Die Aarauer Stimmberechtigten haben indirekt noch einmal über das neue Stadion im Torfeld Süd zu befinden: Sie sollen die Teiländerung der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) genehmigen, die nötig ist für die vier Hochhäuser, mit denen das Stadion nun querfinanziert werden soll. Der Fahrplan beim Stadion-Projekt ist damit abhängig von der Totalrevision der Aarauer BNO. Die dortigen Verzögerungen schlagen auch auf das Stadion durch. Die Teilnutzungsänderung für die Hochhäuser basiert nämlich auf der revidierten, vom Einwohnerrat im Sommer 2018 fürs Erste in Teilen verabschiedeten BNO. Die Hochhäuser-BNO-Teilrevision setzt voraus, dass die vom Einwohnerrat nicht zurückgewiesenen Teile der revidierten BNO Rechtskraft erlangt haben. Erst dann, wenn die neue BNO vom Regierungsrat genehmigt ist, kann die Teilrevision für die Hochhäuser in den Einwohnerrat kommen. Und erst, wenn sie den Einwohnerrat passiert hat, kann sie dem Volk vorgelegt werden.

Einer der BNO-Brennpunkte, der mit dem Torfeld Süd nichts zu tun hat, sich unter Umständen aber auf den Stadion-Fahrplan auswirkt, ist das Kraftwerk-Erneuerungs- und Wohnüberbauungsprojekt der Eniwa AG an der Erlinsbacherstrasse. Den Eniwa-Plänen bläst hier seit Jahren ein widriger Wind vonseiten der Interessengemeinschaft (IG) Alte Badi entgegen. Zuletzt hat Rechtsanwalt Urs Hochstrasser am 5. November 2018 im Namen von 44 Hungerberg-Anwohnern beim Regierungsrat eine Beschwerde gegen die Stadt Aarau deponiert. In der Begründung wird etwa moniert, dass für die erst in der 2. Auflage eingeführte Energiezone kein Mitwirkungsverfahren durchgeführt wurde. Auch wird verlangt, dass ein Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) einzuholen sei.

Elemente des Erholungsraums

Die Beschwerdeführer wollen eine Art Garantie für den Fortbestand des Uferwegs auf der Nordseite des Kanals. Sie möchten deshalb die Energiezonen uferseitig um einen durchgehend 20 Meter breiten Streifen verkleinern, der – wie auch die Wiese ganz im Westen – der Zone Freiraum oder einer Spezialzone Erholung zuzuweisen wäre. Den Spielplatz möchten sie belassen, wo er ist. Die Wohnüberbauung soll nach ihren Vorstellungen nicht mehr als zwei Stockwerke aufweisen dürfen.

In ihrer Stellungnahme vom 20. Dezember stellt die Eniwa AG Antrag auf Abweisung der Beschwerde. In Bezug auf die konkreten Anträge der Beschwerdeführer hält sie beispielsweise fest, dass sich die Einholung eines ENHK-Gutachtens erübrige, weil sie selbst im Rahmen ihres Kraftwerkprojekts beim Kanton den selben Antrag stellen werde. Zudem gewährleiste die Kraftwerk-Konzession die Durchgängigkeit der Wege entlang der Aare. Teilweise würden diese sogar verbreitert. Es gebe also keinen Grund, einen entsprechenden Streifen der Zone Freiraum oder der Spezialzone Erholung zuzuweisen. Weiter bekräftigt die Eniwa die Absicht, den Kinderspielplatz auf die Mittelinsel zu verlegen. Diese Zone Freiraum sei dafür weit geeigneter als der jetzige Standort in der Nähe der stark befahrenen Erlinsbacherstrasse.

Die Beschwerdeantwort der Stadt Aarau vom 27. Dezember an die Rechtsabteilung des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) deckt sich im Wesentlichen mit der Sicht der Eniwa. Auch die Stadt beantragt vollumfängliche Abweisung der Beschwerde. Aus verfahrensökonomischen Gründen haben die Einsprecher den Antrag auf Einholung eines ENHK-Gutachtens zurückgezogen. An der Forderung, uferseitig eine 20 Meter breite Freihaltezone auszuscheiden, halten sie dagegen fest. Zusätzlich möchten sie, dass entlang der beiden Ufer «öffentliche Wege planungsrechtlich eingetragen werden und bei den allfällig betroffenen Privatgrundstücken diese Wege via Durchgangsrecht grundbuchamtlich gesichert werden». Auch am Antrag, dass die Überbauung an der Erlinsbacherstrasse nicht der Zone Arbeiten und Wohnen 3-geschossig mit Pflichtgestaltungsplan zugeteilt, sondern in der Zone Wohnen 2-geschossig belassen werden solle, halten sie fest. Wie auch am Antrag, dass die Wiese westlich des Parkplatzes der Zone Freiraum, allenfalls einer Spezialzone Erholung, zuzuweisen sei. Im neuen Bauzonenplan wird die Wiese als strategische Reserve in der Zone Öffentliche Nutzung geführt.

Vor ein paar Tagen fand in Anwesenheit zweier Juristen des Kantons eine Einigungsverhandlung zwischen Vertretungen der IG auf der einen sowie der Stadt und der Eniwa auf der andern Seite statt. Doch die Fronten sind verhärtet. «Es seht nicht nach einer Einigung aus», sagt Urs Hochstrasser von der IG auf Anfrage. Die Eniwa habe auch wieder neue Pläne ins Spiel gebracht. Nun sei die Rede von einem Betriebsgebäude, das nicht über 14 Meter hoch, aber 80 Meter lang sei. Wie es nun weitergehe? – Entweder komme die Eniwa auf die IG zu, sagt Hochstrasser. Oder dann werde den Beschwerdeführern eben einfach ein Entscheid mitgeteilt. Dieser, das bestätigt Hochstrasser auf Anfrage, wäre dann wieder anfechtbar.