Leerwohnungsbestand

Die Zahl der leeren Wohnungen steigt: Doch ohne den Sonderfall Suhr würde Aarau-Lenzburg gut dastehen

Die Zahl leerer Wohnungen hat im Kanton Aargau weiter zugenommen.

Die Zahl leerer Wohnungen hat im Kanton Aargau weiter zugenommen.

Die Zahl der leeren Wohnungen stieg in der Agglomeration auf über 1000. Auch im oberen Wynental ist sie hoch. Doch ohne den Sonderfall Suhr würde Aarau-Lenzburg gut dastehen.

Am 1. Juni standen im Aargau 8733 Wohneinheiten leer. 4,2 Prozent mehr als im Vorjahr – und so viele wie noch nie (AZ vom 11.8.). Eine Detailanalyse der Leerwohnungszahlen fördert interessante regionale Erkenntnisse zu Tage. So hat sich die Zahl der leeren Wohnungen in Boniswil überraschend schnell normalisiert. Zwischen 2018 und 2019 explodierte sie von 15 auf 61. Jetzt sanken sie auf 28 – ein nahezu normales Niveau.

Es wird aber im Seetal immer noch viel gebaut und in der Pipeline sind weitere grosse Projekte. Etwa in Birrwil, in dem 27 leer stehende Wohnungen (Vorjahr 18) registriert wurden. Oder in Beinwil am See, wo die Leerstände mit 75 (76) praktisch konstant blieben. Leicht mehr Leerwohnungen hat es auch in den Goldküstengemeinden Meisterschwanden (16, plus 5) und Seengen (47, plus 7).

Staufen weiterhin mit grosser Anziehungskraft für Mieter

Obwohl in Staufen, der Wachstumsgemeinde schlechthin, weitere Grossprojekte beendet und damit Wohnungen bezugsbereit wurden, sanken die Leerstände sogar leicht: Von 59 auf 55 und in Lenzburg füllen sich die in den letzten Jahren produzierten Wohnungen allmählich. Am 1. Juni warteten noch 98 Wohnungen auf einen Mieter. Vor zwei Jahren waren es noch 141. In Aarau sind es 125 (119).

Nach dem Rückgang im Vorjahr (minus 12 Prozent) stieg die Zahl der leeren Wohnungen in der Agglomeration Aarau-Lenzburg (die beiden Städte plus Buchs, Suhr, Küttigen, Biberstein, Rupperswil, Niederlenz, Hunzenschwil, Schafisheim und Staufen) dieses Jahr markant an: von 737 auf 1012 – plus 37 Prozent. Ohne den Sonderfall Suhr wäre die Zahl nahezu konstant geblieben. Suhr meldete am 1. Juni neu 361 leere Wohnungen – 285 mehr als vor einem Jahr.

Das war kantonaler Spitzenwert. Traditionellerweise weit vorne klassiert ist auch Gränichen: Rang 4 mit 258 leeren Wohnungen (in den Vorjahren 259 respektive 228). Gränichen scheint so etwas wie ein Sockel-Leerstand zu haben. Es gibt allerdings Hoffnung: In Buchs, wo in der Vergangenheit ähnliche Effekte zu verzeichnen waren, ist die Zahl der Leerwohnungen von 169 auf 148 gesunken.

Wieder mehr leere Wohnungen im oberen Wynental

Interessant ist auch immer ein Blick in die Täler. Im oberen Wynental sind die Mieter seit Jahren in einer komforta­blen Situation, wenn sie eine Wohnung suchen: Menziken und Reinach haben neu zusammen fast 400 leer stehende Wohnungen. In Reinach ist die Zahl innert Jahresfrist von 123 auf 162 markant gestiegen. In Menziken blieb sie auf hohem Niveau (234) fast konstant.

Deutlich besser sieht es zwischenzeitlich in Schöftland aus: Die Zahl der leeren Wohnungen sank von 153 auf 122. Sie dürfte weiter zurückgehen, weil die Bautätigkeit zumindest vorübergehend etwas nachgelassen hat.

In Kölliken erhielten im Juni die Besitzer von 92 Wohnungen keine Miete. Mit 112 war der Leerstand vor zwei Jahren allerdings noch deutlich höher.

Wie hoch die Leerwohnungsziffer (Anteil der leeren Wohnungen am Gesamtbestand aller Wohnungen) ist, wird erst Mitte November bekannt.

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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