Zukunftsraum Aarau
Entscheidung in Oberentfelden: Die Befürworter geben sich siegessicher

In Oberentfelden schlägt die Stunde der Wahrheit für die Grossfusion. Die Befürworter geben sich siegessicher.

Daniel Vizentini
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Sie setzen sich für die Fusion ein: Agronomie-Studentin Julia Hauri (20) und alt Gemeindeammann Ruedi Berger (65).

Sie setzen sich für die Fusion ein: Agronomie-Studentin Julia Hauri (20) und alt Gemeindeammann Ruedi Berger (65).

Severin Bigler

In zwei Wochen wird man im ­Fusionsprojekt «Zukunftsraum Aarau» einen Schritt weiter gekommen sein: Entweder Oberentfelden verabschiedet sich – wie im September Suhr – end­gültig davon, oder die Gemeinde bejaht die Erarbeitung eines ­Fusionsvertrags mit Aarau, Unterentfelden und vielleicht Densbüren. Eigentlich war man Anfang September schon so weit. Doch innert weniger Wochen sammelten die Fusionsgegner in Oberentfelden rekordverdächtige 994 gültige Unterschriften und brachten das Referendum zustande. Nun gilt es, am 13. Dezember den Beschluss der Gemeindeversammlung zu bestätigen oder zu widerrufen. Das letzte Wort zur Grossfusion würde an der Endabstimmung in allen beteiligten Gemeinden voraussichtlich Ende 2021 fallen.

Für die Fusion hat sich ein Komitee gebildet, breit abgestützt mit Vertretern aus allen Parteien und aus beiden Entfelden. Unter ihnen sind auch zwei alt Gemeindeammänner unterschiedlicher politischer Lager: Max Gysin (FDP) und Ruedi Berger (SP). Das Pro-Komitee hat sich auffallend Mühe gegeben, die jüngere Generation zu Wort kommen zu lassen. So erscheint zum Gespräch beim Oberentfelder Engelplatz nebst dem 65-jährigen Ruedi Berger auch die 20-jährigegrünliberale Julia Hauri. Unter den Gegnern hingegen positionierten sich bisher öffentlich kaum Jugendliche, dafür viele Parteilose oder Exponenten rechtskonservativer Kreise. Auch deshalb ist Ruedi Berger davon überzeugt, dass am Schluss ein klares Ja an der Urne obsiegen wird – auch wenn er von den fast 1000 Referendumsunterschriften schon beeindruckt sei. «Die Fusionsgegner haben sich ins Zeug gelegt und gute Arbeit geleistet», sagt er. «Ich gehe aber nicht davon aus, dass alle, die unterschrieben haben, gegen den Zukunftsraum sind – sondern dafür, dass wir darüber abstimmen.»

Mit 180 zu 92 Stimmen für den Zukunftsraum sei der Entscheid an der Gemeindeversammlung «sehr klar» gewesen. Und auch dass Unterentfelden am 18. Oktober an der Urne mit 55,9 Prozent Ja gestimmt habe, müsste ein Zeichen sein für Oberentfelden, damit beide Gemeinden auch künftig zusammenbleiben.

Fusion sei demokratischer als nur Zusammenarbeit

An der Gemeindeversamm- lung hallte das Votum eines Zukunftsraum-Befürworters nach, der sagte: «Wir waren mal eine wohlhabende Gemeinde.» Ruedi Berger, der 16 Jahre lang im Gemeinderat sass, 12 davon als Ammann, kann den Satz nachfühlen – und sieht finanziell noch düstere Zeiten auf Oberentfelden zukommen: «Jetzt gehen wir noch nicht als Bittsteller in den Zukunftsraum», sagt er vor den vielen leeren Geschäftslokalen am Engelplatz. Julia Hauri, die an der ETH Agrarwissenschaften studiert, wirft nach: Kaum ein Fusionsprojekt sei derart gründlich vorbereitet worden wie der Zukunftsraum, bei dem Entfelden auf Augenhöhe behandelt worden sei.

Die Herausforderungen, die auf alle Gemeinden zukommen, sollte man besser als grosse Region angehen. «Eine Zusammenarbeit kommt sowieso – als fusionierte Gemeinde wird aber alles übersichtlicher und effizienter», sagt sie. «Und demokratischer», ergänzt Ruedi Berger. Bei den zahlreichen Gemeindeverbänden etwa könne das Volk nicht direkt mitreden. Auch die vielfach kritisierte Einführung eines Einwohnerrats anstelle der Gemeindeversammlung sieht er als einen Demokratie­gewinn. «An den Gemeinde­versammlungen nehmen nur wenige teil und es stimmt einem schon nachdenklich, wie unvorbereitet sie manchmal sind», sagt er. Die geplanten Wahlkreise garantieren, dass Entfelden im Rat «wirklich vertreten sein wird». Gleiche Bedingungen für alle bei Steuern, Gebühren oder Bauvorschriften brächten auch Transparenz und Gerechtigkeit.

Eine Zukunftsperspektive, die die Jungen motiviert

Als Vertreterin der jungen Generation freut sich Julia Hauri auch auf die Stadtteilversammlungen, bei denen sich Jugendliche ab 13 Jahre werden einbringen und mitentscheiden dürfen. Auch sie geht bei der Abstimmung von einem Ja aus. «Von den Jungen sind die meisten dafür, denke ich.» Besonders, weil der Zukunftsraum für sie eine dynamische Zukunftsperspektive biete, die motiviert. «Je grösser die Einheit, desto mehr Spielraum ist da», sagt auch Ruedi Berger. «Ich kann die Bedenken der älteren Bevölkerung verstehen», sagt Julia Hauri zum Schluss. Doch die Möglichkeiten einer gemeinsamen, sinnvollen Stadtplanung wiegen schwerer.