Was haben die Regierungsratswahlen für Auswirkungen auf die eidgenössischen Wahlen? Erhöhen sie die Chancen von aussichtsreichen Kandidaten aus der AZ-Region Aargau West? Ober wirken sie störend? Werden allenfalls aussichtsreiche Kandidatinnen oder Kandidaten nicht gewählt, weil Franziska Roth (ehemals SVP) vor den Sommerferien das Handtuch geworfen hat?

Die Ausgangslage: In der AZ-Region Aargau West wohnen zwar mehr als ein Viertel der Kantonsbevölkerung. Aber die Region stellte bisher nur 3 von 16 Nationalräten, war mit
Corina Eichenberger (FDP, Kölliken), Sylvia Flückiger (SVP, Schöftland) und Beat Flach (GLP, Auenstein) zahlenmässig deutlich untervertreten. Immerhin stammte mit Philipp Müller (FDP, Meisterschwanden) einer der beiden Ständeräte aus dem Westen. Die Chancen, dass er aus der Region ersetzt werden kann, sind minim – es sei denn, es würden für den 2. Wahlgang aussichtsreiche neue Kandi-daten nominiert.

Von den drei bisherigen Nationalräten treten Corina Eichenberger und Sylvia Flückiger nicht mehr an. Bevor für den 20. Oktober auch Regierungsratswahlen angesetzt waren, galt als relativ wahrscheinlich, dass bei der FDP Maja Riniker (Suhr) als Nachfolgerin von Corina Eichenberger gewählt wird. Sie hatte es vor vier Jahren auf den zweiten Ersatzplatz geschafft und ist jetzt auf dem dritten Listenplatz (hinter den Bisherigen).

Gleich ist die Ausgangslage bei der SVP für Bio-Bauer Alois Huber (Möriken-Wildegg): zweiter Ersatz, erster Listenplatz hinter den Bisherigen. Und bei der SP steht Kantonalpräsidentin Gabriela Suter (Aarau) auf dem dritten Listenplatz – direkt hinter den zwei amtierenden Nationalräten. Ohne Effekt der Regierungsratswahlen würde sie es nur schaffen, wenn ein Bisheriger abgewählt, es Cédric Wermuth (Zofingen) in den Ständerat schaffen oder die SP einen dritten Sitz gewinnen würde.

Die drei aussichtsreichstenRegierungsratskandidaten Yvonne Feri (SP), Jeanine Glarner (FDP) und Jean-Pierre Gallati (SVP) bewerben sich alle auch für einen Nationalratssitz. Sicher ist, dass ihre Kampagnen für den Regierungsrat ihre Wahlchancen
für Bern erhöhen werden – und Nebenwirkungen haben. Eine Regierungsrätin Feri wäre gut für eine mögliche Nationalrätin Suter. Aber eventuell schlecht für eine mögliche Nationalrätin Riniker, weil diese allenfalls von Jeanine Glarner überholt würde. Sollte Gallati nicht nach Aarau geschickt werden, dürfte er es ins eidgenössische Parlament schaffen und darum zum starken Konkurrenten von Huber werden.

Unter den Ständeratskandidaten gilt der Freisinnige Thierry Burkart als am aussichtsreichsten. Wird er gewählt, werden zwei FDP-Sitze frei – sofern die Partei kein Mandat verliert. Das könnte die Chance für Kantonalpräsident Lukas Pfisterer (Aarau) oder Fraktionschefin Sabina Freiermuth (Zofingen) sein.

Bei den Grünliberalen scheint die Wiederwahl von Beat Flach gesichert. Ob der Partei die Diskussion über den Klimawandel und die Listenverbindung mit der CVP zu einem zweiten Mandat verhelfen werden? In aussichtsreicher Position wären Fraktionschefin Barbara Portmann (Lenzburg) oder Pro-Natura-Präsident Matthias Betsche (Möriken-Wildegg).

Nach wie vor schwer einzuschätzen sind Wahlchancen bei der SVP: Die drei wiederkandidierenden Bisherigen Thomas Burgherr (Wiliberg), Andreas Glarner (Oberwil-Lieli) und Hansjörg Knecht (Leibstadt) dürften die Wahl wieder schaffen. Knecht hofft zudem auf
einen Wechsel in den Ständerat. In diesem Fall wären bis zu fünf Sitze neu zu vergeben – wohl aber eher drei, weil die SVP ein Mandat zu verlieren droht und eines an Maximilian Reimann
(Team65+) übergehen dürfte.

In der besten Ausgangslage für die restlichen drei Mandate sind Gallati und Huber. Gute Chancen haben dürfte auch jemand aus dem Bezirk Zofingen (Mar-tina Bircher oder Benjamin Giezendanner). So gesehen, kann sich Clemens Hochreuter (Erlinsbach) keine allzu grossen Hoffnungen machen. Doch wer weiss, wie der Wahlkampf noch verlaufen wird, was er noch für Überraschungen parat hat.

Das Fazit aus Sicht der Region Aargau West zwei Monate vor den Wahlen: Die Nationalratssitze von Corina Eichenberger und Sylvia Flückiger sollten am 20. Oktober zu verteidigen sein. Ob es am Super-Wahlsonntag für mehr reicht? Dazu wäre etwas Glück – und allenfalls Rückenwind von der Regierungsratswahl – nötig. In den Polepositionen sind Maja Riniker, Gabriela Suter und Alois Huber. Aussenseiterchancen haben Lukas Pfisterer, Clemens Hochreuter und allenfalls Barbara Portmann.