Verurteilt
Drogenhandel im Aargau wie in einer Fabrik

Seit 2008 ermittelte die Kantonspolizei Aargau umfangreich gegen eine vorwiegend nigerianische Kokain-Dealergruppe. Gestern wurden drei Kokaindealer des Asylzentrums Schäferwiese verurteilt.

Sabine Kuster
Drucken

Keystone

Seit 2008 ermittelte die Kantonspolizei Aargau umfangreich gegen eine vorwiegend nigerianische Kokain-Dealergruppe. Das Augenmerk lag auf der heute aufgehobenen Aarauer Asylbewerberunterkunft Schäferwiese an der Buchserstrasse. Einige Dealer sind bereits verurteilt, drei mussten am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Aarau erscheinen: Während eine 26-jährige Frau nur in einem Fall als Drogenkurierin angeklagt war und das Gericht ihre Tat als «einmaligen Ausrutscher» einstufte, waren die anderen beiden sehr geschäftstüchtig.

Kokainhandel «wie in einer Fabrik»

Der eine, wegen seiner 45 Jahre «Papa» genannt, wurde von den Aussagen verschiedener Drogenkonsumenten belastet. Fünf erschienen vor Gericht als Zeugen – zwei mussten dazu aus dem Gefängnis geholt werden. Zwei weitere, italienischer Herkunft, deckten sich bei «Papa» jeweils fürs Wochenende mit 5 g Kokain ein. Sobald man die «Schäferwiese» betreten habe, habe «Papa» seinen Stoff angepriesen. Der Handel mit Drogen habe «24 Stunden nonstop» stattgefunden «wie in einer Fabrik».

Die Dealer machten auch Hauslieferungen. Eine Dame mittleren Alters im Pelzmantel und von ausgesuchter Höflichkeit reiste als Zeugin aus Basel an. Sie habe sich damals gefreut, jemanden aus Afrika zu treffen, der sich für ihre Elefantensammlung interessierte. Sie habe ihn zum Nachtessen eingeladen und gefragt, ob er Kokain bei sich habe. Nigerianer seien bekannt dafür, mit Drogen zu handeln. Sie sagte, sie habe 3 g Kokain gekauft – die Ermittlungsbehörden warfen ihr den Erwerb von total 12 g für knapp 1000 Franken vor.

In einer früheren Einvernahme hatte die Dame den Hauptangeklagten, einen 26-jährigen Nigerianer, genannt «Aba», auf einem Foto als ihren Hauslieferer erkannt. Vor Gericht wollte sie ihm nicht begegnen, weswegen er ins Nebenzimmer geführt wurde. Die Schwarz-Weiss-Kopien der Fotos, welche das Gericht ihr präsentierte, waren jedoch so schlecht, dass die Zeugin ihn nicht erneut identifizieren konnte.

Im Falle von «Aba» hatte die Kantonspolizei 2009 innerhalb zweier Monate über 30 Beweise gesammelt; 27 sind abgehörte Telefongespräche. Mit 2 kg Kokain habe er gehandelt und so schätzungsweise 40000 Franken erwirtschaftet. Sein Verteidiger untersuchte die Auflistung genau, insbesondere die verschlüsselten Bezeichnungen für Kokain wie «kleine Frau» (5g), eine «Sache» (10 g) und «Koffer» (1 kg). Er konnte das Gericht teilweise überzeugen, dass möglicherweise falsch gerechnet wurde, sodass der Dealer wegen Handel mit nur 600 g Kokain verurteilt wurde – auch weil nur 30% der Menge als reines Kokain gelten. Bei «Papa» ging das Gericht von 200 g reinem Kokain aus. Gerichtspräsident Thomas Müller betonte jedoch, die Menge sei für das Strafmass nicht ausschlaggebend.

Bis zur Ausschaffung in Haft

«Papa» wurde zu zweieinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, davon 18 Monate bedingt. Die Frau zu 18 Monaten bedingt. Da alle seit über einem Jahr in Haft sitzen, waren beide nach der Verhandlung eigentlich auf freiem Fuss. Um nicht kurzfristig ein Bett suchen zu müssen, wurde die Frau für eine Nacht ins Bezirksgefängnis Zofingen zurückgeführt. Auch «Papa» musste nach Zofingen zurück, vermutlich bis das Migrationsamt die Ausschaffung nach Nigeria in die Wege geleitet hat. Er werde «mit grossem Vergnügen» zu seiner Familie zurückkehren, sagte der Verurteilte. Er sei zuvor nie kriminell gewesen und bereue die Taten. Um Geld für ein Flugticket zu kriegen, «gab es nichts anderes zu tun».

«Aba», der in der Einvernahme nicht kooperierte und mit einem legalen Aufenthaltsstatus in Spanien offensichtlich bloss in die Schweiz kam, um mit Drogen zu handeln, wird erst nach zwei weiteren Jahren Haft ausgewiesen.

Aktuelle Nachrichten