Wir waren sehr schnell. Der Verein ‹Unser Stadion› hat in 17 Tagen die Initiative ‹Unser Stadion› vorbereitet und die Unterschriftensammlung am 16. August gestartet. Die Initiative bietet eine Alternative zum spekulativen Plan B im Torfeld Süd. Ein schlechtes Projekt, das die Interessen der Menschen ignoriert und nur realisiert werden kann, wenn im heute schon übersättigten Markt Investoren für 600 Wohnungen gefunden werden.

Hat man jahrelang nach einer Ankermieterin für das Einkaufszentrum gesucht, wird man in den kommenden Jahren auf einen Investor warten. Unsere Initiative sei ein Luftballon? Dann ist der «Plan B» im Torfeld Süd eine toxische Investitionsblase. Mit unserer Initiative wird die Stadt verbindlich verpflichtet, ein Stadion zu bauen, und zwar in Eigenregie, auf öffentlichem Grund.

Nur eine Woche nach Sammelstart sind 300 Unterschriften eingegangen. Das sind schon mehr als 20 Prozent der benötigten Unterschriften. Unbekannte gratulieren zum Mut und danken für das Engagement. Zustimmende Leserbriefe erscheinen und auch solche mit viel Groll.

Ja, Groll, Zorn, Beleidigungen und Zynismus begleiteten mich diese Woche auch. Damit habe ich gerechnet. Beim Fussball hören die gelernten sozialen Umgangsformen auf. In der Politik manchmal auch und in der Migrationspolitik sowieso. Ich habe diesbezüglich eine dicke Haut. Aber ein neues Phänomen kommt dazu: die Glaubwürdigkeit – Glaube und Würde. Die Initiative bietet eine Alternative und alle schreien ‹unwürdig› und ‹Lüge›.

Dem Vereinsvorstand wurde Kompetenz, Sachverstand, Ehr- und Redlichkeit aberkannt. Entgegen der Tradition und den damit verbundenen Konventionen präsentiert eine vielfältige Gruppe eine Alternative, falls der risikoreiche, von einem Investor dominierte ‹Plan B› scheitert. Dabei ist die Initiative nichts anderes, als die Vorbereitung für eine Lösung nach dem Absturz. Denn, wenn der ‹Plan B› scheitert – dann ist nichts. ‹Unser Stadion› wird als Störmanöver hingestellt, dem scheinbar jegliche Grundlage fehlt. Wieso? Weil die Initianten für einmal nicht Männer in blauen Anzügen sind. Es gibt also eine gewisse Kaste, die sich mit Stadionprojekten beschäftigen darf und die Deutungshoheit und den Sachverstand dazu hat. Nicht jedoch die Initianten, welche aus dem Management, dem Entwicklungs-, Gesundheits- und Rechtswesen, der Umweltwissenschaft und der Stadtentwicklung stammen.

Das erstaunt deshalb, weil es in der Stadiongeschichte viele Foulspiele, Schwalben und Haken gab. Einige Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit:

Die HRS machte eine Einsprache gegen ihr eigenes Projekt. Es werden mehr Parkplätze gefordert. Die HRS baut erst, wenn ein Investor gefunden wird. Sie wird drohen, dass ohne Parkplätze kein Investor gefunden und somit kein Stadion gebaut wird. Und wie das Amen in der Kirche wird die Fussballwelt schreien: ohne Stadion kein Spitzenfussball. Wieder wird gefordert und erpresst. Der Stadtrat gerät unter grossen Druck. Anfang Juli wurde ein Bild mit vier Stadträten publiziert. Launig und stolz standen sie da, in der Hand ein Fussballtrikot, mit ihrem Namen und dem HRS-Logo. Damit hat der Stadtrat seine Unabhängigkeit verspielt und sich ein Governance-Problem eingehandelt. Es ist zu erwarten, dass HRS nach einem positiven Volksentscheid mit jedem weiteren Schritt das Projekt ausmergeln wird, für die HRS besteht keine Baupflicht.

Hanspeter Hilfiker wurde aus Facebook zitiert: ‹Die Variante Obermatte bedeutet: Zubetonierung von Grünflächen …› Das ist deshalb irritierend, weil gemäss der Investitionsplanung der Stadt Aarau in der Obermatte schon eine Tennis- und Basketballhalle sowie eine Dreifachturnhalle geplant sind.

Der Standort ‹Obermatte› liegt in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen, gilt als lärmbelasteter Standort und ist gut erschliessbar. Ideal für ein Stadion. Es ist klar, dass eine Richtplanpflicht besteht. Gemäss der Gewässerkarte befindet sich das Grundstück nicht in der Gewässerschutzzone.

Die Initiative bietet eine ehrliche Alternative zum ‹Plan B› und ist keine weitere Gefahr für diesen. Wenn das Torfeld Süd an der Urne gutgeheissen wird, alle Einsprachen beseitigt sind und die HRS einen Investor gefunden hat, kann gebaut werden. Falls jedoch dieser Plan scheitert, dann bietet ‹Unser Stadion› einen ‹Plan C› nach Plan B. Kein Foulspiel – sondern ein Anspiel! Und übrigens: Wie Stadtrat Thür sagt, wird im Torfeld Süd frühestens in drei Jahren gebaut. Nutzen wir den Platz für eine Zwischennutzung.

Die unendliche Geschichte des Aarauer Stadions