Ein Tonstudio in Aarau. Robin Lüscher steht am Mikrofon und rappt. Der 26-Jährige aus Oberentfelden hat eine tiefe, raue Stimme. Sein Song «Flügende Wolf» handelt von einem Wolf, der sich aufmacht, den Mond anzuheulen. Dabei liegen ihm aber einige Steine im Weg. Schlussendlich wachsen dem Wolf Flügel und die Hindernisse halten ihn nicht mehr auf. Auch die anderen Lieder auf Lüschers Debütalbum «Chaos & Harmonie» sind sehr metaphorisch, erzählen von Berg-und-Tal-Fahrten und Schicksalsschlägen. Das Motiv des Wolfes kommt immer wieder vor. «Im Wolf sehe ich mich selber», sagt Lüscher und zeigt seinen Arm. Darauf prangt ein grosses Wolfs-Tattoo. «Der Wolf ist ein Einzelgänger, aber trotzdem ein Rudeltier, das passt gut zu mir.» Lüscher schreibt alle Texte selber. Inspirieren lässt er sich von seinem Leben: «Es gab eine Zeit, da habe ich viele Kollegen verloren, hatte Beziehungsprobleme und musste lernen, wer meine richtigen Freunde sind.» Diese, wie auch gute Erfahrungen, verarbeitet er beim Rappen.

Chris Raw - Flügende Wolf

«Ich war furchtbar aufgeregt»

Lüschers Künstlername ist «Chris Raw». Chris ist sein zweiter Vorname und «Raw» eine Anspielung auf seine raue Stimme. Lüscher rappt auf Mundart. Seine Lieder entsprechen keinem bestimmten Genre: «Das Album ist eine Mischung zwischen Pop, Rock, Swing und Hip-Hop. Ganz divers, so wie ich.» Die Beats zu seinen Liedern hat Lüscher nicht selber gemacht, sondern grösstenteils eingekauft. Das Aufnehmen der Songs im Tonstudio hat fast 1,5 Jahre gedauert. Lüscher, hauptberuflich Logistiker, brachte die Zeit dafür gerne auf. Und auch das Geld: Rund 4000 Franken musste er für die Beats und die Produktion bezahlen. Zusätzlich hat er zu einigen Liedern Musikvideos gedreht, das erste erscheint am Wochenende.

«Ich rappe, seit ich 13 Jahre alt bin», sagt er. «Und ein eigenes Album aufzunehmen, war mein grosser Traum.» Lüscher nahm sich deutsche Musiker wie Xavier Naidoo und Kool Savas zum Vorbild. «Am Anfang waren meine Texte wirklich schlecht. Aber mit der Zeit und der Erfahrung wurde ich besser.» Mit 20 Jahren trat Lüscher zum ersten Mal im ehemaligen Teufenthaler Jugendkulturhaus «Hemp» auf. «Ich war furchtbar aufgeregt», sagt er. Dann folgten Auftritte im KIFF in Aarau. «Inzwischen legt sich die Nervosität nach dem ersten Song.»

Musik ist brotlose Kunst

Lüschers Debütalbum erscheint am 22. März, am 26. April findet im Flösserplatz die Plattentaufe statt. Danach kann man das Album online kaufen und herunterladen. Lüscher möchte mit seinen Liedern möglichst viele Leute begeistern. «Das Tollste wäre, wenn jemand die Texte auswendig kennt. Oder ich grosse Hallen füllen kann.»

Er betont, dass er nicht auf Biegen und Brechen berühmt werden will. «Die Chancen dafür sind nicht allzu realistisch, das weiss ich.» Es gehe ihm auch nicht ums Geld, die Musik sei eine brotlose Kunst. «Ich will mir treu bleiben und mich nicht verstellen, nur um der breiten Masse zu gefallen.» Ein echter Wolf eben.