Aarau
Breite Unterstützung: Aarauer Stadion-Befürworter lancieren ihre Abstimmungskampagne

Die Gegner haben längst grosse Geschütze aufgefahren. Nun starten auch die Befürworter des Fussballstadions und der Hochhäuser im Aarauer Torfeld Süd ihre Abstimmungskampagne.

Nadja Rohner, Sebastian Wendel
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Vertreter des Co-Präsidiums (v.l): Ueli Hertig (Präsident Pro Aarau, Architekt), Martina Schwaller (FC Aarau Frauen), Ruedi Vogt und Peter Zubler (Verwaltungsräte FC Aarau AG, Initianten), Salomé Ruckstuhl, Einwohnerrätin SP Aarau.

Vertreter des Co-Präsidiums (v.l): Ueli Hertig (Präsident Pro Aarau, Architekt), Martina Schwaller (FC Aarau Frauen), Ruedi Vogt und Peter Zubler (Verwaltungsräte FC Aarau AG, Initianten), Salomé Ruckstuhl, Einwohnerrätin SP Aarau.

Alex Spichale

68 Tage noch bis zum 24. November. Dann soll in Aarau über das neue Stadion Torfeld Süd abgestimmt werden. Konkret: über die Teilrevision der Nutzungsplanung – notwendig für die geplanten vier Hochhäuser – und über den 17-Millionen-Franken-Kredit der Stadt für das Miteigentum am Stadion. Die Stadion- respektive die Hochhaus-Gegner haben längst grosse Geschütze aufgefahren.

Nun treten auch die Befürworter auf den Platz. Am Montag lancierte das Komitee «Unser Torfeld» seine Abstimmungskampagne. Die Website ist online und die ersten Abstimmungs-Plakate hängen an der Bauwand im Torfeld Süd.

Das Co-Präsidium teilen sich «25 Persönlichkeiten aus Sport, Politik und Kultur», heisst es in einer Medienmitteilung. «Dutzende Weitere» seien im Komitee aktiv. Ziel sei, «die Aarauer Bevölkerung transparent und umfassend über das geplante neue Stadtquartier mit Stadion und Wohnungen für alle Bevölkerungsschichten zu informieren und von der Qualität des Projekts zu überzeugen». Präsidium respektive Vizepräsidium bilden die FCA-Verwaltungsräte Ruedi Vogt und Peter Zubler. Sie haben auch das Komitee initiiert.

So soll das Areal zwischen einem Hochhaus (l.) und dem Stadion aussehen. Es ist etwa so breit wie der «Graben».
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Vertreter des Co-Präsidiums (v.l): Ueli Hertig (Präsident Pro Aarau, Architekt), Martina Schwaller (FC Aarau Frauen), Ruedi Vogt und Peter Zubler (Verwaltungsräte FC Aarau AG, Initianten), Salomé Ruckstuhl, Einwohnerrätin SP Aarau.
FCA-Sportchef Sandro Burki, Michael Hunziker und Alfred Schmid (v.l.) an der Medienkonferenz zum Kampagnenstart.
Vertreter des Co-Präsidiums (v.l): Ueli Hertig (Präsident Pro Aarau, Architekt), Martina Schwaller (FC Aarau Frauen), Ruedi Vogt und Peter Zubler (Verwaltungsräte FC Aarau AG, Initianten), Salomé Ruckstuhl, Einwohnerrätin SP Aarau.
Ruedi Vogt (Verwaltungsrat FC Aarau AG, Initiant) an der Medienkonferenz zum Kampagnenstart.
Peter Zubler (Verwaltungsrat FC Aarau AG, Initiant) an der Medienkonferenz zum Kampagnenstart.
Ruedi Vogt und Peter Zubler (Verwaltungsräte FC Aarau AG, Initianten)
Roland Perrelet ist verantwortlich für die Werbekampagne
Martina Schwaller. Spielerin der FC Aarau Frauen.
Vertreter des Co-Präsidiums (v.l): Ueli Hertig (Präsident Pro Aarau, Architekt), Martina Schwaller (FC Aarau Frauen), Ruedi Vogt und Peter Zubler (Verwaltungsräte FC Aarau AG, Initianten), Salomé Ruckstuhl, Einwohnerrätin SP Aarau.
Salomé Ruckstuhl, Einwohnerrätin SP Aarau.
Architekt Ueli Hertig an der Medienkonferenz zum Kampagnenstart.
Martina Schwaller (FC Aarau Frauen), Ruedi Vogt (Verwaltungsrat FC Aarau AG, Initiant)
Vertreter des Co-Präsidiums (v.l): Ueli Hertig (Präsident Pro Aarau, Architekt), Martina Schwaller (FC Aarau Frauen), Ruedi Vogt und Peter Zubler (Verwaltungsräte FC Aarau AG, Initianten), Salomé Ruckstuhl, Einwohnerrätin SP Aarau.
Peter Zubler (Verwaltungsrat FC Aarau AG, Initiant) an der Medienkonferenz zum Kampagnenstart. Peter Zubler, Initiant, an der Medienkonferenz zur Stadion-Abstimmung unsertorfeld.ch, Aarau, 16. September 2019.
Ruedi Vogt (Verwaltungsrat FC Aarau AG, Initiant) an der Medienkonferenz zum Kampagnenstart.
So sieht es beim Torfeld Süd nun aus.
So sieht es beim Torfeld Süd nun aus.
MK Stadion-Abstimmung unsertorfeld.ch
So sieht es beim Torfeld Süd nun aus.

