Klimastrategie
Biodiversität kennt keine Gemeindegrenzen

Der Aarauer Einwohnerrat unterstützt das regionale Naturnetz der Grünen, die Bürgermotion betreffend Gasnetz lehnt er aber ab.

Daniel Vizentini
Drucken
Teilen
Wo beginnt Aarau, wo die Nachbargemeinde? Stadtrat Werner Schib sagt: «Biodiversität macht an der Grenze keinen Halt.»

Wo beginnt Aarau, wo die Nachbargemeinde? Stadtrat Werner Schib sagt: «Biodiversität macht an der Grenze keinen Halt.»

Bild: mik (26.5.18)

Philippe Kühni blieb hartnäckig: Der Präsident der Grünliberalen Bezirk Aarau ist zwar nicht Einwohnerrat, zum zweiten Mal in Folge versuchte er aber im Stadtparlament, mittels Bürgermotion das definitive Ende des städtischen Gasnetzes einzuleiten. Im November verneinten Stadt- und Einwohnerrat bereits eine von ihm beantragte «Stilllegungsplanung» bis 2050. Im zweiten Anlauf verlangte er am Montagabend mit einer «verbindlichen Planung der zukünftigen Gasinfrastruktur» nun praktisch dasselbe: Der Stadtrat sollte aufzeigen, «wann welche Leitungen stillgelegt werden».

Hintergrund davon ist die nationale Klimastrategie, wonach Emissionen von Treibhausgasen bis 2050 auf netto null gesenkt werden sollen. Die Stadt Aarau will das Ziel, gar ambitionierter, bereits 2040, erreichen (AZ vom 17. März).

Kühnis Anliegen war formell gar nicht motionsfähig

Es geht Philippe Kühni auch darum, Planungssicherheit zu schaffen für die Liegenschaftseigentümer. Dazu solle die Eniwa, die das Gasnetz betreibt, vor künftigen Verlusten bewahrt werden. Aarau habe heute ein fast ganzflächiges Gasnetz, das mehrheitlich zum Heizen im Winter gebraucht werde.

«In Zukunft wird es schlicht nicht mehr wirtschaftlich sein, mit Gas zu heizen»,

prophezeite er in seinem Votum vor dem Einwohnerrat. Biogas etwa sei «schlicht zu wertvoll dafür».

Statt wie letztes Jahr den Inhalt der Motion ausführlich zu beantworten, verwies der Stadtrat dieses Mal direkt darauf, dass Philippe Kühnis Anliegen formell gar nicht motionsfähig sei. Dafür müsste es in den Zuständigkeitsbereich des Einwohnerrats oder des Stimmvolks fallen, das sei hier nicht der Fall. Ausser den Grünliberalen im Rat folgten fast alle Parlamentarier dieser Ansicht. Da half auch nicht, dass Philippe Kühnis Parteikollege, Einwohnerrat Alexander Umbricht, in seinem Votum sagte: Ein Zuwarten in der Frage sei «nicht nur schlecht fürs Klima, sondern auch für die städtischen Finanzen». Die Grünen enthielten sich in der Abstimmung über die Zulässigkeit der Motion immerhin, weil sie das Anliegen an sich eigentlich unterstützen.

Der Umwelt-Zukunftsraum wird nun eingeleitet

Einen unbestrittenen Erfolg hingegen verbuchte die Idee von Einwohnerrat Daniel Ballmer (Grüne), ein regionales Naturnetz zu schaffen. Im Stil eines Umwelt-Zukunftsraums soll die Stadt mit den anderen 16 Aarau-Regio-Gemeinden entsprechende Gespräche aufnehmen. Es könnten Synergien geschaffen werden: Heute arbeiten die Umweltfachstelle der Stadt und die umliegenden Naturschutzvereine voneinander getrennt am selben Ziel.

«Wir fordern nicht einfach eine Aufstockung der Mittel, sondern eine Zusammensetzung der bestehenden»,

sagte Daniel Ballmer. Als Vorbild dient die Region Pfannenstiel im Zürcher Oberland, wo sich schon 1998 zwölf Gemeinden für ein gemeinsames Biodiversitätsförderprojekt zusammentaten. Dass dies auch in der Region Aarau Wirklichkeit werden könnte, sahen fast alle Einwohnerräte. «Das Postulat scheint eine Selbstverständlichkeit zu sein, ein kleiner aber richtiger Schritt in die Zukunft», sagte Barbara Schönberg (CVP). Dringender formulierte es Peter Jann (GLP): «Es ist höchste Zeit, die Natur steht unter Druck.»

Der als «sehr positiv und sinnvoll» bewertete Antrag wurde mit nur einer Gegenstimme einer SVP-Einwohnerrätin angenommen.

«Manchmal ist die Zeit einfach reif für neue Ideen»,

freute sich Daniel Ballmer. «Biodiversität macht an der Gemeindegrenze keinen Halt», sagte Stadtrat Werner Schib abschliessend.

Aktuelle Nachrichten