Buchs
Der Kehricht-Ofen kostet 28 Millionen weniger

Die KVA-Abgeordneten haben die erfreuliche Abrechnung für die neue Ofenlinie und alle Geschäfte einstimmig genehmigt.

Hans Lüthi
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Für 30 Jahre als Präsident erhält Guido Fischer (links) von Fritz Wenzinger, Präsident der Bau- und Betriebskommission in der KVA Buchs, eine Kiste Wein. Hans Lüthi

Für 30 Jahre als Präsident erhält Guido Fischer (links) von Fritz Wenzinger, Präsident der Bau- und Betriebskommission in der KVA Buchs, eine Kiste Wein. Hans Lüthi

Hans Lüthi

So grosse und positive Überraschungen erleben die Abgeordneten des Kehrichtverbandes Aarau-Lenzburg und oberes Fricktal selten. Wegen der Fussball-WM waren die Reihen zwar gelichtet und von den 83 Gemeinden nur 31 vertreten. Aber diese brachten es im Tagungsort Dottikon auf 95 der total 170 Stimmen. Obwohl der Verband technisch und finanziell ausgezeichnet dasteht, laufen Gespräche mit zwei grossen Konkurrenten. Weil sich Überkapazitäten und andere Probleme abzeichnen, «prüfen wir mit der KVA Turgi und der KVA Dietikon alle Möglichkeiten einer mittelfristigen Zusammenarbeit», sagte Verbandspräsident Guido Fischer. Was daraus werde, sei aber noch völlig offen.

Käufermarkt bei der Vergabe

Die neue Ofenlinie unter dem Titel KVA 2010 war ein gigantisches Bauprojekt, vieles im Innern der KVA Buchs wurde komplett erneuert. Immer mit dem jetzt erreichten Ziel, mehr Strom und Wärme zu produzieren und den Umweltschutz zu verbessern. Vor zwei Jahren wurde der im Innern vollzogene Neubau eingeweiht, jetzt liegt die Schlussabrechnung da. Statt des bewilligten Kredits von 120 Millionen kostete alles nur 92 Millionen Franken. Primär die Planung bei steigenden Preisen und die Vergabe der Aufträge bei sinkenden Preisen habe zu den 28 Millionen Franken tieferen Kosten geführt. Das betonte Rolf Schumacher, Leiter Technik, der die Vorteile des günstigen Marktumfeldes im Detail aufzeigte. «Wir konnten das Projekt vollständig selber finanzieren», heisst es im Bericht. Allein an Zinsen liessen sich 2 Millionen Franken einsparen. Mit 126 313 angelieferten Tonnen Kehricht gab es 2015 einen neuen Rekord, primär verursacht durch den Grossbrand in der KVA Oftringen. Die Menge Hauskehricht ging erneut zurück. Auch dieses Jahr laufen die Öfen in Buchs bisher auf Hochtouren. Von Januar bis Mai 2016 wurden 6,1 Prozent mehr Güsel geliefert und 55 595 Tonnen verbrannt und damit viel Energie erzeugt.

Zu den 26 300 Megawattstunden (MWh) Dampf kommen noch 26 300 MWh Strom (plus 9,2 Prozent). «Das ist sicher erfreulich, nur leider sind die Preise im Keller», betonte Geschäftsleiter Harald Wanger. Wer die strengen Vorgaben des Bundes erfüllt, bekommt aber Geld aus der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV). Deshalb brachte der Stromverkauf letztes Jahr statt 2,4 rund 3,5 Millionen Franken in die Kasse. Insgesamt ist Wangers Fazit klar und berechtigt: «Wir sind stolz auf unsere gute Anlage».

Die kurze Ehrung hat Guido Fischer nicht gesucht, aber sie ist höchst verdient: Seit 30 Jahren ist er Präsident und hat den verschuldeten Verband zur heutigen Blüte gebracht. «Mit Weitsicht und offener Kommunikation gegenüber allen», lobte Fritz Wenzinger, Präsident der Bau- und Betriebskommission, und überreichte eine Holzkiste mit feinen Weinen, begleitet von viel Applaus.

Die Abgeordneten sagten einstimmig Ja zur Abrechnung, zum Geschäftsbericht und zur Jahresrechnung. Ebenso klar wählten sie Rudolf Donat, Grossrat und Gemeinderat in Wohlen, neu in den Vorstand. Denn der in den Nationalrat gewählte Matthias Jauslin hat seinen Rücktritt auf Ende Amtsperiode eingereicht.

Im Spätherbst wird der Verband übrigens erstmals in seiner 47-jährigen Geschichte ennet der Grenze tagen, am 16. November im deutschen Dogern. Seit 20 Jahren liefert der Raum Waldshut jährlich 7000 bis 8000 Tonnen Kehricht nach Buchs (und nach Turgi) und hat die Aargauer dank bester Beziehungen eingeladen.

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