Aarau
Eine Wetterfee strampelt gegen Alt-Mister-Schweiz fürs Energiesparen

Wie Linda Gwerder in der «Energy Challenge» den Alt-Mister-Schweiz Renzo Blumenthal besiegte und wie Jolanda Urech hofft, das Label «Goldstadt» zu erhalten.

Urs Helbling
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«Nicht alle Leute haben das Energiesparen bereits mit der Muttermilch eingesogen», erklärte Walter Steinmann, Direktor des Bundesamtes für Energie (BFE), an der Eröffnung des «Energy Village». Eine Wohnbox, eine Spinning-Anlage mit 30 Velos, ein «Marché»-Restaurant: Beim Bahnhof steht bis Samstag eine Roadshow, wie sie Aarau noch kaum je gesehen hat. «Die Energy Challenge ist ein weiterer Mosaikstein bei unseren vielfältigen Aktivitäten im Energiebereich», freute sich Stadtpräsidentin Jolanda Urech. Aarau ist seit 2005 eine Energiestadt. 2017 hofft sie das Label «Goldstadt» zu bekommen – wie es Baden bereits hat.

«Wir badeten nicht alleine»

«Die Leute in Aarau haben ein grosses Energiebewusstsein», erklärte Jolanda Urech. Allerdings hielt sich der Ansturm auf die Roadshow am ersten Abend noch in Grenzen. Gestern sorgte nationale Prominenz für etwas grösseres Interesse. Wetterfee Linda Gwerder (Tele M1, Radio Argovia) duellierte sich mit Biobauer Renzo Blumenthal (ehemaliger Mister Schweiz).
Hat bei der Meteonews-Moderationschefin Linda Gwerder ein Energiespar-Blitz eingeschlagen? Nein, sie ist bereits von ihren Eltern zum sparsamen Konsum von Energie erzogen worden. Die 31-Jährige bezeichnet sich als «typisches Schweizer Landei». Sie ist in einem 300-jährigen Bauernhaus im Zürcher Oberland aufgewachsen. «Als kleines Mädchen badete ich oft mit meiner Schwester zusammen statt allein, um Wasser zu sparen», verriet die Moderatorin im «20 Minuten». Sie hat die Matura gemacht, an einer Textilfachschule studiert und an den Miss-Schweiz-Wahlen 2005 den sechsten Rang erreicht.

«Kerzenlicht ist romantischer»

«Das Thema Energiesparen liegt mir am Herzen», betont Linda Gwerder. «Den Job in Aarau mache ich nicht, um Geld zu verdienen.» Und sie gibt gleich auch noch drei Spartipps: «Es ist romantischer bei Kerzenlicht.» Und: «Beim Zugfahren lernt man die meisten Leute kennen. Viel mehr als im Auto.» Und: «Obwohl viele denken, es brauche nicht viel Strom, wenn sie das Handykabel nach dem Laden in der Steckdose liessen, sollte man es trotzdem herausziehen.»
Gestern trat Linda Gwerder zusammen mit 29 anderen Personen fünf Minuten lang in die Pedale – und gewann gegen Renzo Blumenthal. Ob es daran lag, dass die Zürcherin vor dem Bündner an der Reihe war? Ob die 29 Helfer in den zweiten fünf Minuten schon etwas müde waren? Fest steht: Nach knapp zwei Minuten tat der Bergler Blumenthal bereits so, als sei er ein Fall für den Besenwagen: «Ich mag nüme.» Und am Schluss protestierte der Verlierer (er hatte durchgehalten): «Das ist unfair.»

Die Truppe auf den Spinnning-Velos punktete mit ihrem Einsatz für die Stadt Aarau. Diese liegt im Wettbewerb unter den neun «Energy Challenge»-Städten in Front. Das vor allem, weil viele Energiesparer mit der «Energy Challenge»-App Punkte sammelten.

Für Walter Steinmann, den Direktor des Bundesamtes, ist die Aarauer Spitzenklassierung keine Überraschung: «Das ist nicht untypisch für die Stadt. Sie ist in vielen Sachen voraus.» Der Ehrlichkeit halber sei angefügt: Aarau hat bei Steinmann so etwas wie Heimvorteil: Der kurz vor der Pensionierung stehende Chefbeamte wurde hier geboren und besuchte die Alte Kanti.

Die «Energy Challenge» ist Teil des vom Bundesrat im Jahr 2001 gestarteten Programms EnergieSchweiz. Seit 2011 wendet sich die Energieoffensive direkter an die Endkonsumenten.

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