Anfang August veröffentlichte der Kanton die Leerwohnungszahlen (AZ vom 14. 8.). Gestern publizierte das Bundesamt für Statistik die Leerwohnungsziffern, der Anteil der leeren Wohnungen am Gesamtbestand aller Wohnungen in einer Gemeinde (siehe Tabelle rechts). Die Aussagekraft der Leerwohnungsziffer ist eigentlich höher als der simple Wert der leeren Wohnungen.

Zur Erinnerung: Bei den Leerwohnungen lag Gränichen (259 leere Wohnungen), Menziken (232) Buchs (169), Schöftland (153), Oberentfelden (123) vorne. In Aarau warteten am 1. Juni insgesamt 119 Wohnungen auf einen Mieter oder Käufer, in Lenzburg 111 Wohnungen. Im wegen der grossen Bautätigekit immer wieder als Boom-Gemeinde genanten Staufen waren es 59 (Vorjahr 51).

Boniswil ist landesweit auf dem Rang 23

Nun zur Leerwohnungsziffer: Ein hoher Wert ist grundsätzlich noch nicht beunruhigend. Insbesondere nicht in kleinen Gemeinden, in denen ein fertiggestelltes Mehrfamilienhaus bereits eine grosse Veränderung der Ziffer bedeuten kann. So hat sich die Situation innert Jahresfrist beispielsweise in Holderbank (2018 auf Platz 1 im AZ-Gebiet Aargau West) und in Holziken normalisiert.

Aktuell an der Spitze liegt Boniswil. Mit einer Leerwohnungsziffer von 8.11 hat es die kleine Seetaler Gemeinde (1452 Einwohner) sogar in die landesweite Top 25 geschafft (Platz 23). In Boniswil standen am 1. Juni 61 Wohnungen leer (plus 46 gegenüber dem Vorjahr). Und es wird weiter munter gebaut. Mehr noch: Es hat zumindest ein grösseres, dem Baubeginn nahestehendes Projekt (31 Wohnungen).

Dank der guten Lage (See) dürfte es sich bei Boniswil um einen vorübergehenden Ausreisser nach oben handeln. Schwieriger ist die Lage derjenigen Gemeinden, deren Leerwohnungsziffern über eine längere Frist hoch ist. Im Gebiet Aargau West gilt das speziell für die Gemeinden Menziken, Gränichen, Staffelbach und Schöftland.

Da scheinen Wohnungen am Markt vorbei produziert worden zu sein – und die Gefahr besteht, dass die Leerstände bei einer Rezession noch weiter steigen. Auch wenn der Ziffer in Menziken minim zurückgegangen ist, ist dort immer noch jede 13. Wohnung zu haben. Im landesweiten Vergleich liegen die Wynentaler auf Platz 32.

Der Wohnraum in den Städten ist besonders begehrt

Die meisten Passanten, die in den letzten Jahren an den Baukränen in Staufen (Esterli-Flösch) vorbeigefahren sind, dürften erwarten, dass dort der Anteil an leerstehenden Wohnungen am Gesamtbestand aller Wohnungen überdurchschnittlich hoch ist. Das ist nicht der Fall: Staufen ist mit 3.59 (Vorjahr 3.14) nur oberer Durchschnitt. Es steht aktuell jede 28. Wohnung leer.

Das Angebot und die Nachfrage scheinen da einigermassen im Gleichgewicht zu sein. Das gilt noch viel ausgeprägter für die Städte Lenzburg und Aarau, in denen in den letzten Jahren auch viel neuer Wohnraum gebaut worden ist. Aber offensichtlich mit gutem Grund. In Aarau liegt die Leerwohnungsziffer unter dem Wert 1, es steht also weniger als 1 Prozent der Wohnungen leer. Schwer haben es potenzielle Mieter auch im Steuerparadies Meisterschwanden (0.75).