Aarau
Dank Biodiversität: Im Suhrer Galegge-Hof wachsen Orchideen

Thomas Baumann, Pächter des Galegge-Bio-Hofs in Suhr, macht beim Landwirtschaftsprogramm Labiola mit. Durch Biodiversität kehren immer mehr Tiere und Pflanzen zurück – sogar Orchideen.

Sibylle Haltiner
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Tag der offenen Tür Galegge-Hof Suhr
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Thomas Baumann ist seit 26 Jahren Pächter auf der Galegge und betreibt den Hof nach Bio-Richtlinien.
Eine Buntbrache liegt im Ackerland und wertet die Landschaft auch für die Menschen, die in der Umgebung leben, auf.
Die Ziegen kommen am Morgen und am Abend zum Melken in den Stall, den Rest des Tages verbringen sie auf der Weide.
Thomas Baumann präsentiert Ziegenkäse, der auf dem Galegge-Hof produziert wird.
Tagsüber dürfen die Hühner auf dem Galegge-Hof frei herumlaufen.
Im Selbstbedienungs-Hofladen werden die Produkte des Hofs verkauft.
Beim Rundgang gab es Informationen über Biodiversität und andere landwirtschaftliche Themen.

Tag der offenen Tür Galegge-Hof Suhr

Pascal Meier

Buntbrachen, Hecken, Hochstammbäume und Magerwiesen gehören zu Labiola. Was nach Handcreme oder Babybrei tönt, ist ein landwirtschaftliches Förderprogramm des Kantons, das die Biodiversität und Landschaftsqualität fördert und sich aus den Begriffen Landwirtschaft, Biodiversität und Landschaft zusammensetzt.

Bereits seit 25 Jahren besteht Labiola, und das Jubiläum wird mit verschiedenen Anlässen gefeiert, unter anderem mit einem Tag des offenen Labiola-Bauernhofs auf der Galegge in Suhr. Auf einem Hofrundgang erfuhren die Besucher am Sonntagmorgen, was eine Buntbracht ist und welche Aufgabe diesem farbigen, wild wachsenden Streifen zwischen Wiesen und Äckern zukommt.

Betrieb hat 471 Obstbäume

Der Galegge-Hof liegt mitten in Suhr. Thomas Baumann ist seit 26 Jahren Pächter und betreibt den Hof, der einer Stiftung gehört, in einer Betriebsgemeinschaft nach Biosuisse-Richtlinien. Die hergestellten Produkte werden vorwiegend im Hofladen verkauft. Von den 35 Hektaren Land sind etwa 70 Prozent Magerwiesen, Hecken oder Buntbrachen. Dazu kommen 471 Hochstamm-Obstbäume. «In der Agglomeration kann man nicht nur Nahrungsmittel produzieren, wir müssen auch dafür sorgen, dass die Landschaft für die Menschen attraktiv ist», sagt Baumann.

Für das Labiola-Programm schliesst der Kanton mit den Bewirtschaftern Verträge ab und vergütet die spezielle Nutzung der Flächen. «Neben den Produkten, welche wir Bauern herstellen, ist dies für uns eine zusätzliche Einnahmequelle», erklärt der Galegge-Pächter.

Produktions- und Ausgleichsflächen seien beide wichtig für eine intakte Landwirtschaft. «Die Labiola-Flächen verursachen jedoch nicht weniger Arbeit als ein landwirtschaftlich genutztes Feld», erklärt Thomas Baumann. Hecken müssen regelmässig zurückgeschnitten, Magerwiesen zweimal im Jahr geschnitten werden. Allerdings erst, wenn die Blumen abgesamt haben. Buntbrachen werden zwischen den Äckern angesät, wobei eine spezielle Samenmischung verwendet wird, die zum Beispiel Kornblumen und Klatschmohn enthält. «In den Brachen verursacht vor allem die Unkrautkontrolle viel Arbeit, zum Beispiel müssen Placken ausgestochen werden», sagt Thomas Baumann.

Viele Tiere zurückgekommen

Die Labiola-Flächen fördern die Biodiversität der Landschaft, also die Ansiedlung verschiedener Tier- und Pflanzenarten. «Von den neun Bauernhöfen in Suhr beteiligen sich sechs am Labiola-Projekt», erzählt Baumann. «Heckenvögel wie der Neuntöter oder der Goldammer, die es hier lange Zeit nicht mehr gegeben hat, sind nun wieder zurück.» Auch der Schachbrettfalter, die Kreuzkröte, Wiesensalbei und sogar Orchideen findet man in Suhr wieder.

Wichtig für Baumann ist allerdings auch, dass sich die Menschen wohl fühlen in der Natur und dadurch einen besseren Bezug zur Landwirtschaft aufbauen können. Auf der Galegge sieht man noch Schweine auf der Weide, die Hühner spazieren gerne durch das anliegende Wohnquartier.

«Und bei den Ausgleichsflächen erlebt man die Natur auch mit der Nase und den Ohren», erklärt Baumann. «Da zirpen die Grillen, die Kreuzkröte ruft und man riecht den Thymian. Das macht Menschen zufrieden.»

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