Aarau

Das Betreibungsamt versteigert ein Haus – Schuldner ist ein Architekt mit Vorgeschichte

Dieses Haus, das in zweiter Reihe am Gönhardweg steht, soll versteigert werden. Schätzwert 1,25 Mio. Franken.

Dieses Haus, das in zweiter Reihe am Gönhardweg steht, soll versteigert werden. Schätzwert 1,25 Mio. Franken.

Das betroffene Haus ist ein Neubau, der offensichtlich noch nie bewohnt wurde. Das Betreibungsamt hofft auf 1,25 Millionen Franken Erlös. Der Schuldner lieferte schon wegen eines Hochhauses Gesprächsstoff.

«Betreibungsamtliche Grundstücksteigerung.» Unter diesem Titel in einem Inserat genannt zu werden, ist höchst unangenehm. Denn «Betreibungsamtliche Grundstücksteigerung» sagt etwas aus über die finanzielle Lage des Betroffenen aus. Diese ist sicher schwierig. Wie schwierig, ist im konkreten Fall nicht klar, weil die AZ den Betroffenen gestern nicht erreichen konnte. Fest steht: Das Betreibungsamt Buchs will am 11. September eine Liegenschaft von Angelo Labate versteigern (Inserat in der AZ von gestern, Seite 30). Ein seit fast zehn Jahren leerstehender Neubau.

Nationalrat Martin Bäumle hatte seinetwegen schon Kummer

Das Einfamilienhaus hat eine Vorgeschichte – der Besitzer auch. Der 51-jährige Angelo Labate wohnt in Aarau und ist Firmeninhaber. Ihm gehören mehrere Unternehmen im Immobilien-, Planer- und Baubereich in Aarau: «Bax Group» (früher Emil Huggler Immobilien AG), «Bax Holding», «Vaestas Real Estate GmbH», «Labate Architekten» sowie «K-Werkstatt Baumanagement» und «K-Werkstatt Projektmanagement AG».

Die beiden «K-Werkstatt»-Unternehmen standen schon mal wegen Betreibungen im medialen Scheinwerferlicht. Das war vor etwa acht Jahren, als Labate auf dem in seinem Besitz stehenden Giessen-Areal in Dübendorf eine Überbauung samt 114 Meter hohem Hochhaus plante. Die Bevölkerung lehnte den stark kritisierten Gestaltungsplan an der Urne ab. Im Zuge des Abstimmungskampfs hatte GLP-Nationalrat Martin Bäumle in seiner Funktion als Dübendorfer Finanzstadtrat einem Journalisten Betreibungsregisterauszüge zukommen lassen.

Darin war ersichtlich, dass gegen Labates zwei «K-Werkstatt»-Firmen fast 80 Betreibungen vorlagen, mit einer Summe von über acht Millionen Franken (wobei laut «Tages-Anzeiger» fast sieben Millionen auf eine einzelne, offenbar gerichtlich für unrechtmässig erklärte Forderung zurückgingen). Bäumle wurde für die Weitergabe der Unterlagen erstinstanzlich wegen Amtsgeheimnisverletzung verurteilt, vom Obergericht dann aber freigesprochen.

Dass Labate private finanzielle Probleme hat oder in einen Finanz-Streit verwickelt ist, war bis zur gestrigen Publikation des Inserates nicht bekannt. Im Inserat steht: «Die Verwertung erfolgt infolge Stellung des Verwertungsbegehrens durch die Pfändungsgläubiger.» Oder anders gesagt: Es gibt mehrere Gläubiger, von denen mindestens einer den Verkauf des Hauses gefordert hat. Üblicherweise ist es eine Bank, die dieses Begehren stellt. Wie es sich im konkreten Fall verhält, ist nicht bekannt.

Am Montag stellt das Betreibungsamt das Lastenverzeichnis ins Internet. Am 21. August findet eine Besichtigung des Hauses statt. Die Steigerung soll dann am 11. September durchgeführt werden. Es sei denn, der Schuldner stoppt sie noch vorher. Etwa, indem er die Schulden begleicht. Die betreibungsamtliche Schätzung der Liegenschaft beläuft sich auf 1,25 Millionen Franken.

Viele Häuser dieser Siedlung standen lange leer

Die Überbauung wurde von 2008 bis 2010 auf der «Huggler»-Wiese, einer der letzten Baulandreserven im Gönhard-Quartier, errichtet. Unweit des Waldes, des Brügglifeldes, der Keba. Bauherrschaft: Labate Architekten AG und K-Werkstatt. Die 13 Einfamilienhäuser waren kein Kassenschlager. Die AZ berichtete im Februar 2011, dass nun schon die vierte Immobilienfirma mit der Vermarktung habe betraut werden müssen.

Die Preise, ursprünglich von einer Million an aufwärts für ein Haus, wurden auf 855 000 bis 985 000 Franken gesenkt. Mit ein Grund gewesen sein dürfte die Tatsache, dass die Häuser rot-grün/gelb gestreift waren, was weit über die Quartiergrenzen hinaus für Gesprächsstoff sorgte. Auf Anraten der Stadtbildkommission wurde die gelbe Farbe durch eine grau-beige ersetzt.

Eines dieser Häuser gehört Angelo Labate. Es soll nun versteigert werden. Das dreigeschossige, in den Hang gebaute Gebäude hat 139 Quadratmeter Wohnfläche und eine Gartenanlage von 469 Quadratmetern. Es ist klar zu sehen, dass hier noch nie jemand gewohnt hat. Im Vergleich zur gepflegten Nachbarschaft wirkt das nicht fertig ausgebaute Haus, an dessen Fenstern noch immer das Etikett des Herstellers klebt, verwahrlost. Im Garten wuchert Unkraut.

Meistgesehen

Artboard 1