So soll das Areal zwischen einem Hochhaus (l.) und dem Stadion aussehen. Es ist etwa so breit wie der «Graben».

Zur Verfügung gestellt

«Projekt ist so überzeugend, dass es breite Unterstützung geniesst»

«Dem Komitee ist bewusst, dass Aarau gespalten ist. Es ist aber der Meinung, die besseren Argumente zu haben als die Gegner», sagte Jürgen Sahli, der durch die gestrige Medienkonferenz führte. Ruedi Vogt betonte, man wolle ungefähr 1000 Personen dazu bewegen, sich dem Pro-Komitee anzuschliessen. «Das Projekt ist so überzeugend, dass es breite Unterstützung geniesst.»

Kopie von Aarauer Stadionprojekt mit Hochhäusern (Plan B)
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Um das Stadion im Torfeld (Platz für 10'000 Besucher) sollen vier unterschiedlich hohe Wohntürme gebaut werden.
Die Einnahmen aus den vier geplanten Hochhäusern sollen das Stadion mitfinanzieren.
Modell-Ansicht: Das Stadion mit den vier Hochhäusern (von Südosten her gesehen).
Die Modell-Ansicht von der Echolinde aus zeigt, wie sich die Silhouetten der vier geplanten Hochhäuser (rechte Bildhälfte) im Stadtbild machen würden. Am linken Bildrand ist das Telli-Hochhaus zu sehen (80 Meter hoch), rechts davon das AEW-Hochhaus (60 Meter hoch).
Bauherrin des Stadions ist die HRS.
Visualisierung: So soll es beim neuen Aarauer Stadion aussehen.
Der Verein "Unser Stadion" ist gegen das Projekt im Torfeld Süd: Er favorisiert für das neue Aarauer Fussballstadion den Standort Obermatte in Buchs.
Ende August 2019 sagte der Einwohnerrat Aarau Ja zu zwei Stadion-Vorlagen. Im November stimmt das Aarauer Volk ab. Im Bild: Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker (M. FDP) und Stadrätin Suzanne Marclay (FDP) während der Debatte im Einwohnerrat.
Vor der Debatte: Alfred Schmid (l.), aktueller Präsident des FC Aarau, und Philipp Bonorand, sein Nachfolger im Spalier der FCA Junioren vor dem Parlamentsgebäude. aufgenommen vor der Stadion Debatte des Einwohnerrat Aarau am 26. August 2019. "mein stadion, mein quartier, unsertorfeld.ch"
Vorderhand trägt der FC Aarau seine Spiele weiterhin im Stadion Brügglifeld aus. (Bild vom Match zwischen dem FC Aarau und dem FC Basel 1893 am 15. Mai 2014.)
25. Juli 2019: Das Stadion Brügglifeld hat eine neue Bestuhlung auf der Sitzplatz-Tribüne erhalten.

Kopie von Aarauer Stadionprojekt mit Hochhäusern (Plan B)

Zur Verfügung gestellt

Einwohnerrätin Salomé Ruckstuhl (SP) ging auf das Finanzierungskonstrukt ein und sagte, die Bauherrin HRS stelle sicher, dass Aarau endlich ein neues Stadion bekomme: «Wir sind der viertgrösste Kanton, Spitzenfussball muss bei uns möglich sein.» Eine Beurteilung aus städtebaulicher Sicht nahm Architekt Ueli Hertig (Präsident Pro Aarau) vor: «Für Aarau ergibt sich hier die Chance für kontrolliertes Wachstum am richtigen Ort, ohne Konkurrenz zur Innenstadt.» Das geplante Quartier sei «attraktiv und urban».

