Aargau

Die Suche nach der richtigen Partei ist wie Dating: Eine kurze Liaison mit der SP

Delegierte bei der SP stimmen ab.

Delegierte bei der SP stimmen ab.

Die richtige Partei zu finden, ist ein bisschen wie Daten; es gibt viel zu viel Auswahl und man ist nie wirklich sicher, ob einem nicht doch noch eine «bessere» über den Weg läuft. Anfang 20 war ich auf der Suche nach der Richtigen – nach der grossen Liebe sozusagen. Ich hatte da so meinen Typ; sie sollte ungestüm sein, neugierig und wie ich die Welt retten wollen. Vor allem wusste ich aber, was ich nicht wollte; nicht zu konservativ, zu christlich, zu wirtschaftshörig.

So machten sich die Kuppler in meinem Umfeld ans Werk und stellten mir die Partei vor, welche später meine erste werden sollte; die SP. Auf den ersten Blick passten wir nicht schlecht zusammen; uns beiden waren die Menschen in der Politik das Wichtigste; wir wünschten uns Gerechtigkeit, Solidarität und eine intakte Umwelt – die Unterschiede zwischen uns hatte ich damals noch grosszügig ignoriert.

So war es auch kein Wunder, dass mein frisch politisiertes Ich sich nicht zweimal bitten lies – also eigentlich waren’s doch zwei Mal, schliesslich war ich ein verschüchtertes Teenie-Mädchen – als ich angefragt wurde, ob ich für die SP für den Aarauer Einwohnerrat kandidieren möchte.

An unser erstes Date erinnere ich mich noch gut: Es war ein sonniger, fast schwüler Spätsommernachmittag. Wir gingen an ein Fest in der Altstadt. Ich erinnere mich an die roten Ballons, an die Kinder, die miteinander «Fangis» gespielt haben und an das Cüpli, das mir angeboten wurde. Wir diskutierten über Politik und die Welt; über Ideale und Träume. Es war ein nettes erstes Date, aber so wirklich gefunkt hat es eben auch nicht – muss ich im Nachhinein eingestehen.

Ich liess mich trotzdem darauf ein; mit «So-was-wie-Schmetterlingen» im Bauch kandidierte ich für die SP. Ich liess ein hübsches Foto machen, füllte einen Smartvote-Fragebogen aus und durfte sogar ein Mini-Interview in eben der Zeitung geben, in der du diesen Text gerade liest. Es war eine aufregende Zeit. Das erste Mal kam ich wirklich mit Politik in Berührung.

Trotzdem, mit der SP und mir war’s so schnell wieder vorbei, wie es begonnen hatte. Wir waren vielleicht ein halbes Jahr in dieser schwer definierbaren Zwischenzone zwischen Singleleben und Beziehung; man trifft sich zwar ständig, ist aber noch nicht bereit, sich wirklich festzulegen. Im Parteijargon wäre das wohl ein Sympathisant. Und irgendwann waren die Schmetterlinge dann einfach verflogen.

Plötzlich störte ich mich an ihrer Träumerei und vermisste den Realitätssinn. Es nervte mich, dass sie immer so schnell eingeschnappt war, und ihr ständiges Genörgel über die Wirtschaft. Vielleicht war sie mit ihren 132 Jahren einfach zu alt für mich, zu festgefahren – oder wir waren schlicht nicht füreinander bestimmt.

Wir haben uns im Guten getrennt, die SP und ich, auch wenn wir ehrlicherweise nie wirklich fest zusammen waren – nie sind wir den heiligen Bund der Mitgliedschaft eingegangen. Es lag nicht an dir, liebe SP, es lag an mir! Ich habe mich verändert, bin reifer geworden. Den Idealismus meiner ersten Politliebe habe ich mit in die Mitte genommen – ihre Ideologie aber habe ich zurückgelassen.

Als frischgebackener Single habe ich mich also wieder ins Meer der Möglichkeiten gestürzt – auf der Suche nach der Richtigen. Und da war sie; jung, frisch, vielseitig; trotzdem geerdet und bodenständig. Plötzlich war ich Hals über Kopf verliebt – und das bin ich, obwohl es auch schon stürmisch war, bis heute. Und wer weiss; vielleicht wird es diesen Herbst ja sogar richtig ernst.

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