Aarau
«Die Jugendlichen kommen bereits alkoholisiert»

Der Lärm und Müll nach den Partynächten in der Altstadt bereitet auch den Wirten Sorge. Das Problem sind ihrer Meinung nach Jugendliche, die bereits alkoholisiert nach Aarau kommen.

Hermann Rauber
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Jugendliche Partyggänger (Symbolbild)

Jugendliche Partyggänger (Symbolbild)

Keystone

Die Wirte sind bereit, die Verantwortung für ihre Gäste vollumfänglich zu übernehmen. Der Konfliktherd liegt nach Meinung des Vereins Gastro Altstadt aber bei den vorwiegend jugendlichen «Trittbrettfahrern», die sich jeweils nicht in Restaurants, sondern im öffentlichen Raum versammeln und oft bereits alkoholisiert nach Aarau kommen. Hier hofft man auf ein vermehrtes Engagement der Stadt, namentlich der Polizei.

Die Altstadtwirte ärgern sich nicht minder heftig über Vandalismus, Radau und Littering in den späten Abend- und frühen Morgenstunden als Anwohner oder der Detailhandel. Deshalb suchen sie mit allen Nutzern des Stadtzentrums einen tragfähigen Konsens, namentlich auch mit dem Quartierverein der Altstadtbewohner. Das ist das Resultat einer Aussprache im Rahmen von Gastro Altstadt zur gegenwärtigen Situation im historischen Kern der Kantonshauptstadt, der nach der Neugestaltung der Altstadtgassen eine gewollte Belebung erfahren hat. Die Wirte haben ein hohes Eigeninteresse an einem «geordneten Betrieb» in und vor ihren Lokalen.

Nicht für alles verantwortlich

Nicht verantwortlich gemacht werden können die Gastronomen ihrer Ansicht nach aber für das, was ausserhalb ihres Rayons im öffentlichen Raum, auf der Gasse also, abläuft. Hier liegt nach Meinung der Wirte der Hund begraben. Man ist sich laut Präsident Othmar Gruber einig: «Neben unseren normalen und problemlosen Gästen tummeln sich vor allem am Wochenende immer mehr Trittbrettfahrer in der Altstadt, die mit ihrem Benehmen für ein schlechtes Image sorgen.» An diesem lästigen Umstand stossen sich nicht nur die Bewohner, sondern gleichermassen auch die Wirte.

Die Wirte wissen, dass ein vorwiegend junges Publikum zum guten Teil bereits alkoholisiert aus der Region nach Aarau reist oder sich hier am Bahnhof mit billigen Getränken versorgt, die dann rund um die Altstadt – im Kasinogarten, am Graben, auf dem Färberplatz oder im Aareraum – im Freien konsumiert wird. Anschliessend versammelt man sich geballt an neuralgischen Punkten in den Gassen des historischen Kerns und sorgt nicht selten für Immissionen, Lärm, Littering und Vandalismus.

Hier müsste nach Ansicht der Altstadt-Wirte der Hebel angesetzt werden. Man sorge zwar im eigenen Lokal und in der Gartenwirtschaft für Ordnung und Sauberkeit, die Kontrolle des öffentlichen Raums sei aber nicht Sache der Wirte, sondern der Stadt. In diesem Punkt teile man die Ansichten und die Kritik des Quartiervereins der Altstadtbewohner (VAA) und suche nach einer gemeinsamen Lösung. Zugespitzt habe sich mit der gesteigerten Attraktivität der Altstadt das Entsorgungsproblem. Deshalb erwarten die Wirte von der Stadt unter anderem zusätzliche Abfallkübel und vermehrte Leerung derselben.

Sukkurs gefordert

Unterstützung erhofft man sich im Kampf gegen die Minderheit der schwarzen Schafe in der Altstadt auch durch vermehrte Polizeipräsenz (auch mit Zivilpatrouillen) im kritischen Zeitfenster zwischen 2 und 3 Uhr morgens. Denn nicht selten sind Wirte selber Opfer des gesellschaftlichen Phänomens in Form von Vandalismus, und zwar beim Blumenschmuck oder Mobiliar der Gartenwirtschaften. «Auch wir wollen in der Altstadt kein Chaos und keinen Dreck», betont Othmar Gruber. Diesen Kampf könnten die Wirte aber nur mit dem Sukkurs durch die öffentliche Hand gewinnen.