Muhen

Der Jüngste übernimmt: Der 40-jährige Dieter Studer-Joho wird Präsident der SP Muhen

Dieter Studer mit seiner Vorgängerin Cornelia Wüthrich, der ehemaligen Frau Gemeindeammann.

Dieter Studer mit seiner Vorgängerin Cornelia Wüthrich, der ehemaligen Frau Gemeindeammann.

Für den Erfolg brauchts neue, junge Köpfe. In der Leitung der SP Muhen wurde nun ein Anfang gemacht: Der erst 40-jährige Dieter Studer-Joho übernimmt den Posten von Cornelia Wüthrich, die das Amt zehn Jahre lang innehatte.

Sein Alter ist gleichzeitig Parteiprogramm: Dieter Studer-Joho ist 40 Jahre alt und frischgebackener Präsident der SP Muhen. Cornelia Wüthrich (63), die das Amt zehn Jahre lang innehatte, gab den Stab wegen Wegzugs nach Unterentfelden an den dreifachen Vater weiter. Und damit an das jüngste Mitglied der Ortspartei.

Ein Müheler, der in seine alte Heimat zurückkehrte

Das soll sich ändern, hat sich Studer-Joho vorgenommen. Sein Alter soll eher Durchschnittsalter sein denn Ausnahme. «Ich möchte auch Personen zur SP holen, die eine Generation jünger sind als ich. Ich weiss, dass es Leute in Muhen für unsere Sache zu gewinnen gibt», sagt er beim Treffen am symbolisch gewählten Begegnungsplatz hinter dem neuen Kindergarten. Der neue Präsident, der in Muhen aufgewachsen ist und nach einer Lebenskurve in Aarau seit zweieinhalb Jahren wieder hier wohnt, steckt sich damit hohe Ziele.

Zwar: Um Worte der Überzeugung von potenziellen Genossen sollte er nicht verlegen sein. Nicht nur ist die Sprache sein Beruf (er ist Leiter Phonogrammarchiv am Institut für Computerlinguistik der Universität Zürich), die Aargauer Mundart ist zudem sein Steckenpferd.

Zusammen mit Sprachwissenschafter-Kollege Matthias Friedli ist er derzeit daran, Jakob Hunzikers «Aargauer Wörterbuch in der Lautform der Leerauer Mundart» aus dem Jahr 1877 zu digitalisieren. Einsetzen will er seinen Elan unter anderem an öfter stattfindenden Parteitreffen. Einmal pro Monat kommt die Ortspartei neu zusammen, eine Idee, die intern gut aufgenommen worden sei. Gerne, so sagt er, würde er Visionen umsetzen, die bereits von Parteimitgliedern entwickelt worden seien. Sei es, Kulturevents zu initiieren, Möglichkeiten für ambitionierte Bastlerinnen und Werker zu schaffen oder eine Übersicht von bestehenden Freizeitangeboten zu gestalten.

Für eine lebendige Dorfgemeinschaft

Die effizienteste Methode, um die SP bei den 3900 Einwohnern Muhens, besonders jenen der jüngeren Generation, ins Gespräch zu bringen, sind die sozialen Medien. «Engagieren Sie sich mit uns für eine Dorfgemeinschaft mit kultureller und politischer Lebendigkeit! Wir suchen Mitmühelerinnen und Mitmüheler, die sich für Dorf- und Gesellschaftspolitik interessieren», lautet ein Tweet der SP Muhen von Ende März. Jetzt heisst es für den neuen Präsidenten, dranzubleiben und nicht ins Loch der Twitter-Lethargie zu fallen.

Der Mangel an Jungen ist aber nicht das einzige Problem der SP Muhen. Im Dorf, das als SVP-Hochburg bekannt ist, bilden die 15 SP-Mitglieder einen roten Farbtupfer, der sich gegen die etablierte SVP und ihre Sympathisanten behaupten muss. Cornelia Wüthrich, die insgesamt zwölf Jahre im Gemeinderat war, musste dies am eigenen Leib erfahren. Zwar wurde sie als SP-Gemeinderätin zum Ammann gewählt, doch nach nur einer Amtszeit sah sie kaum eine Chance auf Wiederwahl, da die SVP den Sitz zurückzuerobern wollte. Statt eine Niederlage einstecken zu müssen, verzichtete sie, nochmals anzutreten. Aktuell hat die SP gar keine Vertretung im Gemeinderat, bei den letzten Wahlen unterstützte sie den heutigen Bildungsvorstand Hans Peter Brunner.

Die SP Muhen möchte zweifellos wieder in den Gemeinderat oder zumindest in die Finanzkommission, aber die heute in der Partei vertretenen Mitglieder hätten fast alle bereits ein Amt innegehabt und dieses bereits abgegeben, sagt Wüthrich. Und ihr Nachfolger nickt: «Wir müssen uns stärker darum bemühen, unsere Sympathisanten zu fassen.» Im Dorf sei durchaus soziales Gedankengut vertreten, jedoch vermehrt in Form von jenen Bewohnern, die in Muhen lediglich übernachten.

Erst 2025 wieder ein Gemeinderat?

Weil also erst neue Mitglieder gewonnen werden müssen, so der Präsident, seien die Gemeinderatswahlen 2021 vielleicht ein zu ambitioniertes Ziel. Einen Genossen für die Finanzkommission zu finden, sei da schon realistischer. «Und bis 2025 bauen wir Kandidatinnen und Kandidaten für die Gemeinderatswahlen auf.»

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