Leitartikel

Die Zeichen stehen auf Sturm: Verabschiedet sich Suhr aus Region Aarau?

Urs Helbling
Das 50-Meter-Becken des Freibads in Suhr soll im Winter überdacht werden.

Das 50-Meter-Becken des Freibads in Suhr soll im Winter überdacht werden.

Bis im Frühherbst war rund um die Kantonshauptstadt so etwas wie regionale Aufbruchstimmung zu spüren. Dann gabs am 27. September einen ersten Dämpfer: Suhr verabschiedete sich mit 54,6 Prozent Nein aus dem Gemeindefusionsprojekt Zukunftsraum Aarau.

Die Schaffung des Zukunftsraums ist so etwas wie die regionalpolitische Kür. Die Pflicht ist die Finanzierung der Traglufthalle über dem Freibad Suhr-Buchs-Gränichen. In 11 von 17 Gemeinden des Regionaplanungsverbandes aarau regio (nicht gleichbedeutend mit Region Aarau) hätte in den nächsten Wochen über eine finanzielle Beteiligung entschieden werden sollen. Oberentfelden und Kölliken haben sich schon frühzeitig aus dem Prozess verabschiedet, Biberstein hat den Entscheid coronabedingt auf nächstes Jahr vertagt.

Bemerkenswert ist, dass bisher dem 3 Millionen Franken teuren Vorhaben viel Sympathie entgegengebracht worden ist. Oppositionslos zugestimmt haben etwa Densbüren oder Erlinsbach AG. Mit dabei sind auch zwei der vier Hauptfinanzierer: Aarau (Abstimmung über das Budget am nächsten Wochenende ist Formsache) und Gränichen (Referendum unwahrscheinlich). In Gränichen hat der zuständige Gemeinderat letzten Freitag die «grosse symbolische Bedeutung» des Projektes betont: «Es geht ums regionale Planen, Finanzieren und Realisieren. Das wird immer wichtiger.»

Die Zeichen stehen auf Sturm

Jetzt droht die regionalpolitische Pflicht ausgerechnet in der Standortgemeinde Suhr vorzeitig abzustürzen. Entschieden wird am Donnerstag an der Gemeindeversammlung. Spätestens seit die FDP die Nein-Parole herausgegeben hat («Wunschinvestition»), stehen die Zeichen auf Sturm. Es ist ein vorzeitiges Ende des Projektes zu befürchten. Tatsächlich würden vom überdachten Wasser primär die ambitionierten Sportler des erfolgreichen Schwimmclubs Aarefisch profitieren – aber auch viele andere. Und tatsächlich ist es schwierig, eine solche Investition genau dann zu verkaufen, wenn gleichzeitig eine Steuerfusserhöhung um 4 (oder 6) auf 112 (114) Prozent beantragt ist. Schliesslich geht es nicht nur um die Investitionskosten (im Fall von Suhr 450'000 Franken), sondern auch um Betriebsbeiträge (voraussichtlich 30'000 Franken pro Jahr).

Wenn Suhr der regionalpolitischen Pflicht, der Traglufthalle, den Todesstoss versetzt, dann klinkt es sich auch aus der Region Aarau aus. Und das ausgerechnet wenige Jahre bevor Suhr selbst auf Solidarität angewiesen ist, wenn nämlich die Allgemeinheit etwa eine Viertelmilliarde Franken in seine Umfahrung (Veras) investieren soll. Ein Projekt, von dem viele profitieren werden. Solidarität zahlt sich auf Dauer aus – auch für die Suhrer.

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Urs Helbling

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