Lange war die Buchser Gemeindepolitik nicht mehr so spannend wie diesen Winter. Gleich drei wichtige Themen stehen an. Der Neubau des Schulhauses Risiacher (19 Mio. Franken), vom Einwohnerrat beschlossen, kommt zwar erst im Mai an die Urne. Am 10. Februar finden jedoch zwei andere Volksabstimmungen statt, die nicht nur das Schicksal von Buchs, sondern – je nach Ausgang – der halben Region mitprägen: das Budget 2019 und der Kredit für einen Wiederbeitritt zum Fusionsprojekt «Zukunftsraum Aarau».

Beim Budget stellen sich nur zwei Fragen: Wie viel (nicht: ob) steigt der Steuerfuss der Gemeinde dieses Jahr? Und schlucken die Buchser die Kröte freiwillig – oder wird sie ihnen vom Regierungsrat in den Hals gestopft?

Das Volk hat im November an der Urne so überdeutlich Nein gesagt zu einem Steuersprung von 100 auf 108 Prozent – mit Zweidrittelmehrheit –, dass es eine Überraschung wäre, sollte es dieses Mal bei exakt derselben Vorlage freiwillig in den sauren Apfel beissen. Sagen die Buchser erneut Nein, muss der Regierungsrat einschreiten. Die nötigen Akten hat ihm der Gemeinderat bereits zukommen lassen.

In den letzten zwanzig Jahren hat der Regierungsrat bei solchen Entscheidungen nicht den Volkswillen berücksichtigt, sondern die nackten Zahlen. Und diese sind im Buchs deutlich. Mit Steuerfuss 108 Prozent kann ein kleines Plus von etwa 50'000 Franken erreicht werden, mit 107 Prozent und schmerzlichen Einsparungen (beim Dorfmuseum, bei der Spitex, bei den Löhnen der Gemeindeangestellten etc.), wie vom Gemeinderat als «Kompromiss» vorgeschlagen, reicht es gerade für eine schwarze Null.

Fakt ist: Der Regierungsrat legt bei seinen Entscheidungen Wert auf ein ausgeglichenes Budget; er geht nicht hin und streicht selber irgendwelche Posten. Das deutet darauf hin, dass der Buchser Steuerfuss dieses Jahr so oder so bei 107 oder 108 Prozent liegen dürfte. Und damit gleichauf mit der Gemeinde Suhr, die von der Grösse und den Strukturen her mit Buchs vergleichbar ist, allerdings ihre Hausaufgaben im Bereich Schulbauten bereits gemacht hat. Buchs hingegen leistet sich seit Jahren einen zu tiefen Steuerfuss und spart sich so kaputt.

Ein wenig ironisch mutet es schon an, dass sich Buchs beim Steuerfuss bisher lieber an Aarau (97 Prozent) orientierte, der Gemeinderat und die bürgerlichen Parteien aber partout nichts von der Stadt wissen wollen, wenn es um eine mögliche Fusion geht. Doch eine Mitte-links-Allianz, aus der die «IG Pro Zukunftsraum Aarau» entstanden ist, hat das Thema endlich wieder auf das politische Tapet gebracht.

Es ist höchste Zeit, dass die Buchserinnen und Buchser richtig mitreden dürfen. Der Gemeinderat hat 2016 in Eigenregie entschieden, aus dem Fusionsprozess auszusteigen. Das darf er zwar. Ob eine Entscheidung dieser Tragweite im Fünfergremium und im stillen Kämmerlein gefällt werden sollte, ohne eine öffentliche Diskussion zu ermöglichen, ist dennoch fraglich.

Der Gemeinderat begründet seine ablehnende Haltung stets mit den Resultaten zweier Bevölkerungsbefragungen 2014 und 2018, die durch ein Institut vorgenommen wurden und zeigen, dass die Bevölkerung keine Fusion wolle (2018 wurden für die Befragung 503 Personen ab 18 Jahren ausgewählt, die seit mindestens einem Jahr in Buchs wohnen und ausreichend Deutsch sprechen). Aber: Eine telefonische Befragung ausgewählter Personen, mag sie noch so repräsentativ sein, ersetzt keinen demokratisch gefällten Entscheid.

Dies soll nun am 10. Februar nachgeholt werden. Bei dieser Vorlage wagt in Buchs kaum einer eine Prognose. Schon gar nicht öffentlich. Hinter vorgehaltener Hand sagen einige politische Aushängeschilder, es gebe wohl ein knappes Resultat, aber in welche Richtung, sei unmöglich vorauszusehen.

Man kann aus finanziellen Gründen Nein stimmen. Allerdings sind die netto 100'000 Franken (brutto 125'000), die der nächste Schritt im Zukunftsraum kostet, bei einer Gemeinde mit einem 30-Millionen-Budget wirklich keine Mammut-Investition. Die Gemeinde gibt dieses Jahr 72'000 Franken für die Fensterreinigung in ihren Schulanlagen aus, und eine Fusionsanalyse würde sicher für mehr Durchblick sorgen.

Oder man sagt Nein, weil man aus Prinzip nicht fusionieren will, Punkt. Das bedeutet dann auch, dass man keine Argumente für – oder gegen – eine Fusion erarbeiten lassen und hören will. Und Entscheidungen ohne Faktengrundlage zu fällen, ist zwar eine Haltung, aber eine doch eher dogmatische.

Was bekommen die Buchser? Erstens: ebendiese Fakten und Argumente, die am Ende eine fundierte Entscheidung pro oder kontra Fusion ermöglichen. Zweitens: eine Stimme in diesem Fusionsprozess, der die ganze Region für immer verändern könnte. Buchs ist auf so vielen Ebenen, unter anderem der Schule, mit «Zukunftsraum»-Gemeinden verknüpft. Gemeindeammann Urs Affolter votiert zwar für ein Nein, sagt im AZ-Interview aber klar: Wenn rundherum alle fusionieren, könne Buchs nicht mehr lange Gallier-Dorf bleiben.

Selbst wenn – was durchaus passieren kann – am Schluss gar keine Fusionen im «Zukunftsraum» zustande kommen, sind die 100'000 Franken nicht verloren. Die Ergebnisse der Fusionsanalyse werden weitere Synergiepotenziale aufzeigen; weitere Möglichkeiten, voneinander zu profitieren, ohne gleich heiraten zu müssen.