzeit prüfe, ob man sie sanieren oder gleich ersetzen soll.

Bei der Frage, wann endlich ein Betriebs- und Gestaltungskonzept für die Hauptstrasse vorliege, die sich «wie eine Narbe durchs Dorf ziehe», so eine Teilnehmerin, musste der Ammann auf ungefähr 2022 vertrösten. Leuthard kündigte dafür für nächstes oder übernächstes Jahr grössere Sanierungsarbeiten für die Staffeleggstrasse (beim Feuerwehrmagazin) und die Benkenstrasse an. Geplant ist ausserdem, die Abfallcontainer im Dorf durch Unterflur-Anlagen zu ersetzen, wie Gemeinderat Markus Knüsel ausführte.

Zum Thema Deponiesanierung Ritzer berichtete Tobias Leuthard, ein Massnahmenkonzept sei mittlerweile beim Bund eingereicht. Während 30 bis 60 Jahren müssen Wasser und Gase aus der ehemaligen Deponie abgeführt und gereinigt werden. Der Bund zahlt 40 Prozent an die Sanierung, der Kanton 30, die restlichen 30 müssen die Deponie-Betreibergemeinden, vor allem die Stadt Aarau, zahlen.

Die «historische Premiere», so kann man nach dem Dienstagabend wohl konstatieren, ist geglückt. Der Gemeinderat erhielt einiges an Lob und einen Schlussapplaus für seine «aktive und offene Informationspolitik». Diese soll offenbar auch digitaler werden: Der Gemeinderat erwägt, bei «Crossiety» einzusteigen. Das ist eine Art «digitaler Dorfplatz», Social Media für Gemeinden. Die Region Lenzburg ist schon dabei, auch in Buchs gibt es Bestrebungen diesbezüglich.