Aarau

Bis das Stadion kommt: Aktivisten wollen Torfeld Süd zwischennutzen – das sind ihre Ideen

Die verschiedenen Möglichkeiten der Zwischennutzung nach der Vorstellung der Initianten.

Die verschiedenen Möglichkeiten der Zwischennutzung nach der Vorstellung der Initianten.

Eine Petition wurde lanciert: Die Stadt und die HRS sollen die Fläche bis zum Bau des Aarauer Stadions freigeben.

Einst wurde in den Fabriken im Torfeld Süd gearbeitet, später in der Freizeithalle «Rolling Rock» Sport getrieben oder im Atelier Bleifrei Kultur gefeiert. Seit dem Abriss der alten Industriestätten liegt die grosse Fläche neben den Bahngleisen brach. Bis das Stadion samt Hochhäusern dort gebaut wird, dürfte es noch eine Weile dauern. Eine neuformierte Gruppe will deshalb das Areal bis zum Baubeginn zwischennutzen, «als urbanes Stadtlabor für alle», wie sie schreibt.

Dafür wurde diese Woche eine Petition lanciert. In dieser fordert die Gruppe Stadt und Eigentümerin (die HRS) auf, das «Terrain Süd», wie sie es nennen, «aufzubereiten, freizugeben und für die gemeinschaft­liche öffentliche Nutzung bis zum Beginn der Bauarbeiten zu unterstützen und fördern». Die Stadt solle zudem «weitere Areale und Liegenschaften für Zwischennutzungen identifizieren» und solche ermöglichen.

Drohnenflug über das Areal Torfeld Süd in Aarau (16.8.2019)

Drohnenflug über das Areal Torfeld Süd in Aarau (16.8.2019)

Online sind einen Tag nach Aufschaltung der Petition über 300 Unterschriften eingegangen. Hinter der Petition stehen die Kulturaktivisten Selina Egger, Roman Hostettler und Kevin Klopfenstein sowie die SP-Politikerinnen Leona Klopfenstein, Silvia Dell’Aquila und Lelia Hunziker.

Letztere war es auch, die die Idee dazu hatte. «Jeden Tag pendle ich an dieser traurigen, kiesigen Mondlandschaft vorbei», sagt sie. Weil bisher niemand etwas Leben in die grosse, zentral liegende Brache brachte, habe sie entschieden, dies selbst in die Hand zu nehmen.

«Das Areal liegt mir am Herzen. Mein Vater hat als Elektroingenieur im Kurzschlusshaus Tests gemacht, dann habe ich während Jahren dort Sport und Kultur genossen. Das Areal war die kreative Lunge der Stadt. Das ist nun alles weg und das Neue noch nicht da – also zwischennutzen wir!»

Die unendliche Geschichte des Aarauer Stadions:

Riesenrad, Flohmarkt, Theater oder Sportturniere

Diesen Sonntag um 15 Uhr laden die Initianten des «Terrain Süd» vor das Areal ein und sammeln Wünsche und Ideen. Als solche erwähnt die Gruppe: Hochbeete für Urban Gardening, Kinderbaustellen, Tischtennistische, Hühnergehege, Riesenrad, Setzling- oder Flohmarkt, Streetfood- oder Sandfigurenfestival, Pumptrack oder Skateranlage, Theater, Musik, Zirkus, Turniere in Strassenfussball, Pétanque oder Beachvolley. «Wer Lust hat, engagiert sich und macht, was er oder sie will», sagt Lelia Hunziker. «Mit der Petition lancieren wir die Idee und schaffen im Idealfall den Rahmen.»

In Zürich, Bern oder Biel gibt es solche Zwischennutzungen bereits. Könnte dieses Vorhaben auch in Aarau realisiert werden? Laut Lelia Hunziker scheinen jedenfalls viele Leute dafür zu sein: «Es braucht die Haltung, ein Stadtlabor zu ermöglichen», sagt sie, «und ein Bekenntnis der HRS zu Aarau». Die Wertschöpfung, die ein solches Areal erzeugt, sei riesig. Städte investieren jeweils viel Geld in Projekte, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern. Dabei könnte dies im «Terrain Süd» von selbst entstehen, wenn man es nur zuliesse.

«Die Chance ist einzigartig», sagt sie. Land sei ein wertvol­- les und knappes Gut, solches «mitten in der Schweiz, bestens erschlossen», jahrelang brachliegen zu lassen, grenze an Un- terlassung. «Die Bevölkerung von Aarau wird jahrelang um wertvollen Boden gebracht.» Als Kiesfläche erhitze das Areal das Quartier zudem unnötig auf.

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