Peter Zubler beleuchtete den Sicherheitsaspekt: «Das Brügglifeld gilt zu Recht als Kultstadion», sagte er. Die Infrastruktur sei aber veraltet, die Fanmärsche zu lange, «die Parkiersituation für Anwohner eine Zumutung» und die Erreichbarkeit für Rettungsorganisationen nicht optimal. Im Torfeld Süd finde man für alles bessere Rahmenbedingungen.

Das sind die wichtigsten Player

Neben FC Aarau, Stadt und Bauherrin HRS spielen folgende Organisationen beim Abstimmungskampf mit:

Befürworter

«Meinstadion.ch»: Die GmbH um Michael Hunziker (Präsident), Stéphane Meyer und René Herzog trat im November 2017 an die Öffentlichkeit. Ihr Ziel war, mit Hilfe von Crowdfunding Geld für das neue Stadion zu sammeln. 2 Mio. Franken sind zusammengekommen, die Aktion ist abgeschlossen. Derzeit ist die Vereinigung nicht gross aktiv, ihre Exponenten machen aber bei «Unser Torfeld» mit.

«Unser Torfeld»: Das Komitee ist vor der Einwohnerratssitzung am 26. August erstmals in Erscheinung getreten und hat gestern die Pro-Abstimmungskampagne lanciert.

Gegner

«Unser Stadion»: Der Verein unter dem Co-Präsidium von Lelia Hunziker und Stephan Müller hat Mitte August eine Volksinitiative lanciert. Diese verlangt, dass die Stadt ein Stadion baut, aber aus eigenen Mitteln und auf öffentlichem Grund – zum Beispiel auf der Buchser Obermatte. Über 650 Unterschriften sind mittlerweile beisammen, für ein Zustandekommen der Initiative braucht es 1444.

«Verein Torfeld Süd»: Der Verein betont, zwar für ein Stadion zu sein, aber «gegen ein Hochhaus-Ghetto». Deshalb hat der Verein (Präsident: Albert Rüetschi) gegen den Gestaltungsplan «Torfeld Süd» eine Sammeleinsprache mit 157 Unterschriften eingereicht. (nro)

Und schliesslich kam auch Martina Schwaller von den FC-Aarau-Frauen zu Wort: Das neue Stadion solle auch für die Frauen und die Junioren «ein neues Daheim» sein, auf dem Kunstrasen sollen wenn möglich auch Trainings stattfinden. «Nicht einmal in grossen Schweizer Vereinen dürfen die Frauen in den Stadien spielen. Aarau könnte hier mit gutem Vorbild vorangehen – mit dem ersten Stadion, in dem Frauen und Männer gleichberechtigt sind.»

Das Abstimmungsdatum ist noch immer unklar

Die Kampagne wird umfassend geführt, das Büro «Baldinger & Baldinger» zeichnet sich verantwortlich dafür. Es wurde kein Aufwand gescheut: Im Vorfeld gab das Komitee beim Institut gfs.bern eine Studie in Auftrag, in der unter anderem mittels einer Fokusgruppen-Diskussion die zentralen Fragen und Konflikte rund ums Torfeld Süd erhoben wurden. So konnte die Kampagne optimiert werden.

Es gibt aber einen Haken: Noch ist nicht sicher, ob die Abstimmung wirklich am 24. November stattfindet wie vorgesehen. Es ist noch ein Bundesgerichturteil zur Revision der Bau- und Nutzungsordnung ausstehend. Kommt das nicht innert etwa zwei Wochen, wird die Abstimmung erst im Februar stattfinden können. Entsprechend muss das Komitee bei seiner Terminplanung flexibel bleiben. «Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass der November-Termin eingehalten werden kann», so Ruedi Vogt. «Falls nicht, werden wir alles daran setzen, das Feuer auch über Weihnachten und Neujahr am Brennen zu halten.»

Das Komitee ist aufgeteilt in ein Co-Präsidium, eine Kerngruppe und Mitglieder, die mit ihrem Namen Unterstützung für «unsertorfeld.ch» demonstrieren. Seit Menschengedenken hat es keine Abstimmung mehr gegeben, die eine solche Ansammlung an (Lokal-)Prominenz auf den Plan rief. Mit im Boot sind Präsidenten und Sportler zahlreicher Aarauer Vereine, ausserdem FC Aarau-Spieler, namhafte Architekten, aktive und ehemalige Einwohnerräte fast aller Parteien und Vertreter der Fan-Organisationen.

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