Densbüren

Diskussionsrunde zum Fusionsprojekt: «Können die Aarauer auch die Ärmel hochkrempeln?»

"Zukunftsraum"-Stammtisch in Densbüren

"Zukunftsraum"-Stammtisch in Densbüren

Mit coronabedingter Verspätung konnte in Densbüren eine Diskussionsveranstaltung zum Fusionsprojekt Zukunftsraum Aarau stattfinden. Die Einwohner der kleinsten Zukunftsraumgemeinde schwanken zwischen Selbstbewusstsein und Skepsis.

Gegen Ende kam Ammann Roger Meyer dann doch noch mit der in Densbüren oft zitierten Jahreszahl 1502. Damals kaufte Bern die Herrschaft Urgiz. Seither sind Densbüren und Asp eine Gemeinde, wenn auch mit zwei Ortsteilen. «Und noch heute sagt kein Asper, er sei Densbürer», betonte Meyer. «Wir sind das beste Beispiel dafür, dass bei einer Fusion die Identität nicht verloren geht.»

Etwa 30 Personen waren in die Turnhalle zum «Zukunftsraum-Stammtisch» gekommen – «immerhin prozentual vier Mal mehr als in Entfelden», konstatierte der Ammann lachend. Die Rahmenbedingungen des Fusionsprojekts Zukunftsraum waren den meisten Anwesenden schon hinlänglich bekannt. Erstmals begründete der Gemeinderat aber im Detail, weshalb er sich – «und zwar einstimmig», verriet Meyer – für einen Fusion im Grossraum Aarau ausspricht.

«Das Finanzielle ist kein Hauptargument»

Die grossen Themen seien Schule, Finanzen, Service und Identität. Eine Steuerfusssenkung von heute 117 auf möglicherweise 97 Prozent in der Fusionsgemeinde wäre zwar verlockend. «Das Finanzielle ist für mich aber kein Hauptargument», sagt Roger Meyer. Immerhin konnte Densbüren seine Pro-Kopf-Schulden in den letzten sieben Jahren von 5100 auf 1600 Franken abbauen. Einerseits, weil die Gemeinde vom Finanzausgleich profitiert – etwa ein Drittel der Einnahmen kommen daraus – andererseits, weil das Gewerbegebiet Kaisermatt am nördlichen Dorfeingang prosperiert. Beides kann aber jederzeit kippen, wenn sich die Wirtschaftslage oder die kantonalen Bestimmungen ändern, «und dann plagt uns das massiv», so Meyer.

Was den Service angeht, so entfallen zwar bei einer Fusion die Personal-Rekrutierungssorgen – sei es für Behörden oder Verwaltung -, aber Densbüren verliert seinen Verwaltungsstandort. Nur die Feuerwehr und die Abteilung Unterhalt öffentlicher Raum nutzen das Gemeindehaus weiterhin als Betriebsstandort. Für Schaltergeschäfte muss man in der Regel über die Staffelegg. Es sei aber möglich, «auf Anfrage» auch vor Ort in Densbüren Termine zu vereinbaren. Ausserdem würden durch die zunehmende Digitalisierung weniger Schalterkontakte nötig sein, hiess es am «Stammtisch.»

Ein zentrales Anliegen vieler Voten aus dem Publikum war der Erhalt der Schule. Der Gemeinderat ist der Ansicht, als Stadtteil habe man die grössere Chance, den Standort halten zu können. Schulpflegerin Edith Suter betonte, Ängste seien unbegründet. Die Schule hat über das Tal hinaus einen hervorragenden Ruf und wird deshalb auch von Familien anderer Gemeinden ausgewählt. Aktuell gehen beispielsweise sechs Aarauer Kinder in Densbüren zur Schule, dazu acht Kinder aus der Heilpädagogischen Schule Schürmatt.

Elektronische Entscheidungshilfe

Der Gemeinderat hat sich die Mühe gemacht, einen Excel-Fragebogen vorzubereiten, der den Stimmbürgern bei der Entscheidung helfen soll. Damit können sie anhand von 28 Fragen und Problemfeldern gewichten, ob eine Fusion ein Vor- oder ein Nachteil für Densbüren wäre – und wie gravierend das tatsächlich ist. Am Schluss spuckt das Computerprogramm eine Gesamtbewertung aus: JA oder NEIN. «Das Instrument hilft, langfristige, vorausschauende und vor allem faktenbasierte Entscheide zu treffen», erklärte Roger Meyer. «Es ist wichtig, dass jeder für sich eine Gewichtung vornimmt.» Der Fragebogen kann hier heruntergeladen werden.

Von Welpenschutz und kleinen Fischli

Die Diskussion im Plenum wurde – wie eigentlich immer in Densbüren – sehr konstruktiv und mit Humor geführt. Verhärtete Fronten, wie etwa in Suhr, sind nicht auszumachen.

Neben ganz konkreten Fragen kamen sowohl Ängste als auch Hoffnungen zum Ausdruck. Zum Beispiel: «Die lachen jetzt schon über uns in Aarau, für die sind wir ein kleines Fischli.»  - «Die haben eine Riesenfreude an uns und finden es lässig, dass wir einen Skilift haben.» - «Wir müssen uns für das Dorf engagieren, egal ob wir fusionieren oder nicht.» - «Die Kriminalität aus der Stadt wollen wir auf dem Land nicht.» -  «Wir haben in Aarau Welpenschutz.» - «Und können denn die Aarauer auch die Ärmel hochkrempeln und zusammenhalten wie wir, wenn es hart auf hart kommt?» - «Die anderen helfen uns zwar dann, unsere Projekte zu bezahlen, aber wir bezahlen auch bei ihnen mit.» - «Wir haben dann keine Kontrolle mehr, was die mit unserem Geld machen.» - «Das Dorfleben profitiert von einer Fusion, weil wir dann mehr Ressourcen haben.» - «Wenn wir alleine bleiben, sind wir noch jemand.»  Und, im Scherz: «Wenn die uns verlottern lassen, müssen wir halt die Staffelegg sperren.» - «Im Notfall bleibt uns immer noch das Demonstrationsrecht.»

Eine junge Frau aus dem Dorf, die seit einigen Jahren in Aarau wohnt, sagte: «Ich sehe es als grosse Chance für nachfolgende Generationen.» Und Ammann Roger Meyer, der nach 17 Jahren im Dienst der Gemeinde zurücktritt (Ersatzwahl am 27. September), betonte zum Schluss: «Wir sind eine kleine, aber verschworene Gemeinschaft. Das wird sich nicht ändern.»

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