Insgesamt investiert die Kirchgemeinde Buchs-Rohr 1,075 Mio. Franken. Das geht ganz ohne Aufnahme von Fremdmitteln, steht doch aus dem Verkauf des Rohrer Pfarrhauses – der Pfarrer hat sein Büro nun im alten Gemeindehaus – genügend Geld zur Verfügung.

Das Ziel: Die Gebäudeinfrastruktur soll saniert, modernisiert und flexibler nutzbar werden, ohne dass grosse Eingriffe in die Substanz gemacht werden müssen. Konkret werden die Annexbauten erneuert, ebenso die Heizung, die Sanitäranlagen, die Küche. Es entsteht mehr Raum, der auch für Fremdnutzungen vermietet werden kann. Kirchensaal und Kirchturm bleiben unverändert. Letzterer ziert übrigens nicht der für reformierte Kirchen übliche Hahn, sondern ein gleichschenkeliges Kreuz.

Eine Wendeltreppe wie im Aargauer Kunsthaus

Gebaut wurde die Kirche mit ihrem streng symmetrischen Grundriss von 1959 bis 1960 vom renommierten Badener Architekturbüro Loepfe, Hänni und Hänggli. Das Büro hat auch das Aargauer Kunsthaus gebaut. Viele Leute würden die dortige Wendeltreppe bestaunen, führt Kirchenpflegepräsident Roland Bialek aus. «Wenigen ist jedoch bewusst, dass diese Wendeltreppe ganz in der Nähe, in der Kirche Rohr, eine kleine Schwester hat.» Ebenfalls sehenswert: die farbigen Fenster des Brittnauer Glaskünstlers Karl-Heinz Bürger.

Für die anstehenden Erneuerungen sind die Zürcher Architekten Stefan Roggo und Christoph Widmer verantwortlich. «Wir fühlen uns geehrt, an diesem hochwertigen Bestand weiterbauen zu dürfen», lassen sie sich in einer Medienmitteilung der Kirchenpflege zitieren. Die Eingriffe beschränkten sich aber auf Nebenräume und Erschliessungsbereiche. Diese sollen sich «dem Vorgefundenen unaufgeregt unterordnen und die ursprüngliche Idee der Architekten unterstreichen». Die nun geplanten Baumassnahmen werden den Kirchenbetrieb für die nächsten 25 Jahre ohne weitere grössere Investitionen sicherstellen können, so die Architekten.

Es ist nicht die erste grössere Investition der Kirchgemeinde. 2017 hat sie beim Kirchgemeindehaus in Buchs über eine halbe Million Franken in einen Anbau investiert. In Rohr wurden erst gerade die langen, sperrigen Kirchenbänke durch je drei kleinere, mobilere ersetzt. Pfarrer Martin Keller sagt in der Medienmitteilung, die Rohrer Bevölkerung schätze es, eine eigene Kirche zu haben. Die Räumlichkeiten seien auch beliebt für ausserkirchliche Angebote wie die Mütter-Väter-Beratung, Konzerte der Musikgesellschaft oder die Vorspielstunde der Musikschule. Die Kirche ist tagsüber immer offen und zugänglich.

Während der Bauzeit kann die Kirche nicht genutzt werden. Ersatz ist aber organisiert: Abdankungen werden in der reformierten Kirche Buchs durchgeführt. Die normalen Gottesdienste, der kirchliche Unterricht und «Religion im Gespräch» finden in der Kapelle der evangelisch-methodistischen Kirche an der Hinterdorfstrasse 14 in Rohr statt. Die ökumenischen Altersnachmittage werden in die Aula des Stäpflischulhauses ausgelagert.

Von der Urpfarrei Suhr abgespalten

Die reformierte Kirchgemeinde Buchs-Rohr wurde vor rund 73 Jahren gegründet, als sich die Rohrer und Buchser von der seit dem frühen Mittelalter bestehenden Urpfarrei Suhr abspalteten. Obwohl Rohr seit bald 10 Jahren Stadtteil von Aarau ist, besteht die gemeinsame Kirchgemeinde mit Buchs weiterhin. Ein Zusammenschluss mit Aarau sei trotz Fusion der politischen Gemeinden nie zur Diskussion gestanden, sagte Kirchenpflegepräsident Roland Bialek 2016 zur AZ. «Die Eigenständigkeit der Kirche hat bei den Rohrerinnen und Rohrern einen hohen Stellenwert.»