Erinnern Sie sich an die Titelmelodie des Auslandmagazins «Rundschau» in den 70er- und 80er-Jahren? Bestimmt!

Gäbe es eine Hitparade der besten Titelmelodie beim Schweizer Fernsehen, der «Rundschau-Song» würde sicher einer der vordersten Plätze einnehmen.

Die Titelmelohiess «Crosswinds» und stammt vom 71-jährigen Jazzmusiker Billy Cobham, der in der kommenden Woche Stargast ist beim Jazzaar Festival in Aarau.

Der Amerikaner gilt als einer der einflussreichsten Schlagzeuger des Jazz-Rock und des Fusion Jazz.

Schon 1969 war er dabei, damals in der legendären Session von Miles Davis für das wegweisende Album «Bitches Brew». Stilbildend wurde Cobham aber vor allem nachher, im Mahavishnu Orchestra von John McLaughlin und in seinen eigenen Bands.

Mit seinem kraftvollen, unglaublich präzisen, zugleich komplexen und virtuosen Spiel, das die rechte und linke Hand gleichberechtigt verwendete, setzte er als Schlagzeuger im Jazz neue Standards.

In jener kreativen Zeit entstand auch die Rundschau-Nummer «Crosswinds» und ein Jahr früher sein Erfolgsalbum «Spectrum», das auch in den amerikanischen Pop-Charts vertreten war.

Entdeckt wurde der gebürtige Panamese, der im Big Apple von New York aufwuchs, vom Pianisten Horace Silver, der seinerseits den sogenannten Soul-Jazz massgeblich prägte.

Soul-Jazz ist in den 60er-Jahren aus dem Hard-Bop entstanden und bezieht sich melodisch und harmonisch auf den Blues und auf Gospel.

Im Zusammenhang mit dem Soul-Jazz ist erstmals das Wort «funky» verwendet worden, das die zickigen, Rhythmusmuster meint, die später den Funk definierten. «Soul Jazz» gilt aber auch als direkter Vorläufer des Jazz-Rock und des Fusion Jazz.

Dieser «Soul Jazz» wird am Samstag am Festival Jazzaar zusammen mit Billy Cobham gewürdigt.

Neben Kompositionen von Cobham und Horace Silver werden Nummern von George Duke, den Crusaders («Streetlife»), Herbie Hancock («Cantaloupe Island»), Soul-Klassiker von Ray Charles und Otis Redding sowie neue Nummern von Robert Glasper sowie eine Version von Bruno Mars› «Uptown Funk» mit dem Swiss Youth Jazz Orchestra interpretiert.

Seit 1980 in der Schweiz

Stargast Billy Cobham hat einen starken Bezug zur Schweiz. Schon 1980 zog er von New York nach Zürich, um dem strapaziösen Leben als Studiomusiker zu entkommen.

«New York war mein Gefängnis», sagte er rückblickend dem Jazzmagazin «Jazzthing», «klar habe ich gutes Geld verdient, aber ich hatte kein Privatleben mehr. Ich war der Sklave der Musik. Die Schweiz hat mich befreit».

Sechszehn Jahre lang wohnte er in Zürich, heute ist sein Lager im kleinen Berner Dorf Lobsigen, wo er im Keller eines Holzfabrikanten zwei Räume für seine Schlagzeuge gemietet hat.

«Hier habe ich meine Ruhe», sagt er. Lobsigen ist auch Ausgangspunkt für seine Konzerte in Europa, pendelt zwischen seiner Heimat Panama, Lobsigen und Moskau, wo seine Partnerin lebt, hin und her.

Bei Jazzaar gibt der Star-Drummer neben dem Konzert am Samstag, einen Schlagzeug-Workshop in Schönenwerd.

«Seit Jahren habe ich versucht, den gefragten Drummer nach Aarau zu holen. Jetzt endlich hat es geklappt», freut sich Festival -Direktor Fritz Renold.